Ludwig Bölkow Ein Mann mit patenten Ideen

Von Andreas Hentschel 

Bekannt geworden ist der Flugzeugpionier Ludwig Bölkow durch seine Beteiligung am Flugzeugkonzern MBB. Vor hundert Jahren wurde der Flugpionier geboren.

Der Flugzeugpionier Ludwig Bölkow wurde am 30. Juni 1912 geboren. Foto: dpa
Der Flugzeugpionier Ludwig Bölkow wurde am 30. Juni 1912 geboren. Foto: dpa

Stuttgart - Der Name dürfte vielen Menschen nur als Teil eines Firmennamens bekannt sein: 1969 brachte Ludwig Bölkow sein Unternehmen in den neu gegründeten Konzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm ein, kurz MBB. Die Firma ist heute Teil des europäischen Flugzeugbauers EADS. Bölkows Führungsrolle in dem Konzern, der damals mit 20 000 Angestellten startete, war ein Höhepunkt im Leben eines der erfolgreichen Erfinder-Unternehmer der frühen Bundesrepublik.

Bölkow, Pionier des Flugzeugbaus, kam am 30. Juni 1912 in Schwerin zur Welt, vor hundert Jahren. Nach dem Krieg verschlug es ihn für zehn Jahre nach Stuttgart und auf den Stuttgarter Flughafen.

Im Bann der Fliegerei

Bölkows Vater fand 1913 in Schwerin als Werkmeister eine Anstellung in der Versuchswerkstatt des Flugzeugbauers Anton Fokker. Dadurch geriet der junge Bölkow in den Bann der Fliegerei. Er versuchte sich als Modell- und Segelflieger und studierte bis 1938 an der Technischen Hochschule in Berlin. In seiner Diplomarbeit entwarf er ein viermotoriges Hochgeschwindigkeits-Postflugzeug mit großer Reichweite. Die dabei entstehenden aerodynamischen Probleme erforschte er dann als Mitarbeiter des Flugzeugbauers Willy Messerschmitt in Augsburg eingehender. Vom 3. August 1939 datiert das erste von Bölkows zahlreichen Patenten.

Der Krieg begann, und damit Bölkows lange Karriere auch in der Kriegstechnik. Er war an der Entwicklung der ersten militärischen Strahlflugzeuge beteiligt. Das Projektbüro befand sich zuletzt in Oberammergau. Dort stellte sich Bölkow 1945 den Amerikanern. Er erhielt das Angebot, in die USA zu übersiedeln, lehnte aber aus persönlichen Gründen ab und nahm damit in Kauf, dass er im besiegten Deutschland nicht im Flugzeugbau arbeiten durfte.

Umzug nach Stuttgart-Degerloch

Er zog zu seiner Schwiegermutter in Stuttgart-Degerloch und wurde Bauschlosser. Ein Zufall verschaffte ihm Bekanntschaft mit dem Bauunternehmer Christian Bossert, dem Statiker und Erbauer des Stuttgarter Fernsehturms Fritz Leonhardt und dem Betonspezialisten Otto Graf, der später viele Jahre die heutige Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart leitete. Gemeinsam entwickelte man spezielle Gitterschalungen für den Bau von Leichtbeton-Häusern. 1948 reichte das Geld für die Gründung eines Ingenieurbüros in der Degerlocher Meistersingerstraße. Bis 1950 meldete Bölkow zahlreiche Patente für Bauverfahren und Baumaschinen an.

Luftfahrt und Wehrtechnik waren in der jungen BRD verboten. Doch die Beschränkungen wurden mit Unterstützung des Bundeskanzleramtes unterlaufen. Daran beteiligt war der aus Deutschland stammende Herausgeber des Schweizer Luftfahrtmagazins „Interavia“, Erich H. Heimann. Der besuchte 1953 Bölkow mehrfach in der Meistersingerstraße 26, um ihn auf die eigentlich verbotenen Geschäftsfelder einzustimmen. Er lenkte Bölkows Interesse auf die Entwicklung von Techniken zur Panzerabwehr. Daraus entstand ein Leichtflugkörper, später Cobra genannt, der insgeheim in der Schweiz erprobt wurde. Rasch folgten weitere Aufträge aus dem für die Wiederaufrüstung zuständigen Amt Blank, darunter die Konstruktion von Flugzeugen und Hubschraubern.

Der Platz in der Meistersingerstraße wurde eng. Von Anfang 1955 an nutzte das Ingenieurbüro Bölkow ein Nebengebäude des Flughafens Stuttgart. Die inzwischen elf Mitarbeiter arbeiteten hauptsächlich an wehrtechnischen Projekten. Diese Arbeiten wurden mit dem Inkrafttreten der Pariser Verträge im Mai 1955 legalisiert. Im Jahr darauf entstand die Bölkow Entwicklungen KG, finanziert von dem Hamburger Finanzkaufmann Wolfgang Essen.

Umzug nach München

Das Unternehmen wuchs schnell. Bölkow suchte verzweifelt nach einem Baugelände im Stuttgarter Umland, denn das Flughafengebäude wurde wieder für seinen ursprünglichen Zweck gebraucht. Schließlich suchte er sein Glück in Bayern. Mit einer sogenannten Aufbauhilfe konnte er das Gelände einer ehemaligen Luftfahrtforschungseinrichtung in Ottobrunn bei München übernehmen. Am 28. November 1958 verließ der letzte von 223 Mitarbeitern der Bölkow KG das Flughafengelände.

Ottobrunn wurde zur Keimzelle des mächtigen Konzerns MBB. Das hauptsächlich auf Produkte der Rüstung, Luft- und Raumfahrt ausgerichtete Unternehmen leitete Bölkow bis 1977 als Vorsitzender der Geschäftsführung. Unter seiner Regie wurden im europäischen Verbund Hubschrauber wie der BO 105 entwickelt, von dem bis 2001 insgesamt 1404 Serienmodelle gebaut wurden, außerdem Flugzeuge (Airbus), Nahverkehrssysteme und Wehrtechnik.

Im Ruhestand versuchte sich Bölkow bis zu seinem Tode am 25. Juli 2003 in Grünwald bei München als Visionär alternativer Techniken zur Energiegewinnung und für eine nachhaltige Wirtschaft. Seine Ludwig-Bölkow-Stiftung, 1983 gegründet, setzt seine Arbeit bis heute fort.