Lucas Osterauer aus Filderstadt Er brennt für die Politik

Lucas Osterauer schied wegen des Studiums aus dem Gemeinderat aus. Foto: privat/

Lucas Osterauer ist mit nur 19 Jahren in den Gemeinderat Filderstadt gewählt worden. Nun hat er sein Amt niedergelegt. Der Abschied fiel ihm schwer. Was hat ein Workaholic wie er nun vor?

Digital Desk: Lotta Wellnitz (loz)

Filderstadt - Was würden die Lehrer von Lucas Osterauer wohl sagen, wenn sie wüssten, wo er heute steht? Kurz vor dem Studium und mit einer eindrucksvollen Vita, die 2019 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte. Da wurde Osterauer für die FDP in den Gemeinderat von Filderstadt gewählt – mit gerade einmal 19 Jahren. Heute kann er nur müde lächeln, wenn er erzählt, dass es damals in der Grundschule zu seinen Eltern hieß: „Packt den niemals aufs Gymnasium!“ Gut, die taten das zwar nicht, Osterauer ging trotzdem seinen Weg. Erst auf der Fleinsbach-Realschule in Bernhausen, dann während der Ausbildung zum Mechatroniker, und schließlich dieses Jahr beim Abitur an der technischen Oberschule in Stuttgart – und das neben seiner Arbeit in der Politik.

 

Beim Abschied kommen ihm die Tränen

Um so ein Pensum zu schaffen, muss man entweder ein Workaholic sein oder das lieben, was man tut. Beim 21-jährigen Osterauer trifft beides zu. Ein Beispiel? Vor Kurzem schied der Filderstädter aus dem Gemeinderat aus, weil er jetzt in Stuttgart wohnt. Dort beginnt ab September sein duales Studium zum Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Elektrotechnik. Als er allen in der Gemeinderatssitzung für die vergangenen Jahre dankte, war er sichtlich ergriffen. Die ein oder andere Träne floss über sein sonst so strahlendes Gesicht. „Ich bin generell eher emotional“, sagt Osterauer dazu. Außerdem habe er lange auf all das hingearbeitet.

Dass dem so ist, steht außer Frage. Teilweise 40 Stunden pro Woche war er in Anträge und Beschlussvorlagen vertieft. Vor allem die Zeit der Kommunalwahl war hart, gesteht er. Als sich andere zum Feiern trafen, blieb Osterauer zu Hause. Er studierte hunderte Seiten an Beschlussvorlagen, lernte einen Paragrafen nach dem anderen. „Das war ein extremer Workload“, gibt er zu. Was da zwangsläufig auf der Strecke bleibt, ist ein Sozialleben. Trotzdem habe er heute nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben, reflektiert er. Sein Sozialleben sei „anders“ gewesen, er habe sich schon immer eher mit Älteren verstanden und habe von denen lernen wollen. Letzteres tat er im Gemeinderat. Dort hielt er mitunter flammende Reden und debattierte mit Menschen, die mindestens doppelt so alt waren wie er, über Bebauungspläne oder die Chancen von Filderstadts Jugend.

Selbstvertrauen von Mentor abgeguckt

Dafür braucht es Selbstvertrauen – und das strahlt Osterauer definitiv aus. Er ist charismatisch, hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Wenn er spricht, dann gewählt und deutlich. So korrigiert er sich beispielsweise, als er sagt, er habe in den vergangenen zwei Jahren Abi gemacht. Nein, er habe das machen dürfen. Die Hände setzt er während des Sprechens so ein, dass sie seine Aussagen untermalen. Am Körper oder gar verschränkt sind sie selten. So ein selbstsicheres Auftreten ist in der Politik wichtig. Woher das bei ihm kommt? Er umgebe sich mit Menschen, die Selbstvertrauen ausstrahlen. Das färbe auf ihn ab, erklärt er und nennt Johannes Jauch, den Ortsvorsitzenden der FDP, als Mentor.

Fauler Schüler und trotzdem politisch aktiv

Es scheint, als sei Osterauer schon immer diszipliniert und ehrgeizig gewesen: Mit 14 Schülersprecher, dann in den Jugendgemeinderat, danach zum Dachverband der Jugendgemeinderäte Baden-Württemberg, dessen Pressesprecher und späterer stellvertretender Vorsitzender er wurde. Allerdings gesteht er: „In der achten und neunten Klasse war ich sehr faul.“ Aber der 21-Jährige wäre heute nicht da, wo er ist, wenn er seine Lebenseinstellung nicht geändert hätte. Brennt er für ein Thema, kniet er sich voll rein. Und Osterauer kann sich für vieles begeistern. Da komme er nach seinen Eltern, der Vater zum Beispiel habe zwei abgeschlossene Ausbildungen plus Studium. Mit seinem Schritt in die Politik und zur FDP haben die Eltern aber nichts zu tun, stellt er klar.

Studentenleben nun vor Kommunalpolitik

Was bleibt, ist die Frage, warum dann weg aus der Kommunalpolitik? „Gute Frage“, entgegnet er zum wiederholten Mal. Für die Entscheidung habe er sechs Monate gebraucht, untypisch für ihn. Punkt eins, klar, der Workload. Punkt zwei, seine Eltern. Die ziehen aus Filderstadt weg. Am wichtigsten aber: Osterauer will das Studentenleben auskosten. Mit allem drum und dran. Er möchte Zeit haben für Freunde, die früher oft zu kurz gekommen seien. Das weiß er jetzt. Bis September will er runterkommen, nicht ständig über alles nachdenken und seine Tage weniger durchstrukturieren. Das sei schwer, gibt er zu. Heute stehe noch Wohnung putzen auf der „Tagesordnung“, sagt er lachend. So ganz ist der Politiker also nicht verschwunden. Und wer weiß, vielleicht sehen ihn seine Grundschullehrer irgendwann im Fernsehen. Irgendwo im Bundestag.

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