Lokaltermin WO Stuttgart Ambitioniertes Vereinslokal

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Die Suche nach dem Restauarant WO lohnt sich. Es zählt zu den ambitionierten Vereinslokalen Stuttgarts – genauso wie das Restaurant, in dem Samy Masso zuvor am Herd stand.

Manuela Manger und Samy Masso haben im WO auf der Waldebene Ost das Sagen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Manuela Manger und Samy Masso haben im WO auf der Waldebene Ost das Sagen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Ohne Navi stehen die Chancen nicht zum besten, und auch mit ist es nicht ganz einfach, das Restaurant WO zu finden. Denn auf der Waldebene Ost, die ihren Namen mehr als zurecht trägt, gibt es gleich mehrere Vereinslokale. Eins davon ist das WO: jenes, das nach drei Linkskurven ganz am Ende der Straße neben dem SV Gablenberg liegt. Wer nicht genau schaut, gerät – wie wir zunächst – ins falsche Lokal.

Doch um es gleich zu sagen: Die Suche lohnt sich. Das WO zählt zu den ambitionierten Vereinslokalen Stuttgarts – genauso wie das Reiterrestaurant in der Unteren Körschmühle, in dem Samy Masso zuvor am Herd stand. Nach sieben Jahren dort war die Zeit für den Schwaben mit spanischem Namen gekommen, weiter zu ziehen. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Manuela Manger, die zuvor für eine Fluggesellschaft gearbeitet hat, betreibt er nun das geschmackvoll eingerichtete WO: helles Velour, dunkle Tische, frische Blumen.

Das Menü, das der Küchenautodidakt Masso „alle zwei, drei Tage“ verändert, ist schwäbisch-mediterran, und wie sich schnell herausstellt, raffiniert im Detail. So begleitet den Belugalinsen- und Freilandsalat mit geflammter Entenbrust (klein 7,50 Euro, groß 12,50 Euro) eine Fruchtsauce, die einen aparten Rauchgeschmack mitbringt. Samys Tatar „handgeschnitten“ (klein 9,50 Euro, groß 16,50) ist hingegen archaisch schlicht und gerade deshalb außergewöhnlich: Neben dem frischen Hack gekrönt von Eigelb sitzen drei Häuflein aus Chillies, Kapern und Kräutern. So schnörkellos sieht man selten, was man isst.

Persönlich-locker geht es zu

Lecker. So geht’s auch weiter: Mild und sanft schmeckt das Lachsfilet auf der Haut gebraten mit Kartoffel-Fenchel-Stampf und Meerrettich-Crème-fraîche (16,50 Euro). Einzig wärmer könnte das Ganze sein. Reichlich fällt die Portion des panierten Schnitzels vom hällischen Rücken mit Barbeque-Preiselbeeren, frischem Apfelkren und hausgemachten Pommes frites aus. Auch hier der raffinierte Rauchtouch der Beeren, hauchdünn das Fleisch, fruchtig-scharf der geriebene Apfel mit Meerrettich, liebevoll auf Küchenkrepp im Extraschüsselchen serviert die dicken, knusprigen Pommes. Dass sich die Hintergrundmusik mit der aus der Küche vermischt, irritiert uns und wird nach einer Nachfrage anders, aber nicht besser, als Martina Manger die Beschallung des Lokals lauter dreht. Eine zweite Nachfrage löst das Problem. Das alles passiert beiderseits in freundlichem Tonfall – das kennt man anderswo anders.

Mit den Worten: „Samy hat ein bisschen mehr gemacht, weil’s ja für zwei ist“, stellt Manuela Manger die Apfelküchlein mit Zimtzucker und Walnusseis (4,50 Euro) zwischen uns. Der Teig ist uns etwas hart, das Eis schmeckt kräftig nussig. Persönlich-locker und freundlich geht es im WO zu, für Apologeten professioneller Eilfertigkeit vielleicht etwas zu locker. Alle anderen aber erwartet tief im Wald etwas Besonderes.