Lokführerstreik Kuhn: Das schadet der Region und der Stadt

Nur noch wenige Züge fahren: Bis Montagmorgen stehen die meisten Loks still. Foto: dpa
Nur noch wenige Züge fahren: Bis Montagmorgen stehen die meisten Loks still. Foto: dpa

Exklusiv Nicht nur Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn kritisiert den Streik der Lokführergewerkschaft GDL. Die Industrie- und Handelskammer sieht auf Unternehmen Engpässe zukommen.

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Stuttgart - Der viertägige Streik der Lokführer ist auch für die Beschäftigten und Unternehmen in der Landeshauptstadt eine große Belastung. Das sieht auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) so: „Die Gewerkschaft der Lokführer ist dabei, die Akzeptanz von gewerkschaftlichen Interessen zu verspielen.“ Kuhn kritisierte insbesondere die Unverhältnismäßigkeit der Streikdauer: „Das schadet empfindlich unserer Region und der Stadt.“

Bei der vom Streik nicht betroffenen Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) will man zwar im Bedarfsfall zusätzliche Stadtbahnen auf das Gleis bringen: „Wir befördern schon täglich bis zu 600 000 Fahrgäste. Wenn noch die bis zu 450 000 S-Bahn-Fahrgäste dazukommen, stoßen wir an unsere Grenzen“, sagt die SSB-Pressesprecherin Susanne Schupp. Auf zwei Linien, der U 6 und der U 7, sollen in den nächsten Tagen extralange 80-Meter-Züge ganztägig verkehren. Dennoch empfiehlt Schupp den Fahrgästen, „sich nach Alternativen umzusehen“.

Die Bahn hat einen Notfahrplan ausgearbeitet

Die Bahn hat einen Notfahrplan für den S-Bahnverkehr ausgearbeitet. Demnach fahren auf allen S-Bahnlinien außer der S 60 im Stundentakt Langzüge, auf der S 60 wird ein Busersatzverkehr eingerichtet. Manche Strecken müssen verkürzt werden. So verkehrt die S 3 nur zwischen Backnang und Bad Cannstatt. Die S4 fährt ab Marbach zur Schwabstraße und zurück, zwischen Marbach und Backnang wird stündlich ein Bus eingesetzt. Und die S 5 ist zwischen Bietigheim-Bissingen und Zuffenhausen im Einsatz. Den S-Bahnverkehr in den Nächten auf Samstag und Sonntag kann die Bahn nicht aufrechterhalten, „das schaffen wir nicht“, so ein Sprecher.

Der Stuttgarter Flughafen teilte mit, dass die Zubringer-S-Bahn-Linie 2 den Airport während des Streiks stündlich anfahren werden. Ebenfalls stündlich, mit einem halbstündigen Abstand zu den Abfahrten der S-Bahn, verkehrt ein Busersatzverkehr zwischen dem Terminal und dem Albplatz in Stuttgart-Degerloch. Dort kann man auf die Stadtbahn umsteigen. Der Busersatzverkehr fährt täglich zwischen 6.38 Uhr und 23.38 Uhr, nähere Angaben dazu finden Passagiere auf der Website des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS). Auch Regionalbusse und Fernbuslinien, die den Flughafen regulär anfahren, verkehren nach den üblichen Fahrplänen.

Besonders betroffen ist der Stuttgarter Einzelhandel

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart ist ebenfalls besorgt wegen der Zugausfälle, die auch den Güterverkehr betreffen. „Wenn ein solcher Streik über mehrere Tage andauert, kann es bei manchen Unternehmen schon zu Engpässen bei der Versorgung mit Nachschub kommen“, so ein IHK-Sprecher. Auch er rät, die Beschäftigten sollten sich in jedem Fall frühzeitig darum kümmern, wie sie zur Arbeit kommen. Verspätungen würden im Regelfall über Gleitzeit- oder Urlaubsregelungen aufgefangen. Hier reagiere jedes Unternehmen individuell, Erfahrungswerte aus den vergangenen Streikrunden lägen der IHK nicht vor.

Besonders betroffen ist der Stuttgarter Einzelhandel, der am Samstag die lange Einkaufsnacht ausgerufen hat. Christian Witt, Sprecher des Kaufhauses Breuninger, hofft, dass die meisten der rund 2000 Breuninger-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz trotz des Streiks rechtzeitig erreichen. Sollte es zu Verspätungen kommen, „sind wir tolerant“, so Witt. Gleichwohl schade der Lokführerstreik dem Umsatz und der Besucherfrequenz im Einzelhandel. Er rechnet damit, dass viele Kunden auf das Auto umsteigen. Das prognostiziert auch Ralf Thomas von der Integrierten Verkehrsleitzentrale in Stuttgart: „Entlang der S-Bahn-Achsen, also im Rems- und Neckartal sowie aus Richtung Ludwigsburg, wird es zu massiven Überlastungen und langen Staus kommen.“ Bei einem solch langen Arbeitskampf komme das Verkehrsmanagement an seine Grenzen.




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