Ludiwigsburg Stadtbahn: die Region steigt aus

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Die Pläne für das größte Schienenprojekt im Kreis überschreiten keine Kreisgrenzen mehr. Anrainer und Landratsamt müssen Gutachten deshalb künftig alleine finanzieren.

Die Stadtbahn müssen Kreis und Kommunen ohne die Region stemmen. Foto: StZ
Die Stadtbahn müssen Kreis und Kommunen ohne die Region stemmen. Foto: StZ

Ludwigsburg - Der Umgangston ist deutlich versöhnlicher geworden. Die Vertreter des Verbands Region Stuttgart (VRS) und des Kreises Ludwigsburg sind offenkundig darauf bedacht, einander nicht weh zu tun. Dabei gäbe es durchaus Konfliktpotenzial: Gestern hat der Verkehrsausschuss der Region beschlossen, dass der VRS keinen Cent mehr für die Voruntersuchungen der geplanten Stadtbahn von Markgröningen über Ludwigsburg bis Pattonville und Remseck ausgibt.

Für seinen Beschluss führt der Verband formale Gründe ins Feld. Ursprünglich sollte die Trasse des Schienenprojektes über Kreisgrenzen hinweg – bis nach Waiblingen im Osten und bis Stuttgart im Süden – führen. Inzwischen ist sie aber auf den Landkreis begrenzt. Zudem zeichne sich mittlerweile ab, dass das Vorhaben als Stadtbahn realisiert werden soll. Dafür sei die Region aber laut dem Nahverkehrsgesetz des Landes nicht zuständig.

Noch vor einigen Jahren waren die Atmosphäre und der Diskussionsverlauf völlig anders. Als vor rund vier Jahren die Zukunft der Strohgäubahn auf dem Spiel stand, ist die Region mit einem Übernahmeangebot vorgeprescht. Mehr als eine Million Euro jährlich wollte der Verband für das Bähnle ausgeben. Ob die vergleichsweise kurze Strecke wirklich regional bedeutsam ist, war bis zuletzt umstritten. Landräte und der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster drohten gar mit einer Klage.

„Entscheidung war abzusehen“

Heute ist die Lage eine andere: Für die deutlich längere Stadtbahntrasse quer durch den Landkreis Ludwigsburg sind dem VRS sogar die rund 50 000 Euro zu viel, die das wahrscheinlich letzte Gutachten für das Projekt kosten soll. Aufregen mag sich der Ludwigsburger Landrat darüber aber nicht. „Es wäre mir lieber gewesen, die Region hätte sich weiter beteiligt“, sagt Rainer Haas, „aber diese Entscheidung war abzusehen.“ Dass der Kreis und die Kommunen die rund 150 000 Euro für das Gutachten nun alleine zahlen müssten, sei verkraftbar. „Das bringt niemanden um.“

Zwar halte er immer noch „die Stadtbahn für deutlich regional bedeutsamer als die Strohgäubahn“. Aber der Kontakt zur Region sei in der Angelegenheit stets positiv gewesen. Immerhin habe der VRS „uns über einen langen Zeitraum hinweg unterstützt – da will ich nicht unken“, sagt Haas. Inwieweit der Rückzieher damit zusammen hänge, dass die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) inzwischen als Träger der Stadtbahn Ludwigsburg im Gespräch sei, könne er nicht beurteilen.

Auch bei der gestrigen Sitzung des Verkehrsausschusses blieben verbale Spitzen in Richtung des Landkreises aus. Die Sache war den Ausschussmitgliedern noch nicht einmal eine Debatte wert. Der einzige Regionalrat, der sich zu Wort meldete, war Peter Huber (CDU). Der Hemminger stimmte dem Landrat zu und beteuerte, dass „wir das im Technischen Ausschuss des Kreistags schon berücksichtigt haben. Das ist überhaupt kein Problem“.

Elektrobusse als Ergänzung

Kein großes Problem sieht übrigens auch der Landrat bezüglich der geänderten Pläne für die Stadtbahn. Eine Ausfahrt nach Stuttgart hatte jüngst gezeigt, dass die Hochbahnsteige der SSB für das Ludwigsburger Stadtzentrum alles andere als eine Bereicherung wären. Sollte sich das SSB-Modell städtebaulich in Ludwigsburg nicht einfügen, dann habe die Kreisverwaltung eine Alternative: Die Strecke von Markgröningen über Möglingen und Ludwigsburg bis Pattonville könne von der SSB durchgehend bedient werden. Der zweite Ast durch die Innenstadt bis Oßweil könne von voll eingetakteten Elektrobussen bedient werden. „Dafür bräuchte es in der Wilhelmstraße höchstens eine durchgehende Busspur. Damit hätte sich die Frage, wo man die Haltestellen einrichtet, auch erledigt.




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