Ludwigsburg Der Umbau des Kulturzentrums steht auf der Kippe

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Der Bauausschuss hat den Entwurf für das Kulturzentrum in Ludwigsburg abgelehnt. Die Stadträte kritisieren, der geplante Umbau sei zu teuer. Die Stadt weist dies zurück – jetzt wird gestritten.

Das Kultur- soll zum Wissenszentrum erweitert werden. Foto: factum/Granville
Das Kultur- soll zum Wissenszentrum erweitert werden. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Der Umbau des Kulturzentrums auf dem Rathausplatz in Ludwigsburg könnte doch noch platzen. Im März hatte der Gemeinderat das Gesamtkonzept gebilligt, jetzt folgte der Rückschlag: am Donnerstag lehnte der Bauausschuss überraschend den Entwurfs- und Baubeschluss ab – wegen der Kosten. Die Verwaltung müsse „endlich Einsparvorschläge“ vorlegen, forderte der Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzende Roland Glasbrenner.

Nach dem Willen der Stadtverwaltung soll in dem Gebäude ein Wissenszentrum entstehen: mit mehr Raum für die Stadtbibliothek, einer Ausstellung des Energetikoms und einem Beratungsangebot der Ludwigsburger Energieagentur (Lea). Geschätzte drei Millionen Euro werden für die Bauarbeiten fällig. Unumstritten war das Projekt nie. Viele Stadträte sind vor allem mit der Kombilösung nicht einverstanden und sehen die Integration der Energetikom-Ausstellung kritisch.

Die Stadträte wollen die Mehrkosten nicht mittragen

Am Donnerstag votierten sechs Mitglieder des Ausschusses gegen die Vorlage. Vier stimmten dafür, und reagierten nach der Abstimmung teils empört. „Das gibt es doch alles nicht“, kritisierte Elfriede Steinwand von den Grünen, und fragte in die Runde: „Wollen wir das Haus etwa leer stehen lassen? Mitten in der Stadt?“

Konkret ging es in der Sitzung um den zweiten Bauabschnitt: die im Grunde unstrittige Erweiterung der Bibliothek, die derzeit aus allen Nähten platzt. Nachdem das Stadtmuseum in ein separates Gebäude umgezogen ist, verfügt das Kulturzentrum über reichlich freie Fläche, und fast 500 Quadratmeter davon sollen der Bibliothek zufallen. Vor einigen Monaten bezifferte das Hochbauamt die geschätzten Kosten auf rund zwei Millionen Euro, aber nun liegen detaillierte Berechnungen vor: 2,245 Millionen Euro. Diese Mehrkosten wollte der Ausschuss nicht mittragen. „Die Steigerung ist nicht nachvollziehbar“, sagte Peter Griesmaier von der SPD. Elga Burkhardt (Lubu) und Reinhold Noz von der CDU erneuerten ihre grundlegende Kritik an dem Gesamtkonzept. Dieses sei „mit heißer Nadel gestrickt“ und nicht zukunftsfähig, sagte Burkhardt.

Dass die Planung ungewöhnlich schnell entwickelt wurde, streitet das Rathaus nicht ab. In wenigen Wochen soll der Umbau beginnen, und für die Eile gibt es einen Grund. Der erste, kleinere Bauabschnitt muss bis Oktober abgeschlossen sein, damit die beantragten Fördergelder fließen, rund 270 000 Euro. „Es zählt jeder Tag“, sagte Mathias Weißer vom Hochbauamt. Die generelle Kritik weist er vehement zurück. Die Differenz zwischen der groben Schätzung und der präziseren Berechnung sei vergleichsweise gering und überwiegend darauf zurückzuführen, dass man jetzt einen finanziellen Puffer für Unvorhergesehenes eingerechnet und Preissteigerungen einkalkuliert habe.

Die Kritik sei nicht gerecht, sagt der Bürgermeister

Angesäuert reagierte der Baubürgermeister Hans Schmid auf das Votum. „Die Stadträte halten sich, wenn sie von Kostensteigerungen sprechen, immer mit Verve an der ersten Zahl auf“, sagte er nach der Sitzung. Mit dieser ersten Schätzung, die natürlich die ungenauste aller Zahlen sei, werde alles Weitere verglichen. Das sei weder qualifiziert noch gerecht. Anders ausgerückt: „Das ist so, als würde man sich stets auf den Wetterbericht von vor zwei Wochen verlassen.“

Das Hochbauamt sieht nur wenig Einsparpotenzial – und wenn, dann hauptsächlich bei Maßnahmen, die der Gemeinderat explizit gefordert hatte. So würde der Verzicht auf kleinere Umbauten im Foyer und die vorgesehene neue Beleuchtung die Kosten um rund 60 000 Euro senken. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Weshalb die nächste Gemeinderatssitzung am 26. Juni spannend werden dürfte. Wegen des engen Zeitplans muss dann eine Entscheidung fallen. „Wenn der Gemeinderat so abstimmt wie der Ausschuss, ist das Vorhaben gestorben“, so Schmid. „Ich kann mir aber einfach nicht vorstellen, dass das passiert.“