Ein Ludwigsburger beschwert sich bei der Petitionsplattform „WeAct“ und wirft den Petenten Irreführung vor. Am Ende werden einige wichtige Details verändert.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Adalbert Lang ist verärgert. In der anhaltenden Debatte über die geplante Stadtbahn Lucie hat der Ludwigsburger das Gefühl, die Initiative „Wir für Lucie“ arbeite mit unfairen Mitteln. Das aktuelle Petitionsschreiben auf der Plattform „WeAct“ enthalte „grobe Irreführungen“, sagt der Anwohner der Weststadt, der sich gegen die Stadtbahn engagiert. Lang wandte sich deshalb an die Petitionsplattform „WeAct“ – und bekam Recht.

 

Doch welche Passagen haben Lang so aufgebracht? Zum einen erwecke die Petition den Eindruck, die Stadtbahn werde direkt durch die Ludwigsburger Innenstadt führen, sagt Lang. „Damit wird eine Idealvorstellung missbraucht. Es wird ein Bild einer attraktiven Innenstadtbahn erzeugt, das mit der tatsächlichen Planung nicht übereinstimmt.“ Tatsächlich gibt es zwar die Idee einer Innenstadt-Trasse, aber keinen politischen Beschluss dafür. Die Vision gilt hinter den Kulissen bereits als gescheitert.

Initiative äußert sich

Als zweiten Punkt kritisiert Lang die Darstellung des Busverkehrs nach dem Bau der Bahn. In der Petition habe ursprünglich gestanden, dass keine Buslinien ersetzt würden. Das sei mit Blick auf die Planungen des Zweckverbands Stadtbahn aber eine klare Falschaussage, so Lang.

Langs Beschwerde bei „WeAct“ blieb nicht folgenlos. Die Plattform prüfte den Fall und griff ein. Das bestätigt auch Axel Müller, Sprecher der Initiative „Wir für Lucie“ und Initiator der Petition. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagt er, „WeAct“ habe ihn kontaktiert und aufgefordert, Formulierungen zu präzisieren.

Daraufhin sei der Abschnitt zur Innenstadt-Trasse überarbeitet worden – etwa durch den Hinweis, diese Trasse könne in späteren Ausbaustufen erfolgen und touristische Ziele wie Schloss und Blühendes Barock anfahren. Auch die Passage zum Busverkehr wurde geändert. Nun heißt es, Linien würden gegebenenfalls angepasst oder teilweise ersetzt. Zusätzlich habe man Quellen ergänzt.

Die Initiative stehe weiterhin hinter der Petition, die mittlerweile knapp über 900 Unterschriften gesammelt hat. „Wir wollen Aufmerksamkeit für die Pro-Seite“ – die seiner Einschätzung nach eine schweigende Masse ist. Die Petition solle den Befürwortern Gehör und ein Gesicht geben, sagt Müller.

Die Petition wird wohl noch einige Tage online sein, dann will die Initiative „Wir für Lucie“ mit dem Schreiben und den Unterschriften auf den Zweckverband und die Stadt Ludwigsburg zugehen. Die Hoffnung ist, dass sich die Verantwortlichen noch einmal ernsthaft mit der Zukunft der Stadtbahn beschäftigen.

Trotz Änderungen bleibt Ärger

Adalbert Lang ärgert sich derweil, dass die Petition ohne Neustart weiterläuft. Denn als die zwei Passagen richtiggestellt wurden, hatte die Petition bereits rund 800 Unterschriften. Lang findet das zumindest einmal fragwürdig.

Eine Anfrage dieser Zeitung an „WeAct“, ob Unterzeichnerinnen und Unterzeichner automatisch informiert werden, wenn sich der Petitionstext nachträglich ändert – und ob sie ihre Unterstützung dann zurückziehen können –, blieb unbeantwortet. Auch auf die Frage, ob „WeAct“ Petitionen auf ihre Richtigkeit überprüft, bevor sie online gehen, wurde nicht eingegangen.