Ludwigsburg: AVL-Vertrauenskrise Kommentar: Ein Abgang mit Ansage

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Rücktritt - Für Insider war das absehbar: Der Ludwigsburger Vizelandrat Utz Remlinger tritt von seinem Amt als Chef der Kreis-Abfallverwertung zurück. Er übernimmt damit die Verantwortung für etwas, an dem er wahrscheinlich gar nicht schuld ist: die womöglich mangelhafte Deponierung von Asbest auf den AVL-Deponien. Dass sich die AVL-Aufsichtsräte für diesen Schritt artig bei Remlinger bedanken, mutet einigermaßen seltsam an.

Noch seltsamer mutet allerdings die Empörung mancher Aufsichtsräte über die öffentliche Empörung nach den jüngsten Vorwürfe gegen die AVL an. Es geht in Wirklichkeit keineswegs darum, dass man sich in Schwieberdingen jetzt vor Asbestvergiftungen fürchtet. Sondern es geht darum, dass man einem Unternehmen, das sich anscheinend nicht immer an die Buchstaben der Deponieverordnung gehalten hat, nicht mehr vertraut – besonders, weil die Deponierung von weiteren heiklen Reststoffen des stillgelegten Kernkraftwerks Neckarwestheim ansteht.

Allzu formalistisch agiert

Was sich Remlinger tatsächlich vorzuwerfen hat: er hatte bei der Einschätzung solchen Bauschutts eine zu formale Sichtweise. Rechtlich gelten diese Stoffe als normaler Schutt. Zu verschweigen, dass die AVL bereits kleinere Mengen solcher Stoffe aus dem Kreis Karlsruhe abgelagert hat, war jedoch ein herber Lapsus – denn allein deren Herkunft macht die Stoffe brisant. Das dürfte der eigentliche Grund seines Rücktritts sein, der ihm wahrscheinlich vom Landrat nahe gelegt wurde.

Spannend ist dabei zweierlei. Erstens: weder der Landrat noch ein AVL-Verantwortlicher haben je erklärt, sicher zu sein, dass die Vorwürfe schlampiger Asbest-Deponierung haltlos sind. Offenbar war das interne Vertrauen in den Schwieberdinger Deponieleiter dafür nicht groß genug. Zweitens dürfte man sich jetzt im Enzkreis fragen, warum dieser Mann für Schwieberdingen nicht mehr haltbar ist, für die Deponie Hamberg in Maulbronn aber durchaus. Mit dem Rücktritt ihres Chefs ist die AVL bei der Bewältigung der Vertrauenskrise keinen Schritt weiter.