Ludwigsburg Das Marstall ist fertig, das Umfeld auch

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Die Stadt und die ECE feiern das Ende der Bauarbeiten, an diesem Mittwoch wird das runderneuerte Einkaufszentrum in der Ludwigsburger City eröffnet – es ist nicht wieder zu erkennen. Auch das Umfeld wurde aufgewertet.

Wo früher  dunkle und unübersichtliche Gänge dominierten, sind helle und gerade Ladenpassagen entstanden. Foto: factum/Granville 15 Bilder
Wo früher dunkle und unübersichtliche Gänge dominierten, sind helle und gerade Ladenpassagen entstanden. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - An Tagen wie diesen greifen alle Beteiligten gern ganz tief in den Kessel mit den warmen Worten, und am Dienstag in Ludwigsburg war das nicht anders. Es seien immer tolle Gespräche mit der ECE gewesen, sagte der Oberbürgermeister Werner Spec, und überhaupt: das Marstall sei einfach toll geworden. „Wir wollen die Herzen der Menschen gewinnen“, sagte Axel Diewald von der ECE, um daraufhin der Stadt und Spec zu danken, die „unermüdlichen Einsatz“ gezeigt hätten und „beseelt von dem Projekt“ gewesen seien. Die Center-Managerin Anne Marschner setzte noch einen drauf und erklärte, sie sei „verliebt in Ludwigsburg“.

Dann dankten sich nochmal alle gegenseitig und den Baufirmen, Architekten, Stadträten, Anwohnern, und ja, das Ganze gipfelte in einer herzhaften Umarmung von Spec und dem ECE-Projektentwickler Nikolaus Thätner.

Man kann den Damen und Herren angesichts dieser Freundlichkeitsorgie zugute halten: es gab ja wirklich einiges zu feiern. Das neue Marstall ist fertig. 100 Millionen Euro hat die Hamburger Projektentwicklungsgesellschaft ECE in die Wiederbelebung des Einkaufszentrums in der Innenstadt investiert, an diesem Mittwoch ist die Wiedereröffnung. Der Dienstag aber gehörte noch der Stadt.

Das Umfeld wurde für 5,5 Millionen Euro aufgewertet

Denn die hat, mit Unterstützung von Land und Bund, ebenfalls investiert: in die 5,5 Millionen Euro teure Umgestaltung des Marstall-Umfelds, die nun weitgehend abgeschlossen ist – was Spec symbolisch untermauerte, indem er bei dem Festakt einen letzten Pflasterstein in den Boden des Reithausplatzes gleiten ließ. Der Platz, die angrenzende Fußgängerzone und weitere Straßen wurden aufwändig erneuert. Das Bodenniveau wurde angeglichen, neues Pflaster verlegt, Sitzgelegenheiten geschaffen, ein zusätzlicher Brunnen und kleine Bauminseln angelegt.

Bereits länger fertig ist die Neugestaltung auf der Rückseite des Marstalls, wo unter anderem Straßen, Mauern und ein Tunnel zurückgebaut wurden und ein neuer Kreisel die Zufahrt zur Tiefgarage erleichtern soll. Komplett abgeschlossen ist das Gesamtvorhaben nicht: auf dem Reithausplatz und in der Körnerstraße sind noch Restarbeiten zu erledigen, an der Nordseite soll noch ein Hotel entstehen und möglichst schon 2016 auch die benachbarte Lindenstraße saniert werden.

Aber das Gröbste ist geschafft. „Uns war immer wichtig, dass das Umfeld weitgehend fertig ist, wenn das Marstall fertig ist“, sagte Spec. Für Ludwigsburg sei beides zusammen genommen die „wichtigste Maßnahme dieses Jahrzehnts“.

Die Stadt hat großen Anteil an der Wiederbelebung

Lange Zeit war das in den 1970er Jahren erbaute Marstallcenter auf dem absteigenden Ast, bis zuletzt nahezu alle Läden leer standen. Der komplizierten Eigentümerstruktur war es geschuldet, dass nie ein Rettungskonzept entwickelt wurde. Bis sich die Stadt entschloss, die Flächen selbst aufzukaufen und später gebündelt an die ECE weiterzuveräußern. „Diesen Weg ist so wohl noch keine Kommune in Deutschland gegangen“, sagte Spec am Dienstag, und es war ihm anzusehen, dass er den Moment genoss. Wohl nicht zu unrecht, denn sogar Kritiker bescheinigen dem OB und der Verwaltung, dass sie einen guten Job gemacht haben.

Wie gut oder schlecht die ECE gearbeitet hat, davon können sich die Kunden künftig selbst ein Bild machen, das Marstall jedenfalls ist nicht wiederzuerkennen. Wo zuvor dunkle und unübersichtliche Gänge dominierten, sind helle und gerade Passagen entstanden, die nach Angaben des Hamburger Unternehmens vollständig vermietet sind. Pferdeskulpturen, Stalltüren, Stuck und dazu viel braunes Holz – man habe sich bei der Gestaltung an der historischen Funktion orientiert, so die ECE, denn früher stand an dieser Stelle der als Marstall bezeichnete königliche Pferdestall.

Das Marstall verfügt über 70 Läden mit bekannten Marken

Die 25 700 Quadratmeter große Verkaufsfläche umfasst 70 Geschäfte und gastronomische Angebote, die Hälfte davon ist neu in Ludwigsburg. Der ECE-Architekturexperte Peter Thode betonte, man habe Marken gewonnen, „die zum Marstall passen“. Was angesichts von Geschäften wie H&M, Tom Tailor, Jack&Jones oder Saturn eine gewagte Aussage ist, sind diese doch in nahezu jedem Shoppingcenter und jeder Fußgängerzone in Deutschland zu finden.

Die Stadt verbindet mit der Revitalisierung die Hoffnung auf eine Aufwertung des gesamten Viertels, das mit dem Niedergang des Marstalls ebenfalls an Attraktivität verlor, weshalb dort heute vorwiegend Billiganbieter oder Spielcasinos angesiedelt sind. Er gehe davon aus, so Spec, dass nun wieder verstärkt hochwertige Geschäfte in diese Gegend kommen. Das Marstall sei ein entscheidender Faktor bei der Stärkung der gesamten City.




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