Ein Spaziergang durch London zeigt, dass nichts und niemand an diese Stadt heranreicht. Das liegt auch an den allgegenwärtigen Royals.
London - Die großen Augen der zehnjährigen Nichte sind mir in Erinnerung geblieben, von jenem Abend mit dem Königlichen Ballett in Covent Garden, als sie den ganzen Glitzerglanz des Royal Opera House in Augenschein nahm. "Wo ist die Loge der Königin?", wollte sie wissen. "Die Königin kommt heute Abend doch bestimmt auch?" Leider war Ihre Majestät anderweitig beschäftigt. Aber unrealistisch war die Erwartung keineswegs.
London-Besucher finden schnell heraus, wie sehr die königliche Familie fester Bestandteil des täglichen Lebens in der britischen Hauptstadt ist. Man muss nur am Trafalgar Square stehen und Nelson auf seiner Säule inspizieren, da rauscht schon eine Limousine vorbei, die die königliche Standarte trägt und in der die Queen die Mall hinauf zum Buckingham-Palast befördert wird. Kaum blicken die Londoner noch auf, wenn Blaulichter und Sirenen einer Motorradeskorte signalisieren, dass es dem Prinzen von Wales eilt oder dass der Premierminister auf dem Weg zu seiner wöchentlichen Audienz bei der Königin ist.
Die Monarchie ist allgegenwärtig
London hat eine ganz spezifische Haltung dazu - eine Mischung aus gedämpftem Stolz, dem die Gegenwart der Royals selbstverständlich ist, und aus resigniertem Verdruss, wenn das eigene Auto mal wieder im Verkehr feststeckt, weil zum Wachwechsel eine Straße abgesperrt ist. Soldaten der Household-Kavallerie, prächtig ausstaffiert in roten Mänteln und goldenen Federhelmen, lenken auch heute noch ihre Pferde von Knightsbridge zu den Kasernen von Chelsea hinüber. Die Royal Albert Hall, das Royal-Court-Theater und Fortnam & Mason, der "Lebensmittelhändler der königlichen Familie" auf Piccadilly, sind allesamt berühmte Wahrzeichen der britischen Metropole.
Vom Kopf der Königin auf jeder Briefmarke, die man kauft, bis zum Duchy-Etikett auf Schokolade, Marmelade und Eiern aus Prinz Charles' organischer Produktion - in den hiesigen Supermärkten ist das Leben der Monarchie nahtlos ins Gewebe der Gesellschaft eingeflochten. Und ja, sie gehen auch ins Theater, die Royals.