Lorettobad in Freiburg Bad hat keine Alternative für männliches Personal

Von red/dpa/lsw 

Eine Freiburger Studentin möchte verhindern, dass im Lorettobad, Deutschlands einzigem Damenbad, männliches Personal eingesetzt wird. Nun hat sich ein Sprecher der Freiburger Schwimmbäder zu der Debatte geäußert.

Das Freiburger Lorettobad ist Deutschlands einziges Damenbad. Foto: dpa
Das Freiburger Lorettobad ist Deutschlands einziges Damenbad. Foto: dpa

Freiburg - Das Freibad in Freiburg ist eigentlich „männerfreie Zone“. Eine schmale Tür aus Holz ist der einzige Zugang. Der Schriftzug auf der Tür ist eindeutig: Damenbad. Wer Mann ist, darf hier nicht rein. Weiße Holzlatten versperren die Sicht. Freiburg hat das einzige Damenbad Deutschlands. Doch ein Streit ums Geschlecht schlägt hier neuerdings Wellen. Eine Freiburger Studentin hat eine Online-Petition gestartet. Sie will verhindern, dass männliche Bademeister am Beckenrand stehen. Frauen sollen unter sich bleiben.

Das Freibad nur für Frauen ist eine Institution in der badischen Universitätsstadt. Seit 1886 existiert es. Aus Sorge um Sitte und Moral wurden die Badebereiche damals überall in der Republik getrennt. Mit den Jahrzehnten wurde die Geschlechterteilung wieder aufgehoben, nur in Freiburg nicht. Hier gibt es das letzte noch verbliebene Damenbad in Deutschland. Betrieben wird das Lorettobad, von vielen liebevoll „Lollo“ genannt, von der Stadt.

Für die Aufsicht sorgen Bademeisterinnen. Doch weil es nicht genügend weibliches Fachpersonal gibt, kamen auch in der Vergangenheit schon zusätzlich Männer zum Einsatz. „Es gab nie ein Problem damit“, sagt der Sprecher der Freiburger Schwimmbäder, René Derjung. Doch seit dieser Saison, in der die Stadt auf die Baderegeln und das regulär eingesetzte männliche Badepersonal aufmerksam machte, ist das anders.

Was bedeutet Muslimen das Kopftuch? Warum tragen sie es? Und was denken muslimische Männer zu dem Thema? Das haben wir Menschen in Stuttgart gefragt. Sehen Sie die Antworten im Video:

Bad hat keine Alternative

Die Studentin Janina Talaj will mit einer Online-Petition erreichen, dass männliche Bademeister draußen bleiben müssen. Männer als Badeaufsicht schließe gezielt viele muslimische Frauen aus, heißt es in der Petition. Diese kämen nicht, wenn Männer anwesend seien. Zudem treffe die Regelung auch Frauen, „die aufgrund von Gewalterfahrungen einen geschützteren Rahmen wollen oder sich schlicht abseits von alltäglichen Blicken und Übergriffen eine Auszeit wünschen“. Der Stadt Freiburg wirft die Studentin Diskriminierung vor.

Die Petition läuft noch bis Mitte August, Talaj will mindestens 2000 Unterstützer finden. Bislang haben sich rund 600 Frauen und Männer der Petition angeschlossen. 360 davon stammen den Angaben zufolge aus Freiburg. Ausgelöst hat die Petition zudem eine breite Debatte um Deutschlands einziges Damenbad und überregionale Aufmerksamkeit.

„Wir sind von dieser Debatte überrascht, weil sie nicht das tatsächliche Bild im Bad abbildet“, sagt Derjung. Männliches Badepersonal trete professionell und Frauen gegenüber zurückhaltend auf, Klagen gebe es nicht. Zudem fehle eine Alternative. Die gesamte Branche leide unter Fachkräftemangel.

„Wir haben schlichtweg nicht genügend weibliche Fachkräfte, um mit ihnen alleine den Betrieb aufrecht erhalten zu können.“ Würde die Forderung der Petition umgesetzt, müsste das Damenbad wegen Personalmangels dauerhaft geschlossen werden. Das sieht auch der vor Jahren gegründete Verein „Freunde des Lorettobades“ so, der sich von der Petition öffentlich distanziert.

„Die Männer machen nur ihre Arbeit“

Auch Besucherinnen des Bads winken vor der Tür ab. „Es ist ein Sturm im Wasserglas“, sagt eine Rentnerin, die regelmäßig kommt und sich mit Freundinnen im Bad zum „Damenkränzchen“ trifft, wie sie sagt. Schon früher habe es männliches Badepersonal gegeben. Ein Problem sehe sie darin nicht, sagt eine andere Frau: „Es ist auf den ersten Blick vielleicht ungewohnt. Aber die Männer machen nur ihre Arbeit.“

Die Resonanz auf das Damenbad ist weiter groß, betont der Sprecher. Rund 30 000 Besucherinnen werden jährlich gezählt. Spürbar weniger Besucherinnen habe es seit der Debatte nicht gegeben.

Im rund 70 Kilometer entfernten Basel gibt es ebenfalls ein Frauenbad. Auch dort ist männliches Aufsichtspersonal eingesetzt, sagt ein Sprecher der Schweizer Behörden. Bei strenggläubigen Musliminnen, die meist aus dem nahem Frankreich ins Bad kämen, sei dies zwar auf Kritik gestoßen. „Doch die Regeln haben sich bewährt.“ Männliches Personal werde in Basel daher auch zukünftig eingesetzt.