Coronavirus bei Kindern „Long Covid ist ein Chamäleon“

Erschöpfung und eingeschränkte Belastbarkeit können ein Symptom von Long Covid oder Post Covid sein. Foto: Imago/Panthermedia/Antonio Guillem

Langwierige Beschwerden nach einer Corona-Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen sind oft unspezifisch, Symptome können sich auch verändern. Die Expertin Uta Behrends erklärt, woran Eltern erkennen können, ob ihre Kinder betroffen sind.

München -

 

Die hohen Omikron-Inzidenzzahlen bei Kindern und Jugendlichen werden auch zu mehr Long-Covid-Erkrankungen in dieser Altersgruppe führen. Der Höhepunkt der Omikron-Welle wird für Mitte Februar erwartet. Betroffen seien vor allem ältere Jugendliche und mehr Mädchen als Jungen, sagt Uta Behrends, die Leiterin der Münchner Long-Covid-Ambulanz.

Professorin Behrends, wie viele Kinder und Jugendliche sind in Ihrer Ambulanz von Long-Covid-Folgen betroffen?

Kinder und Jugendliche erkranken seltener als Erwachsene an Long Covid. Die meisten sind nach wenigen Wochen wieder gesund, einzelne aber lange und schwer krank. Die internationalen Studien lassen noch keine genaue Aussage zur Gesamthäufigkeit in dieser Altersgruppe zu. Aktuelle Daten sprechen dafür, dass weniger als ein Prozent der Infizierten über mehrere Monate betroffen sein könnte. An unserem Zentrum gehen täglich bis zu drei Anfragen ein. Die rasante Omikron-Ausbreitung und die ungenügenden Impfraten geben Anlass zur Sorge.

Wie schwierig ist die Diagnose – an welchen Symptomen kann man Long Covid erkennen?

Long Covid ist ein Chamäleon und kann sich mit vielen unspezifischen Beschwerden präsentieren. Diese können sich im Verlauf ändern. Häufig finden sich Erschöpfung, eingeschränkte Belastbarkeit, Schmerzen, Husten, Schwindel, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, veränderter Geschmack, Geruch oder Appetit. Weil viele Beschwerden auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, kann die Diagnosestellung schwierig sein. In diesen Fällen sollte eine interdisziplinäre Abklärung an einem spezialisierten Zentrum erfolgen.

Wann spricht man von Long Covid und wann von Post Covid?

Der Überbegriff Long Covid steht für Symptome später als vier Wochen nach der SARS-CoV-2-Infektion. Ab zwölf Wochen spricht man dann von einem Post-Covid-Syndrom.

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Kann ein milder Verlauf Long Covid auslösen?

Das Risiko für Long Covid ist nach schwerem Verlauf von Covid-19 größer als nach milder Erkrankung oder asymptomatischer Infektion. In allen Fällen kann aber ein langwieriges postvirales Syndrom auftreten und zu einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität führen.

Welche Altersgruppe trifft es am meisten? Gibt es einen Unterschied bei den Geschlechtern?

Bei älteren Jugendlichen ist Long Covid häufiger und das Risiko für einen langwierigen oder schweren Verlauf höher als bei jungen Kindern. Es sind mehr Mädchen als Jungen betroffen. Diese Alters- und Geschlechtsverteilung kennen wir von postviralen Syndromen nach anderen Infektionserkrankungen. Die genauen Ursachen dafür sind noch unbekannt.

Sie sind Expertin für das Fatigue-Syndrom, also krankhafte Erschöpfungszustände. Welche Parallelen gibt es zu Post-Covid?

Die Symptome von Post-Covid- und Chronischem Fatigue-Syndrom überlappen. Letzteres wird auch Myalgische Encephalomyelitis oder kurz ME/CFS genannt. Einige Post-Covid-Betroffene berichten über das Leitsymptom von ME/CFS, die post-exertionelle Malaise oder kurz PEM – eine lange anhaltende Verschlechterung der Beschwerden nach geringen Alltagsbelastungen. Bei der Entstehung der beiden Erkrankungen könnten ähnliche Mechanismen eine Rolle spielen, darunter eine Fehlregulation des Immunsystems und der Gefäße.

Was raten Sie Eltern, wenn ihre Kinder nach einer Corona-Erkrankung nicht wieder fit werden?

Zunächst sollte eine Abklärung und Beratung in der heimatnahen Kinder- und Jugend- oder Hausarztpraxis stattfinden. Bei langwieriger und/oder schwerer Beeinträchtigung ist neben der symptomorientierten ärztlichen Behandlung eine psychologische Unterstützung zu empfehlen. Eventuell müssen Sonderregelungen für Schule oder Ausbildung getroffenen werden.

Haben Sie Tipps für Betroffene, wie sie schwerwiegende Symptome lindern können?

Hilfreich können Entspannungsübungen sein, etwa bestimmte Atemtechniken. Bei eingeschränkter Belastbarkeit wird zu konsequentem Pacing geraten, also Anpassung der Alltagsaktivitäten an individuelle Belastungsgrenzen. Wichtig für die Betroffenen ist die Information, dass auch nach monatelanger Erkrankung eine vollständige Ausheilung möglich ist.

Die Expertin

Leiterin
Uta Behrends (59) ist Professorin für Pädiatrische Infektiologie und Immunbiologie an der Technischen Universität München. Sie leitet das MRI Chronische Fatigue Center (MCFC) für junge Menschen (MCFC) und ist Koordinatorin des Modellprojekts Post-Covid Kids Bavaria.

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