Ludwigsburg Der Käufer braucht Sendungsbewusstsein

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Vor einem Jahr ging die Ludwigsburger Schlossmanufaktur in die Insolvenz. Seitdem wird ein Käufer gesucht. Stadt und Land müssen entscheiden, was ihnen die Porzellanmanufaktur wert ist, sagt der Kaufmann und Manufakturexperte Wigmar Bressel.

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Ludwigsburg – - Seit einem Jahr ist die Schlossmanufaktur insolvent. Wigmar Bressel ist Vorsitzender des Verbandes deutscher Manufakturen. Er hat gleich mehrere Vorschläge, wie das Unternehmen in die Zukunft gehen könnte. Einer davon sieht die Stadt Ludwigsburg und das Land in der Pflicht. Denn kostendeckend gehe es nicht.
Herr Bressel, würden Sie die Ludwigsburger Porzellanmanufaktur kaufen?
Nein, die ist mir räumlich zu weit weg. Aber im Ernst: es gibt Beispiele für geglückte Neugründungen und für Neustarts von Porzellanmanufakturen. Es ist aber ein schwieriges Geschäft. Das ist jedoch bei den meisten Konsumgütern so. Der Markt gilt als gesättigt. Nach 70 Jahren Frieden in Europa haben die Menschen einfach alles. Man braucht eine genaue Strategie, wenn man ein solches Projekt angehen will.
Nennen Sie mal ein geglücktes Beispiel?
Der Gründer des Porzellanherstellers Dibbern etwa hatte eine hohe Affinität zu Porzellan, weil sein Opa Porzellanhersteller war. Er hat ein Designbüro gegründet und neue Formen entwickelt. Gleichzeitig wollte er Fine Bone China, das gab es zu diesem Zeitpunkt nur als chinesische Importware. Zusammen mit Hutschenreuther, die dafür eine neue Porzellanherstellungstechnologie erlernt haben, hat er es produziert. 1997, nach 20 Jahren, hat er das Werk von Hutschenreuther gekauft. Seitdem produziert Dibbern Fine Bone China selbst und wird damit auch nicht insolvent gehen.
Warum?
Er hat ein neues Produkt entwickelt, fertigt es selbst, damit die Qualität stimmt. Und er hatte lange keine Mitbewerber. So hat er sich einen Marktvorsprung verschafft.
Was machen die Porzellanmanufakturen generell anders, die nicht ständig Insolvenz anmelden müssen?
Die haben frühzeitig entschieden, dass sie sich von den anderen abheben müssen. Sie haben beschlossen, den Begriff Manufaktur wieder aufleben zu lassen – also die Fertigung von Hand. Sie haben den Begriff positiv gedreht und ihm einen Mehrwert verpasst, der suggeriert, dass das Produkt von Hand in Deutschland gefertigt wird oder dass in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen werden. So haben sie Kunden gefunden, die bereit sind, dafür mehr Geld auszugeben.
Was lässt sich für Ludwigsburg daraus ableiten? Lässt sich eine in die Jahre gekommene Tradition einfach so wiederbeleben?
Nein, das geht nicht.




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