InterviewLuca Mack und Lukas Herzog „Wer die Komfortzone nicht verlässt, hat keine Chance“

Zwei Freunde, zwei Sportarten: Luca Mack (VfB Stuttgart) und Lukas Herzog (MHP Riesen Ludwigsburg). Foto: Baumann, Imago/Marco Wolf
Zwei Freunde, zwei Sportarten: Luca Mack (VfB Stuttgart) und Lukas Herzog (MHP Riesen Ludwigsburg). Foto: Baumann, Imago/Marco Wolf

Was ist entscheidend, um den Sprung zu den Profis zu schaffen? Der Basketballer Lukas Herzog (MHP Riesen Ludwigsburg) und der Fußballer Luca Mack (VfB Stuttgart) geben Einblicke.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Stuttgart/Ludwigsburg - Sie sind Kumpels und haben in unterschiedlichen Sportarten den Sprung zu den Profis geschafft. Ein Gespräch mit dem Basketballer Lukas Herzog (MHP Riesen Ludwigsburg) und dem Fußballer Luca Mack (VfB Stuttgart).

Meine Herren, wie kommt es, dass ein Fußballer und ein Basketballer so dick befreundet sind?

Mack: Daran ist sozusagen meine Schwester Mia schuld (lacht). Sie ist die Freundin von Lukas.

Herzog: Wir sind seit eineinhalb Jahren zusammen, und mit Luca habe ich mich auf Anhieb super verstanden.

Mia ist mit 16 Jahren ein aufstrebendes Tennis-Talent, da dürfte der Sport ein großes Gesprächsthema sein.

Mack: Wir tauschen aus, klar. Zumal ich gerne Basketball schaue und Lukas gerne Fußball.

Herzog: Bis ich 13 war, habe ich nicht nur beim BBC Stuttgart Basketball gespielt, sondern nebenbei auch Fußball bei der SG Weilimdorf. Dann habe ich mich für Basketball entschieden und bin nach Ludwigsburg gewechselt.

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Die richtige Entscheidung?

Mack: Ich weiß nicht, wie gut er im Fußball war, aber es gibt ja deutlich Schlimmeres, als in der Basketball-Bundesliga gelandet zu sein.

Herzog: Ich bereue nichts, wobei ich sagen muss, Luca hat im Basketball einen richtig guten Wurf.

Mack: Danke, aber ich fühle mich beim Fußball schon richtig aufgehoben. Ich habe zwar als Kind auch Tennis gespielt, doch als ich dann mit zwölf Jahren zum VfB ging, gab es nur noch eines: Fußball.

Sie beide waren in der U19 jeweils Kapitän und Führungsspieler ihrer Mannschaften. Aber regelmäßige Spielanteile bei den Profis haben derzeit nur Sie, Herr Herzog. Warum?

Herzog: Es ist in Ludwigsburg gute Tradition, Spieler auszubilden, meistens verpassen sie aber knapp den Sprung in die BBL und spielen in der zweiten Liga. Auch ich hatte zu Beginn nur wenig Spielzeiten...

...bis es vergangenen Juni zur Leistungsexplosion beim Finalturnier in München kam.

Herzog: Ja, da lief es richtig, richtig gut für mich und die Mannschaft. Ich konnte meine Chance nutzen.

Mack: Ich habe das Turnier natürlich verfolgt und mich über die deutsche Vize-Meisterschaft für Lukas und MHP Riesen sehr gefreut.

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Aktuell stehen die Riesen mit 16:2 Punkten sogar an der Tabellenspitze. Warum läuft es so gut?

Herzog: Die Teamchemie ist dieses Jahr wieder perfekt. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und jüngeren Spielern, wovon jeder in unserem Team auf seine Weise profitiert. Zudem laufen unsere Spiele aktuell so gut, da wir oft viel mehr Energie als unsere Gegner aufs das Parkett bringen. Dies ist meiner Meinung nach, gerade wenn wir auf unsere Fans verzichten müssen, ein wichtiger Aspekt.

Kann es sogar zum Titel reichen?

Herzog: Daran denkt aktuell noch niemand, die Saison ist gerade erst zu einem Drittel gespielt. Aber ich würde schon sagen, dass wir auch dieses Jahr wieder gute Chancen haben, um oben mitzuspielen. Auch jetzt sieht man schon, dass wir Angriffe auf Berlin und München starten können. Wenn wir uns weiterhin auf uns konzentrieren, ist alles möglich.

Herr Mack, warum verläuft Ihre Entwicklung beim VfB nicht so, wie Sie es sich gewünscht haben?

Mack: Es stimmt, dass meine sportliche Entwicklung aktuell nicht wunschgemäß verläuft. Ein Grund dafür ist, dass mich im September 2019 ein Knöchelbruch weit zurückgeworfen hat. Dass es danach nicht einfach wird, war klar. Im Juni 2020 hatte ich dann meinen ersten Profikurzeinsatz. Aber das ohnehin gute Aufstiegsteam wurde weiter verstärkt, so dass die Konkurrenz groß ist.

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„Ich warte auf meine Chance“

Und jetzt?

Mack: Bleibe ich geduldig, arbeite hart weiter und warte auf meine Chance.

Warum haben Sie sich lange Zeit keine Spielpraxis in der Regionalligamannschaft geholt?

Mack: Es gibt neben mir noch mehrere junge Spieler aus dem Profikader, die von Zeit zu Zeit in der U21 Spielpraxis bekommen. Beim letzten Spiel im Jahr 2020 in Großaspach kam ich dann wieder über die volle Spielzeit zum Einsatz.

Ist es im Basketball einfacher, sich bei den Profis zu etablieren?

Herzog: Na ja, es gibt es Deutschland natürlich viel, viel mehr Fußballer. Das macht es so extrem schwierig. Zudem ist es schon ein Vorteil, dass beim Basketball so oft gewechselt werden kann, wie man möchte.

„Es gibt keinen Familienbonus“

Die 17- und 19-jährigen Söhne Ihres Trainers John Patrick spielen auch in Ihrem Team. Ist der Coach auch dadurch besonders offen für Talente?

Herzog: Das mag sein, aber fest steht: Es gibt keinen Familienbonus, er bevorzugt niemanden.

Braucht man, um sich durchzusetzen, als Spieler eine außergewöhnliche Waffe?

Mack: Auf jeden Fall. Als ich zu den Profis aufrückte, sagte Thomas Hitzlsperger (Anm. d. Red.: VfB-Vorstandsvorsitzender) zu mir: Stärke deine Stärken und schwäche deine Schwächen!

Wo liegen Ihre Stärken?

Mack: Seit der U13 unter Trainer Domenico Tedesco spiele ich auf der Sechser-Position, nur unter Nico Willig kam ich in der Innenverteidigung zum Einsatz. Ich denke, dass ich Fußball verstehe, ein Spiel lesen kann, ruhig am Ball bin und ein gutes Passspiel habe.

Fußballprofis verdienen in Deutschland deutlich mehr als Basketballer. Herr Herzog, beneiden Sie Luca um sein Gehalt?

Herzog: (lacht) Ich weiß gar nicht, wie viel er verdient, aber dass der Fußball eine andere Welt ist, weiß doch jeder.

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Herr Mack, macht Geld bequem?

Mack: Geld kann bequem machen. Und eine gewisse Bequemlichkeit mag auch menschlich sein, aber wer sie nicht ablegt, setzt sich im Profigeschäft nicht durch.

Herzog: Wer die Komfortzone nicht verlässt, hat keine Chance.

Was ist sonst noch entscheidend, um es ganz nach oben zu schaffen?

Mack: Ein gutes Umfeld und eine Menge Glück. Aber das alles Entscheidende ist, dass man genau das macht, was man kann. Egal, ob als U-19-Kapitän alle zu einem aufschauen oder ob man zu den Profis kommt und erst mal kräftig schluckt, wenn da große Namen vor einem stehen.

Herzog: Egal, in welchem Team man spielt, man sollte einfach schauen, dass man seine Stärken einbringt.

Von was träumen Sie in Ihrer Karriere?

Mack: Schon als kleiner Junge war es mein Traum, beim VfB Profi zu sein. Aber natürlich möchte ich auch spielen.

Herzog: Ich möchte mich weiter in der BBL etablieren und irgendwann auch mal in der Euro League spielen.

„So viel Spielzeit wie möglich“

Und für die laufende Spielzeit wünschen Sie sich was?

Herzog: Dass wir wieder vor Fans spielen können und wir erneut die Vize-Meisterschaft erringen oder sogar mehr.

Mack: Ich wünsche mir so viel Spielzeit wie möglich. Am liebsten beim VfB, am liebsten in der Profimannschaft.

Zum Schluss noch zu Ihrem verbindenden Element: Haben Sie im Tennis eigentlich den Hauch einer Chance gegen Mia?

Mack: Mittlerweile wird es schwer, zu gewinnen.

Herzog: (lacht) Auch für mich könnte es richtig eng werden.

Zur Person

Luca Mack

Geboren am 25. Mai 2000 in Bietigheim-Bissingen. Luca Mack ist der Sohn von Dirk Mack (langjähriger Nachwuchsdirektor der TSG 1899 Hoffenheim, akutell Sportdirektor/Co-Trainer beim chinesischen Erstligisten Shandong Luneng Taishan). Der wuchs in Löchgau auf. Sein Patenonkel ist der ebenfalls aus Löchgau stammende Ex-Bundesligaprofi Julian Schuster.

Seit der U13 spielt der Mittelfeldspieler für den VfB. Mit der U19 holte er 2019 den DFB-Pokal. Am 28. Juni 2020 feierte er sein Profidebüt.

Lukas Herzog

Geboren am 10. September 2001 in Stuttgart. Er begann seine Basketball-Vereinskarriere beim BBC Stuttgart, 2015 wechselte er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Manuel in die Jugendabteilung der BSG Ludwigsburg, nachdem er im Vorjahr bereits mit einer Doppellizenz für beide Vereine im Einsatz gewesen war.

Am 7. Januar 2018 erhielt er seine ersten Spielminuten bei den MHP Riesen Ludwigsburg in der Bundesliga. In der vergangenen Saison feierte er mit dem Team die deutsche Vizemeisterschaft.




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