Lothar Späth Award Hightech-Gründer auf dem Familientreffen

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Der Lothar Späth Award zeichnet Innovationen in Wissenschaft und Wirtschaft aus. Bei der Preisverleihung lobten Weggefährten den verstorbenen baden-württembergischen Ministerpräsidenten – und teilten kleine Seitenhiebe aus.

Festredner und Preisträger (von links): Hans-Jörg Vetter,  Aufsichtsratschef von  Herrenknecht, hat die  Laudatio auf    Ineratec  gehalten; Paolo Piermartini, Ineratec-Geschäftsführer, Peter Pfeifer vom KIT,   Tim Böltken, Ineratec-Geschäftsführer, Ex-Kanzler  Gerhard Schröder, Herrenknecht-Chef Martin Herrenknecht, Wissenschaftsministerin  Theresia Bauer und EU-Kommissar Günther Oettinger Foto: Wolfgang List
Festredner und Preisträger (von links): Hans-Jörg Vetter, Aufsichtsratschef von Herrenknecht, hat die Laudatio auf Ineratec gehalten; Paolo Piermartini, Ineratec-Geschäftsführer, Peter Pfeifer vom KIT, Tim Böltken, Ineratec-Geschäftsführer, Ex-Kanzler Gerhard Schröder, Herrenknecht-Chef Martin Herrenknecht, Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und EU-Kommissar Günther Oettinger Foto: Wolfgang List

Stuttgart - Es war ein Abend für die Fans von Lothar Späth. Martin Herrenknecht, Chef des Tunnelbohrmaschinen -Herstellers Herrenknecht hatte gerufen und eine große Zahl von Weggefährten und spürbar großen Bewunderern des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten waren gekommen. Herrenknecht, der Späth (CDU) nach eigenen Worten viel zu verdanken habe, hat zu Ehren dessen einen Preis initiiert, für „herausragende Innovationen in Wissenschaft und Wirtschaft“. Am Samstagabend ist der mit insgesamt 40 000 Euro dotierte Lothar Späth Award, der sich an Unternehmen aus Baden-Württemberg und Thüringen richtet, zum ersten Mal vergeben worden.

Atmosphäre wie auf einem Familientreffen

Bei einem Festakt mit etwa 250 Gästen in Stuttgart sangen die Festredner wahre Lobeshymnen auf den 2016 im Alter von 78 Jahren verstorbenen Politiker und Unternehmer, der auch kulturell vieles angestoßen habe. Späth ist nach seiner Zeit als Ministerpräsident unter anderem Chef des Technologiekonzerns Jenoptik gewesen. Die Atmosphäre im Weißen Saal des Neuen Schlosses glich der eines Familientreffens. Verwandte, Freunde, Weggefährten und ehemalige politische Gegner Späths waren gekommen.

Selbstbewusst, charmant und klug sei Späth gewesen, pragmatisch und visionär, ein Macher, einer, der Baden-Württemberg auf eine dynamische Welt des 21. Jahrhunderts vorbereitet habe – die Auftakt-Rednerin, Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), legte die Latte als Vertreterin der Landesregierung hoch für die weiteren Festredner.

Ex-Kanzler Schröder frotzelt

Für den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ein Anlass zu frotzeln: „Was habt ihr Baden-Württemberger eigentlich mit den Grünen gemacht?“ Eine Bemerkung, die im Publikum etliche Lacher auslöste. Auch wenn er in seiner Rede bemerkte, „wir müssen aufpassen, dass die Veranstaltung nicht in Würde erstarrt“, so sparte auch Preis-Jurymitglied Schröder nicht mit Komplimenten. Er nannte Späth humorvoll und spitzbübisch, Gegner seien für ihn nie Feinde gewesen. Schröder lobte Späths „demokratische Fairness“. Der Ex-Kanzler schloss seine Rede mit den Worten „Was würde mein Freund Lothar über die Entscheidung des CDU-Parteitages sagen?“ – und provozierte damit einen direkten Konter von EU-Kommissar Günther Oettinger: „Wir ahnen, was Späth gesagt hätte – und wir ahnen, was Helmut Schmidt zum Zustand der heutigen SPD gesagt hätte.“

Tüftler und Ingenieure hätten es Späth angetan, sagte Jurymitglied Oettinger; der „Freund“, mit dem er so manchen Trollinger getrunken habe, „war immer zwei Schritte voraus“. Ein Lothar Späth, der von sich selbst gesagt hat: „Ich hatte Mittlere Reife – das war’s.“ Martin Herrenknecht, ebenfalls Jurymitglied, hob wohl auch deshalb das „schnörkellose Credo“ Späths hervor: Man kann, was man will.

Der Lothar Späth Award wende sich an alle, „die Dinge zur Marktreife bringen“. Das Preisgeld komme „aus dem Kreis der Jury“, sagte Herrenknecht. Von der zehnköpfigen Jury, der auch Späths Tochter Daniela Späth-Zöllner angehörte, seien unter 26 Bewerbern „drei herausragende“ ausgewählt worden, so Herrenknecht.

Die Preisträger

Die Preisträger, die ihre Innovationen gemeinsam mit wissenschaftlichen Einrichtungen vorangetrieben haben, sind: Erster Preis Die Ineratec GmbH in Karlsruhe plant und baut chemische Kompaktanlagen in der Größe eines Schiffscontainers. Als Ausgangsstoffe dienen der Anlage klimaschädliches CO2 aus Abgasen, Biogas und andere methanhaltige Gase. Mit den Ineratec-Anlagen werden sie in synthetische Kohlenwasserstoffe umgewandelt. Endprodukte sind CO2-neutrale Kraftstoffe. Ineratec hat bereits den Deutschen Gründerpreis erhalten und setzt mit 25 Mitarbeitern jährlich drei Millionen Euro um. Bis 2025 sollen es mit mehreren Hundert Beschäftigten 100 Millionen Euro werden. Ineratec geht jetzt zur Serienfertigung über. Zweiter Preis Die Nanopta GmbH in Lonsee (Alb-Donau-Kreis) hat Antireflexionsbeschichtungen erfunden, die mit einer Nano-Technologie auf Oberflächen aufgebracht werden können und dadurch optische Bauteile wie Linsen und Prismen entspiegeln können. Die Vorteile gegenüber konventionellen Dünnschichtbeschichtungen sind laut Nanopta unter anderem: eine sehr hohe optische Qualität mit ex­trem geringer Reflexion und eine sehr hohe Lichtdurchlässigkeit. Vorbild der Technologie sind nachtaktive Insekten, deren Augen so beschaffen sind, dass sie einfallendes Licht praktisch nicht reflektieren. Dritter Preis Der Active Fiber Systems GmbH in Jena (Thüringen) gelang nach eigenen Angaben ein Durchbruch bei den Ultrakurzpulslasern. Das Gerät könne „zuvor unerreichbare Leistungswerte erzeugen“. Zum Einsatz kommt die spezielle Lasertechnologie beispielsweise in der Materialbearbeitung und in der Strahlentherapie zur Behandlung von Krebs.