Ludwigsburg Das Duschen bleibt gefährlich

Die Legionellenbekämpfung im Marstallcenter geht weiter. Foto: factum/Granville
Die Legionellenbekämpfung im Marstallcenter geht weiter. Foto: factum/Granville

Die Bewohner müssen weiter aufs Duschen verzichten: Die Auswertung der Wasserproben belegt, dass das Leitungssystem trotz Chlordioxid-Beimischung noch immer kontaminiert ist. Die Verwaltung versucht weiter, das Problem zu beseitigen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
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Ludwigsburg - Auch nach mehr als vier Wochen gibt es keine Entwarnung für die Bewohner des Marstallcenters. Seit Donnerstagnachmittag liegen der Cording-Hausverwaltung und dem Kreisgesundheitsamt die Ergebnisse der jüngst genommenen Wasserproben vor. Sie ergeben, dass das Leitungssystem, das die 200 Wohnungen verbindet, noch immer nicht frei von Legionellen ist. Deshalb gelte weiterhin für alle Wohnungen die Nutzungsempfehlung, nicht zu duschen, wie Thomas Schönauer, der Leiter des Kreisgesundheitsamtes erklärt. Man habe jedoch keine rechtliche Handhabe, den Mietern und Eigentümern das Duschen zu untersagen.

Golo Anders, der Prokurist der zuständigen Hausverwaltung, formuliert die Empfehlung freilich etwas deutlicher: Es bestehe weiterhin ein Duschverbot. Die Hausverwaltung wollte die Bewohner noch am Abend über die neuen Ergebnisse durch Aushänge informieren. Gefährlich sind die Legionellen für alte und geschwächte Menschen oder solche, die an Asthma oder einer Lungenerkrankung leiden.

Dem Wasser wird weiter Chlordioxid beigemischt

„Wir haben die Legionellenwerte zwar senken können“, erklärt Anders. „Aber wir werden die Beimischung von Chlordioxid in den Wasserkreislauf in Rücksprache mit dem Kreisgesundheitsamt beibehalten.“ Das hat man schon nach der ersten Befunden getan. Auch wurde die Vorlauftemperatur, so die Auskunft der Hausverwaltung, von 60 auf 80 Grad erhöht. Auch das werde man beibehalten. Legionellen haben bei Wassertemperaturen von 25 bis 50 Grad optimale Lebensbedingungen. „Wir haben zudem vier neue Wärmetauscher bestellt“, sagt Anders. Damit solle die Leistungsfähigkeit der 40 Jahre alten Anlage erhöht werden. Wichtig sei jetzt eine gute Wasserzirkulation. Da im Haus aber einige Wohnung nicht dauerhaft genutzt werden, sei gerade das schwierig.

Einige Bewohner hatten zudem das Angebot angenommen, ihren Duschkopf gegen ein Exemplar auszuwechseln, das die Legionellen mechanisch ausfiltert. Das ist jedoch eine reine Akutmaßnahme. Die Ursachen und den Legionellenbefall beseitigt das nicht. Anders verweist auf einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft aus dem Jahr 2007. Damals haben die Bewohner aus Kostengründen den Austausch der Trinkwasserleitung abgelehnt.

Im schlimmsten Fall droht eine teure Sanierung

„Es wäre schön gewesen, wenn es gleich nach der ersten Messung keine Legionellen mehr gegeben hätte“, sagt der Chef des Kreisgesundheitsamts Schönauer. Frühestens in drei Wochen sei es sinnvoll, neue Proben zu ziehen. Wenn alle Maßnahmen nicht greifen, könnten auf die Eigentümer, so sagen Kenner der Materie, hohe Sanierungskosten zukommen. Einige Bewohner fordern nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Sie fragen sich, ob die Anlage die Jahre über nach den gültigen Regeln der Technik gefahren wurde.




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