Ludwigsburg Auf dem falschen Gleis erwischt

Mitarbeiter der Bahn zeigen den Fahrgästen in Ludwigsburg, wo es zu den Ersatzbussen nach Asperg und Tamm geht. Foto: FACTUM-WEISE
Mitarbeiter der Bahn zeigen den Fahrgästen in Ludwigsburg, wo es zu den Ersatzbussen nach Asperg und Tamm geht. Foto: FACTUM-WEISE

Der erste Werktag mit Busersatzverkehr nach Asperg und Tamm verläuft nicht ganz so, wie die Bahn das geplant hatte.

Ludwigsburg: Philipp Obergassner (pho)
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Ludwigsburg -

Als die S5 in Ludwigsburg hält und die Fahrgäste ausspuckt, setzt Manuel Reiser an: „Die Reisenden nach Asperg und Tamm bitte zu mir treten.“ Er wiederholt es einmal, zweimal, dreimal, bis sich eine Traube Menschen um ihn geschart hat. Dann begrüßt er sie und sagt ihnen: „Ich geleite euch heute zu den Bussen nach Asperg und Tamm.“ Wie eine Karawane folgen die Fahrgäste dem Mann dankbar, vom Bahnsteig ins Bahnhofgebäude, durch die Unterführung auf die andere Seite des Bahnhofs. Reiser trägt eine orange Warnweste, auf dem Rücken ist ein großer Sticker mit einem durchgestrichenen Zug, darunter steht „Ersatz“.

Reiser ist eigentlich Busfahrer für Regiobus Stuttgart (RBS), ein Tochterunternehmen der Bahn. In dieser Woche ist es aber seine Aufgabe, die Fahrgäste, die in Ludwigsburg aussteigen, zu den Ersatzbussen hinter dem Bahnhof zu bringen. „Reisendenlenker“ heißt die Bezeichnung der RBS für diesen Posten. Doch seine Aufgabe umfasst noch viel mehr. Reiser gibt auch Fahrplanauskünfte. Dafür hat er einen Klarsichtordner mit allen Verbindungen dabei. Draufschauen muss er selten, er weiß die meisten Zeiten auswendig. Vor allem aber bekommt Reiser den Unmut der Fahrgäste ab: Über die Bahn im allgemeinen, die Zumutung der Ersatzbusse und über die Informationspolitik des Unternehmens.

Die Bahn setzt 20 Gelenkbusse für den Ersatzverkehr ein

„Der Busersatz ist eine Katastrophe“, schimpft ein Mann, da verliere man viel Zeit. In der Tat braucht man nun von Ludwigsburg nach Tamm mit dem Bus 20 Minuten, plus sechs Minuten Wartezeit auf den Bus. Mit der S-Bahn wäre die Strecke in fünf Minuten zurückgelegt. Ein anderer Herr beschwert sich bei Reiser: „Es ist ein Unding, dass es keine Fahrpläne zu den Ersatzbussen gibt.“ Er habe bereits vor zwei Wochen vergeblich bei der Bahn und dem VVS nachgefragt. Der Hinweis, dass die Abfahrtszeiten im Internet stünden, bringe ihm nichts: „Ich habe kein Internet.“ Reiser versucht, ihn zu beruhigen: „Die Fahrpläne werden in diesem Moment auch in Tamm und Asperg aufgehängt.“ Für den Mann ist das zu spät: Er hätte die Information am Wochenende gebraucht.

Dieser Montag ist der erste Werktag, an dem die S5 Richtung Bietigheim-Bissingen nicht in Asperg und Tamm hält. Die Bahn erneuert zwischen Bietigheim und Kornwestheim die Gleise, erst in Richtung Bietigheim, vom 27. April an in Richtung Stuttgart. Solange wird in der jeweiligen Richtung keine S-Bahn in Asperg und Tamm halten. Für den Ersatzverkehr setzt die Bahn 20 Gelenkbusse ein.

Einige Fahrgäste erwischt es trotzdem kalt

Bereits vor Wochen hat die Bahn darüber informiert, per Pressemitteilung, auf ihrer Homepage und mit Schildern an den betroffenen Bahnhöfen. Trotzdem: einige Fahrgäste erwischt es an diesem Montag kalt. Reiser bleibt geduldig und erklärt ihnen, was los ist. Er hat gute Nerven. „Wenn ich die nicht hätte, wäre ich hier sicher fehl am Platz“, sagt er. Am Vormittag habe ihn eine ältere Dame angeschrien, weil sie den Bus verpasst habe.

Für seinen ersten Tag als „Reisendenlenker“ laufe es an diesem Montag „etwas chaotisch“, sagt Reiser. Das liege vor allem daran, dass die S5 Richtung Bietigheim nicht wie gewohnt an Gleis zwei halte, sondern ausnahmsweise an Gleis eins – auch wegen Gleisarbeiten. Die Hinweisschilder für die Ersatzbusse hängen dort aber nicht. Und die großen Pfeile, die in der Unterführung am Boden zu den Ersatzbussen weisen, beginnen auch erst beim Treppenabgang von Gleis zwei. Also muss Reiser improvisieren. An der Bushaltestelle wollte er mit einem Kollegen ein zusätzliches Schild mit dem Fahrplan aufstellen, doch der Wind hat es umgeworfen.

Die großen Pendlerströme erwartet Reiser am späten Nachmittag. Darum muss sich dann sein Kollege kümmern, denn Reiser hat um 14 Uhr Feierabend. Seit fünf Uhr morgens ruft er die Fahrgäste zu sich und bringt sie zum Bus. Ob er vom vielen Rufen nicht schon heiser ist? „Ein bisschen“, sagt er und grinst.




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