Lost Place in Stuttgart Verlassen, verriegelt, vermüllt: Was wird aus dem Ufa-Palast?

, aktualisiert am 08.07.2025 - 11:44 Uhr
Die Fassade bröckelt: Der frühere Ufa-Palast ist zum Lost Place geworden. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Die Fassade bröckelt, Unrat türmt sich, der Anblick ist trostlos: Der 2020 geschlossene Ufa-Palast ist ein Lost Place. Noch immer ist kein Bauantrag gestellt. Warum?

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Mit 13 Kinosälen und 4300 Sitzen war der 1996 eröffnete Ufa-Palast an der Rosensteinstraße das größte Multiplex-Kino in Süddeutschland. Die markante Front, die futuristisch geschwungene Architektur und die Nähe zum Hauptbahnhof machten das damalige Prestige-Projekt zum Hotspot für Kinofans und Nachtschwärmer. Mit der Zeit aber verlor das Vorzeige-Gebäude an Glanz.

 

Dann kam auch noch Corona, und schon zu Beginn der Pandemie erklärte die Düsseldorfer Betreiberfamilie Riech im Juni 2020, sie werde das Filmtheater für immer schließen. Die 40-köpfige Belegschaft wurde entlassen. Allein am Virus lag’s nicht, sagten damals Branchenkenner. Schon zuvor waren die Besucherzahlen im Südmilchareal immer weiter zurückgegangen.

Wem gehört das Areal heute?

Aus Stuttgarts einstigem Kinogiganten wurde ein Geisterhaus. Seit fünf Jahren geschieht nichts an der Rosensteinstraße. Unrat stapelt sich, die Fassade bröckelt, Bäume sehen krank aus, eine gelben Tonne ist bis über die Hälfte mit einer unbekannten Flüssigkeit gefüllt. Der einstige Ufa-Palast, der mit großer Schrift und dem über 100 Jahre alten Logo an der Fassade noch immer an große Zeiten erinnert, ist zum Mahnmal des Verfalls und geplatzter Träume geworden. Ein urbaner Schandfleck ist unweit der Gleisanlagen entstanden, die eigentlich mit Stuttgart 21 für die Zukunft der Stadt stehen sollte.

Müll wird am Gitter vor dem Ufa-Palast abgelegt. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Das Kinounternehmen Riech hat seinen Ufa-Palast im Jahr 2020 an die Soravia Group verkauft. Doch schon im März 2021 ging der Besitz des stillgelegten Kinos an die Isaria Projektentwicklungs GmbH mit Sitz in München über. Die neuen Eigentümer erklärten damals, die Zeit des Kinos sei vorbei, man strebe eine „Mischnutzung aus Wohnungen und Büros“ an. Doch es blieb bei Worten. Seit Jahren verfällt der Gebäudekomplex.

Insolvenz des bisherigen Besitzers wird dementiert

Dass die Isaria GmbH Insolvenz anmelden musste, wie in Stuttgart kolportiert wird, weist Michael Divé, der Pressesprecher des Bauträgers Bauen und Wohnen (Buwog) Deutschland, als falsch zurück. Das Projekt mit dem Arbeitstitel „Quartier am Gleisbogenpark“, also zur Umgestaltung des Ufa-Kino-Grundstück, sei bereits vor anderthalb Jahren an die Buwog übergangen. Man habe damals die Stadt darüber informiert, dass ein neuer Eigentümer die Bauherrenrolle übernehme, sagt er.

Das Bauunternehmen verweist auf laufende Planungen – doch für Passanten bleibt nur der Anblick des Elends. Laut Sprecher Michael Divé ist bisher kein Bauantrag gestellt worden, weil erst Baurecht bestehen müsste. Da sei die Stadt gefordert. Erst nach der „Baurechtsschaffung durch die Stadt für das Quartier am Gleisbogenpark“ könne mit „der Projektrealisierung begonnen werden, was auch unser Ziel ist.“ Mit anderen Worten: Das kann Jahre dauern.

Aus dem Rathaus hat unsere Redaktion erfahren, dass erst im dritten Quartal 2027 der Auslegungsbeschluss für das Ufa-Palast-Areal erfolgen soll. Bisher ist dort Wohnungsbau untersagt, weshalb der Bebauungsplan geändert werden muss. Erst danach kann also ein Bauantrag gestellt werden. Wohnungen in diesem Bereich machten erst dann Sinn, wenn die Gleise verschwunden sind – beim Lärm der Züge werde dort niemand einziehen wollen, heißt es.

Auch das frühere Restaurant sieht verwahrlost aus. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Mittlerweile habe die Buwog die Planungen der Isaria für das Projekt übernommen, so der Sprecher. Personell bleibe das Team unverändert, sodass eine reibungslose Weiterplanung gewährleistet sei. Das Unternehmen bringt nach den Worten von Michael Divé bundesweit den Wohnungsneubau voran und habe in Deutschland „aktuell eine Development-Pipeline von rund 55.000 Wohneinheiten in Bau und in Planung“.

Es sollen 370 Wohneinheiten entstehen

Aus dem Areal des früheren Ufa-Palasts solle „ein urbanes, lebendiges Quartier mit Modellcharakter und eigener Identität“ werden. Folgende Zahlen nennt der Sprecher: Geplant sind 370 Wohneinheiten sowie eine etwa 16.000 Quadratmeter umfassende gewerbliche Nutzung, inklusive Flächen für soziale Infrastruktur wie etwa eine Kita.

„Der geplante Wohnungsmix wird breit angelegt sein von voraussichtlich einem bis fünf Zimmern, sodass unterschiedliche Wohnbedarfe abgedeckt sein werden“, sagt Divé. Warum die Eigentümer nicht dem Beispiel des Hotels am Schlossgarten folgen? Dort hat die LBBW-Immobiliengruppe das Gebäude zweieinhalb Jahre für die temporärer Bar Studio Amore untervermietet, um das Warten auf die Baufreigabe sinnvoll zu nutzen. Im Ufa-Palast durfte nach Schließung nur einmal die Band Zweierpasch in Video im Inneren aufnehmen – dann war es vorbei mit einem temporärem Zwischenspiel. Dazu erklärt der Sprecher: Bei einer Interimsnutzung im Ufa-Palast hätte man einen kostendeckenden Betrieb nicht sicherstellen können.


Was die Eigentümer zu dem Müll sagen

Wer aber ist zuständig für den Müll? Zur Sicherung der Baustelle hat die Buwog den Bereich umzäunt, sagt Divé. Regelmäßig werde der „ordnungsgemäßen Zustand“ kontrolliert. Die Eigentümer bedauern, „dass daneben Müll abgeladen wird.“ Wenn dies der Fall sei, werde diese Information „an die Stadt Stuttgart als zuständige Stelle für die Bereinigung dieser außerhalb unseres Grundstücks liegenden Flächen“ weitergeleitet. Man gehe davon aus, sagt der Sprecher, dass Mieter des Nachbargebäudes für den abgeladenen Müll vor dem Restaurant verantwortlich seien. „Wir werden den Nachbar bitten, diesen Müll zu entsorgen und haben auch die Stadt gebeten, den Eigentümer des Nachbargebäudes aufzufordern, den Müll zu entfernen“, erklärt der Pressesprecher.

OB Frank Nopper (CDU) begrüßt die Pläne der Buwog, die nach Recherchen unserer Redaktion jetzt bekannt geworden sind. Die Stadt unterstütze „mit ganzer Kraft“ dieses große Wohnbauprojekt. „Mit diesem Vorhaben werden 370 zusätzliche Wohnungen geschaffen, was uns in Zeiten großer Wohnungsnot spürbar hilft“, erklärt er.

Dieser Artikel ist erstmals am 4. Juli 2025 erschienen und wurde am 8. Juli aktualisiert.

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