Auf schnelle Erfolge kann Arne Wintermeier nicht hoffen. Der Ludwigsburger Wohlfühlbahnhof ist ein Langzeitprojekt, die Eigentumsverhältnisse sind sehr verzwickt.

Ludwigsburg - Die Ludwigsburger Station soll ein Wohlfühlbahnhof werden. Das ist der erklärte Wille von Oberbürgermeister Werner Spec, im Juli hat er deshalb Arne Wintermeier als Bahnhofsmanager engagiert. Viel ist von den Veränderungen noch nicht zu sehen, aber es gibt erste Opfer: Aydin Aksoy zum Beispiel. Der 40-Jährige betreibt seit zehn Jahren einen Schuhmacher- und Schlüsselservice, jetzt wurde ihm sein gerade mal 21 Quadratmeter großer Laden gekündigt. Im Februar muss er ebenso ausziehen wie der Taschenshop nebenan. Stattdessen soll „ein hochwertiges Café“ eingerichtet werden.

Eigentümer sind nicht an Umbau interessiert

Wintermeier würde Aksoy gern für den Bahnhof retten: „So unscheinbar der Laden aussieht, der Mann macht gute Arbeit, und er hat viele Stammkunden.“ Mehr als 400 von ihnen haben sich an einer Unterschriftensammlung zum Erhalt des Minischusters beteiligt. Ohne Erfolg. Der Bahnhofsmanager müht sich um Alternativen für Aksoy – im Untergeschoss oder der sogenannten Markthalle – der Ladenzeile entlang des Busbahnhofs (ZOB). Ebenfalls ohne Erfolg. Am Beispiel des Reparaturservice’ lässt sich auch ablesen, wie verzwickt die Eigentumsverhältnisse sind und warum der Baubürgermeister Hans Schmid sagt: „Wir müssen noch viele dicke Bretter bohren.“ Am Bahnhof könne es noch so desolat aussehen: „Es wird sich immer ein Mieter finden.“

Angesichts von 70 000 Menschen, die täglich durch die Halle strömen, funktioniert die Immobilie aus Sicht der Investoren auch so. Während für den Bahnhofsvorplatz mit ZOB die Stadt zuständig ist, fällt das Westportal in die Verantwortung einer Objektgesellschaft, die im Umfeld der Arena und des Parkhauses investiert hat. Die meisten vermieteten Räume im Innern gehören dagegen dem Münchener Investor Doblinger, während die Bahn nur die Gleise und die Unterführung als ihr ureigenstes Geschäft betrachtet. Immerhin hat die DB Bereitschaft signalisiert: Für 70 000 Euro soll der Zugang etwas komfortabler und übersichtlicher gemacht werden.

Konzept aus einem Guss?

Wintermeier wünscht sich „eine Lösung aus einem Guss“, aber die gibt es nicht einmal für die Putztrupps. Insgesamt drei Reinigungsfirmen machen sich am Bahnhof zu schaffen, und jede achtet penibel auf ihre Grenzen, die quer durchs Haus verlaufen. Der Bahnhofsmanager glaubt nicht an schnelle Erfolge, noch müsse er die meiste Zeit für Kleinklein aufwenden. Zu den ersten Etappensiegen gehört, dass seit Sommer endlich auch ein DB-Logo am Gebäude prangt, und dass die Stadtpläne in den Schautafeln erneuert wurden. Die große Wende aber könnte kommen, wenn all das Fördergeld fließt, das die Stadt an verschiedenen Stellen beantragt hat. Bürgermeister Schmid geht von einem Gesamtbudget von 2,04 Millionen Euro aus, das sich auf viele Einzelprojekte verteilt. Spätestens im Februar sollen konkrete Zusagen vorliegen.

Der größte Einzelbrocken käme über das Förderprojekt Schaufenster Elektromobilität. Damit könnte eine E-Carsharing-Flotte sowie eine Pedelecstation am Bahnhof finanziert werden. Außerdem sollen die digitalen Anzeigen verbessert und ins Empfangsgebäude verlagert werden. Unterstützt werden die Stadt und ihre Partner von Wissenschaftlern der Universität Stuttgart, Abteilung Städtebau, und des Fraunhofer-Instituts. Sie sollen herausfinden, wie die bereits vorhandenen Verkehrsarten besser verknüpft und wie die neuen Elektro-Angebote integriert werden können. Am Ende soll der Bahnhof zur echten Drehscheibe werden.

Der Schuster Aksoy glaubt nicht, dass er dann noch dabei sein wird. Er muss sich mit 40 eine neue Existenz aufbauen. Er hat die Firma Doblinger schon zweimal angeschrieben und sie gebeten, ihm einen Leerstand in der Ladenpassage zu vermieten. Er hat nie Antwort erhalten. „Ich würde jede Miete zahlen, aber lieber lassen sie die Räume ein Jahr lang leer stehen.“

Projektmanager und Förderprogramme

Erfahrung
Arne Wintermeier ist seit Juli städtischer Projektmanager für den Ludwigsburger Bahnhof. Bekannt wurde der 35-Jährige als Geschäftsführer von Hotel- und Gastrobetrieben wie das Blauzeit und das Campus Zwei. Im vergangen Jahr hat sich Wintermeier aus dem aktiven Hotelgeschäft zurückgezogen.

Zuschüsse
Am Förderprojekt Schaufenster E-Mobilität beteiligt sich die Stadt gemeinsam mit der Region.

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