Wegen des Nadelöhrs am Schillerdurchlass schlägt die Stadtverwaltung Ludwigsburg vor, den Ast aus Remseck vor dem Bahnhof enden zu lassen. Ist das sinnvoll und machbar? Der Landrat hofft, dass die Zweifel das Vorhaben nicht bremsen.

Ludwigsburg: Markus Klohr (mk)

Ludwigsburg - Hohe Erwartungen – und dann mehr und mehr Abstriche: das ist der Grundtenor, der die Geschichte der Pläne für eine Stadtbahn quer durch den Landkreis Ludwigsburg prägt. Nachdem dem Projekt ein exzellentes Nutzen-Kosten-Verhältnis bescheinigt wurde, erwies sich der Ast von Ludwigsburg nach Oßweil als unwirtschaftlich. Seitdem werden dort E-Busse als Ersatz diskutiert. Nun droht dem Vorhaben eine erneute Kappung. Die Stadtverwaltung Ludwigsburg schlägt vor, die Verbindung aus Remseck-Aldingen (Hornbach-Baumarkt) über Pattonville bis Ludwigsburg am Ludwigsburger Bahnhof enden zu lassen. Eine Durchbindung über Möglingen nach Markgröningen scheitere an der Schwierigkeit, beim Bahnhof die Bahngleise zu queren.

Knackpunkt ist aus Ludwigsburger Sicht die Bahnunterführung an der Schillerstraße, der sogenannte Schillerdurchlass. „Diese Engstelle ist aus unserer Sicht einfach zu eng“, sagt Arne Wintermeier, der im Rathaus Ludwigsburg Leiter der Projektentwicklung Bahnhof ist. Die Hochflurzüge der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) haben laut Wintermeier einen Kurvenradius von 50 Metern und könnten den Durchlass deshalb nur diagonal durchfahren. Dafür müssten alle fünf bis siebeneinhalb Minuten (je nach Takt) nicht nur sämtliche Straßen, Rad- und Fußgängerwege komplett gesperrt werden. „Alle Wege müssen zudem noch völlig frei sein, damit die Züge durchkommen“, sagt Wintermeier. Allenfalls eine Niederflurbahn wie etwa in Straßburg sei vertretbar, weil dafür nur halbseitig gesperrt werden müsse.

„Durchbindung ist der Vorteil einer Schienentrasse“

Die Stadtverwaltung Ludwigsburg will ihre Vorschläge an diesem Dienstag bei einem Treffen der Projektgruppe den anderen Partnern – neben Markgröningen, Möglingen und Remseck auch der Landkreis Ludwigsburg – en Detail vorstellen. „Wir suchen weiterhin mit hohem Engagement eine Lösung“, betont Wintermeier. Dennoch regt sich bereits im Vorfeld mehr oder weniger zarter Widerspruch.

„Eine zügige Durchbindung ohne Umsteigen ist der eigentliche große Vorteil einer Schienentrasse“, sagt Karl-Heinz Balzer, Baubürgermeister der Stadt Remseck. Er habe allerdings großes Verständnis für die städtebaulichen Nöte der Nachbarstadt. „Ich beneide die Ludwigsburger nicht darum, das ist kein leichtes Thema.“ Bevor ein so zukunftsweisendes Großprojekt mit geschätzten Kosten zwischen 150 und 200 Millionen Euro völlig gekippt wird, sei Remseck aber zu Kompromissen bereit. Er fürchte aber, dass das Land im Falle einer Kappung der Linie Remseck-Pattonville-Markgröningen seine Förderzusage überdenken könne.

„Wir finden eine technische Lösung“

Diese Gefahr sieht der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas „zunächst einmal nicht“. Der Chef der Kreisverwaltung gilt als glühender Befürworter des Projekts. Es sei gutachterlich nachgewiesen, dass nur die SSB-Variante wirtschaftlich tragfähig sei, da Kosten etwa für einen Betriebshof gespart werden. „Wir müssen die Niederflurdebatte beenden und schnell zu einem Beschluss kommen“, sagt Haas mit Blick auf die Förderung vom Land. Er glaubt, dass eine Kappung nicht das Gesamtprojekt in Frage stelle. „Dafür müssen wir zusammen mit Ludwigsburg eine technische Lösung finden“, sagt Haas.

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