Die legendäre Fluggesellschaft Pan Am lebt. Zumindest in einer nachgebauten Boeing 747 in Los Angeles. Talaat Captan, Gründer von „Pan Am Experience“, erklärt, warum seine Kunden mehrere hundert Dollar für ein bisschen Nostalgie ausgeben.

Los Angeles - Die legendäre Fluggesellschaft Pan Am lebt. Zumindest in einer nachgebauten Boeing 747 in Los Angeles. Talaat Captan, Gründer von „Pan Am Experience“, erklärt, warum seine Kunden mehrere hundert Dollar für ein bisschen Nostalgie ausgeben.

Mister Captan, um ein paar Stunden in einer nachgebauten Flugzeug-Kabine zu sitzen, geben Ihre Gäste bis zu 345 Dollar aus. Warum?
Weil sie im Jahr 1970 sind, sobald sie unser Studio betreten. Die Uniformen, der Ticketschalter, die Sitze, die Bar – alles sieht exakt so aus wie in der goldenen Zeit des Fliegens. Sie steigen in unsere Boeing 747 ein, hören Frank Sinatra, essen ein edles Menü und können im Duty-free-Shop sogar die Parfüms von damals kaufen. Darauf fahren die Leute besonders ab, obwohl sie nicht mal besonders gut riechen, eher wie Putzmittel.
Früher war Fliegen ein Luxus, den sich kaum jemand leisten konnte. Die Technik war unsicherer als heute. Was ist daran so bewundernswert?
Natürlich kann heute jeder für 29 Dollar mit Ryanair fliegen. Die Luftfahrt ist sicherer denn je, weil man aus jedem Unfall gelernt hat. Aber das Gefühl ist ein anderes. Früher war Fliegen etwas Besonderes, etwas Exklusives, man sagte „Bon voyage“ vor der Reise. Heute ist jeder nervös, alles ist stressiger geworden, und dann noch die Angst vor Terrorismus. Wenn wir heute fliegen, sagen wir: „Have a safe trip“ (Komm gut an).
Wer sind die Menschen, die sich nach der guten alten Zeit sehnen?
Unsere Zielgruppe ist erstaunlich gemischt. Zum einen haben wir ältere Menschen, die sich noch an ihre eigenen Flüge mit Pan Am erinnern. Andererseits kommen auch viele junge Nostalgiker, die „Mad Men“ gesehen haben und sich nun selbst wie ein König über den Wolken fühlen wollen. Oft besuchen uns Paare, die sich im Flugzeug kennen gelernt haben. Und natürlich kommen auch viele ehemalige Pan-Am-Mitarbeiter. Da geht es sehr emotional zu, die weinen fast immer.
Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, Pan Am wieder aufleben zu lassen?
Unser Hauptgeschäft ist der Verleih von Flugzeugkabinen als Filmkulissen. An einem Flughafen in echten Maschinen zu drehen, ist heute fast unmöglich, weil die Sicherheitsauflagen so strikt sind. Deshalb kommen viele Produzenten in unser Studio. „Pan Am Experience“ gibt es seit 2015. Das war eine spontane Idee. Ich war selbst erstaunt, wie groß die Nachfrage ist.
Dabei handelt es sich bei Ihrem „Flugzeug“ lediglich um einen Nachbau, der nicht einmal beweglich ist.
Stimmt, aber an unserem nächsten Standort in Las Vegas, den wir noch dieses Jahr eröffnen wollen, soll das anders werden. Dort steht dann ein richtiger Simulator, in dem Sie Turbulenzen erleben und die Wolken an den Fenstern vorbeiziehen sehen. Aber das ist gar nicht das Wichtigste. Die Atmosphäre ist schon heute so authentisch, dass Sie sich auch so wie in einem Flugzeug fühlen. Allein schon der Service durch unsere Stewardessen.
Woher wissen Ihre Stewardessen denn, wie genau der Service 1970 ablief?
Unsere Schauspielerinnen werden speziell geschult von einer älteren Dame, die früher bei Pan Am gearbeitet hat. Sie kennt noch jeden Handgriff. Außerdem ist es enorm wichtig, dass unsere Schauspielerinnen diesen Job nicht nur machen, um an schnelles Geld zu kommen. Sie müssen den Pan-Am-Gedanken leben. Von mehreren Hundert Bewerberinnen schaffen es etwa 80 in unser Team.
Pan Am gibt es schon seit 1991 nicht mehr. Wo haben Sie die ganzen Requisiten her?
Jedes Glas, jede Gabel, jeder Teller, den Sie bei uns sehen, ist ein Original. Überall sind die Pan-Am-Logos aufgedruckt. Manche Gegenstände finden Sie im Internet, andere bei Sammlern. Es ist schon erstaunlich, welche Vorräte sich manche Leute anlegen. Für viele haben solche Dinge einen enormen Wert.
Betreiben Sie auch ein nachgebautes Bord-WC?
Bisher nicht. Wir haben in unserem Studio natürlich auch ein richtiges Badezimmer – direkt neben dem Flugzeug.