Ludwigsburg Bei der E-Mobilität ist Enthusiasmus gefragt

Bei der E-Mobilität will Ludwigsburg mit gutem Beispiel vorangehen. Foto: Pascal Thiel
Bei der E-Mobilität will Ludwigsburg mit gutem Beispiel vorangehen. Foto: Pascal Thiel

Die am Projekt „100 Stromer“ beteiligten Städte haben vergeblich auf Geschenke aus Berlin gewartet. Schwäbisch-Gmünd, Offenburg und Ludwigsburg haben sich zum Ziel gesetzt, jeweils 100 E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)
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Ludwigsburg - Ob klimabewusste Bürger oder innovative Unternehmen aus der Kfz-Branche, alle sind enttäuscht: Der Umstieg auf Elektroautos kommt in Deutschland nur sehr schleppend voran. Die Politik stellt immer wieder Fördermittel in Aussicht, kommt damit aber nicht rüber. Die ehrgeizigen Ziele für 2020 wurden kassiert, es werden vorläufig kleinere Brötchen gebacken. Drei Modellkommunen in Baden-Württemberg wollen dem etwas entgegensetzen: Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Offenburg möchten möglichst bald bis zu „100 Stromer“ auf Straßen bringen. In Ludwigsburg haben sich jetzt zum Auftakt der Aktion Politiker, Ingenieure und E-Mobil-Fans getroffen.

Das Erlebnis begeistert

„Die E-Mobilität wird sich durchsetzen“, sagte der Ludwigsburger CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger trotzig. Auch wenn er diese Zukunft gleich wieder in weite Ferne rückte: In 100 Jahren werde man sich darüber wundern, dass die Menschen so lange mit kraftstoffbetriebenen Wagen herumgefahren seien. Noch sei die Anschaffung sehr teuer und die Nutzung eingeschränkt, „aber die Forschung kommt voran“, sagte Bilger. Im Zuge der allgemeinen Digitalisierung der Lebenswelt werde auch die E-Technologie Fortschritte machen: „Das ist die ideale Verbindung.“

Über kurz oder lang würden die Argumente geringer Schadstoffausstoß und Lärmminderung überzeugen, glaubt Oliver Kelkar, der beim Porschetochterunternehmen MHP für das Innovationsmanagement zuständig ist. „Wir beteiligen uns am Living-Lab-Projekt mit Versuchsfahrzeuten, die Daten liefern.“ Zum Beispiel über Reichweiten und Verkehrssituationen.

Bürgermeister Michael Ilk outete sich als begeisterter Fahrer eines E-Dienstwagens: „Angesichts dieser modernen Technik sind fossile Brennstoffe schon ein bisschen Steinzeit“, meinte er. Bilger, der Mitglied im Berliner Verkehrsausschuss ist, hatte ebenso wenig wie der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Norbert Barthle, das „Geschenk“ mitgebracht, auf das Heinz Handtrack vom Referat für Nachhaltige Stadtentwicklung gehofft hatte: etwa eine konkrete Förderzusage.

Die Befürworter der E-Technologie müssten deshalb wohl weiterhin ihren eigenen Enthusiasmus einsetzen und so zum Vorbild für andere werden, sagte darum der Unternehmer Thomas Knapp: „Die Leute müssen sich einfach mal in so einen Wagen reinsetzen“, schwärmte der Geschäftsführer des Pforzheimer Unternehmens Unomondo. Wer einmal erlebt habe, wie es ist, beinahe lautlos dahinzugleiten, komme davon nicht mehr los.

„Tesla kann es doch auch“

Auch Reinhold Noz, der Chef des gleichnamigen Elektrobetriebs, ist vor sechs Jahren als Verfechter des neuen Fortbewegungsmittels angetreten. Was er mittlerweile zu sagen hat, klingt nach Ernüchterung. „Nur zwei meiner 50 Betriebsfahrzeuge sind E-Autos“, sagte der Elektromeister aus Pflugfelden. Der Grund: die Reichweite von kaum 150 Kilometern und fehlende Ladestationen.

Als Handwerker könne er es sich nicht leisten, seine Gesellen mit E-Fahrzeugen auf Baustellen zu schicken, sagte Noz. Zu oft könnten sie keine Anschlusstermine wahrnehmen. Und das nur, weil sie den Ort des nächsten Auftrages nicht erreichen würden. „Wir brauchen Fahrzeuge, die 400 bis 500 Kilometer weit kommen“, sagt der Firmenchef und Ludwigsburger CDU-Stadtrat: „Tesla kann es ja auch, warum kriegen unsere Autofirmen das nicht hin?“




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