Lokführerstreik in Stuttgart Das ganz große Chaos bleibt aus

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Der Warnstreik der GDL am Samstagmorgen hat Stuttgart weniger getroffen als der Warnstreik am Montag. Das Chaos im S-Bahn-Verkehr blieb aus, und die meisten Fahrgäste am Stuttgarter Hauptbahnhof blieben gelassen.

Das Bahnpersonal informiert die Fahrgäste am Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: Horst Rudel 9 Bilder
Das Bahnpersonal informiert die Fahrgäste am Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Bahnreisende haben es in diesen Tagen nicht leicht. Für Samstagmorgen hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erneut zum Streik aufgerufen. Zwischen 6 und 9 Uhr fielen viele Züge im Nah- und Regionalverkehr aus. Auch im Fernverkehr kam es zu erheblichen Verspätungen und einzelnen Zugausfällen. Es war bereits der zweite Warnstreik in nur wenigen Tagen.

Das ganz große Chaos bleibt am Stuttgarter Hauptbahnhof allerdings aus. Ein Samstag ist eben kein gewöhnlicher Wochentag, es sind vor allem Ausflügler und Urlauber unterwegs aber nur wenige Pendler. Die meisten nehmen es gelassen, so auch Heidi Greiner und Ute Hengerer. Sie wollen den Tag in Friedrichshafen verbringen. Der Zug soll um 8.02 Uhr abfahren. Ob er das auch wirklich tut, wissen die beiden Frauen gut 15 Minuten vorher noch nicht. „Sonst nehmen wir den nächsten“, sagt Heidi Greiner. Und am Abend würden sie dann einfach etwas später zurückfahren. Das Bahnpersonal sei auf jeden Fall sehr freundlich gewesen. Das bestätigt auch Britta Bues. „Die waren super nett“, sagt sie. Trotzdem sei die Organisation katastrophal. „Im Internet war nichts zu finden gestern“, sagt sie. Außerdem habe das Service-Zentrum am Hauptbahnhof erst um 7 Uhr geöffnet. Zuvor sei nur der Infostand in der Bahnhofshalle besetzt gewesen. Britta Bues ist auf dem Weg ins westfälische Lippstadt. Um 4 Uhr in der Früh ist sie in Kornwestheim aufgestanden, um ihren Zug um 6.20 Uhr am Hauptbahnhof zu bekommen. Er fiel aus, jetzt wartet sie auf den nächsten.

Die wenigen Pendler am Samstag erwischt der Streik

Noch ungünstiger erwischt der Streik die wenigen Pendler, die auf ihrem Arbeitsweg auf die S-Bahn angewiesen sind. Gegen 7.15 Uhr ist auf einer Hinweistafel am S-Bahn-Eingang in der Arnulf-Klett-Passage zu lesen: „Aufgrund des Streiks ist der S-Bahn-Verkehr eingestellt.“ Vittoria Viezzer ist verärgert. In ihrer Handy-App habe sie keinen Hinweis auf den Streik bekommen. „Ich muss um 8 Uhr bei der Arbeit in Ludwigsburg sein“, sagt sie.

Im Verlauf des Streiks scheint die Bahn dieses Problem allerdings zumindest teilweise in den Griff bekommen zu haben. Ein Sprecher erklärt, dass die Streikenden die Strecke am Feuersee mit zwei Zügen blockiert hätten. Die Schwabstraße habe man nicht mehr anfahren können. Die S 4, S 5 und S 6 seien aber zwischen dem Hauptbahnhof und ihren Endhaltestellen gependelt. Außerdem habe man die S 1, S 2 und S 3 über die oberirdischen Gleise des Hauptbahnhofs und die Gäubahn umgeleitet. „Dadurch, dass wir die S-Bahn fahren konnten, hatten wir ganz gute Bedingungen in Stuttgart, so der Bahnsprecher. Insgesamt seien 60 Züge im Regionalverkehr in Baden-Württemberg ausgefallen.

Die GDL ist zufrieden mit den Streikauswirkungen

Bei der Gewerkschaft zeigt man sich zufrieden mit den Auswirkungen des Streiks. „Im Nahverkehr ist sehr viel ausgefallen“, sagt Dennis Weißgerber von der GDL. „Nach Tübingen ist seit heute Morgen kein Zug gefahren.“ Das Gleiche gelte auch für Ulm. Die Bahnkunden sind nicht die einzigen, die den Streik zu spüren bekommen. Auch bei den Geschäften und Gastronomiebetrieben im Hauptbahnhof machen sich die Zugausfälle bemerkbar. „Es sind weniger Leute unterwegs als sonst“, sagt Monica Münzer vom Schlemmer Grill. Seit heute Morgen um halb sechs habe sie höchstens zehn Kunden bedient. Die Auswirkungen scheinen allerdings je nach Wochentag zu variieren. Am Montag sei der Streik genau in die Abendbrotzeit gefallen. Die Leute hatten Hunger, weshalb sie viel verkauft habe, erzählt Sabine Hedel. Sie ist gerade dabei ihren Stand „Lebe Gesund“ in der Bahnhofshalle aufzubauen.




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