Ludwigsburg Die Bundesgartenschau ist eine Wette, die sich lohnt
Ludwigsburg will Teil der Bundesgartenschau 2043 werden und der Stadtentwicklung einen Schub geben. Das wirkt angesichts der klammen Stadtkassen absurd – ist es aber nicht.
Ludwigsburg will Teil der Bundesgartenschau 2043 werden und der Stadtentwicklung einen Schub geben. Das wirkt angesichts der klammen Stadtkassen absurd – ist es aber nicht.
Die Region wurde vor Kurzem zum Träumen eingeladen: Der Traum von einem echten, grünen Naherholungsgebiet am mittleren Neckar. Schluss mit braunem Brackwasser, üblem Geruch und stählernen Ufern – die Bundesgartenschau 2043 in Esslingen, Stuttgart und Ludwigsburg soll den Fluss erlebbar machen, die Region lebenswerter gestalten, die Infrastruktur effizienter und die Städte nachhaltiger entwickeln. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.
Doch angesichts der strengen städtischen Sparrunden der vergangenen Monate reibt sich so mancher Ludwigsburger verwundert die Augen über derart kühne Pläne. Haben wir nicht erst vergangenen Winter soziale Projekte gestrichen, die Unternehmenssteuern erhöht und die Parkgebühren angezogen? Und stehen nicht aktuell höhere Kitagebühren und eine weitere Anhebung der Grundsteuer zur Debatte – alles, um einige hunderttausend Euro einzusparen?
Für einige wirkt die Bewerbung für das Prestigeprojekt Buga aktuell wie ein schlechter Witz – besonders, weil es Beispiele gibt, bei denen der Versuch nach hinten losging. In Erfurt musste die Stadt 2021 ein Defizit von 500 000 Euro ausgleichen – durch die Pandemie kamen zu wenig Besucher. Bei der Buga 2015 im Havelland kamen auch ohne Corona rund ein Drittel Besucher weniger als erwartet. Der Städteverbund in Brandenburg ging mit einem Minus von zehn Millionen Euro aus der Veranstaltung. Zuletzt musste Rostock die Reißleine ziehen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Schau entschieden Stadt und Rat, die Schau abzusagen – die Verantwortlichen hatten sich verzettelt.
Es gibt also durchaus Argumente, den Plan zur Bewerbung zurückzuziehen und sich mit den aktuellen Herausforderungen zu beschäftigen. Doch es gibt noch mehr Gründe dagegen – denn die positiven Beispiele überwiegen. Koblenz (2011), Heilbronn (2019) und Mannheim (2023) zeigen eindrucksvoll, dass eine Bundesgartenschau ein Motor für die Modernisierung sein kann.
Hier zeigt sich, dass die Bundesgartenschau weit mehr ist als eine reine Schau – sie ist ein Impulsgeber für gesellschaftlichen Wandel. Stadtentwickler haben hier die Freiheit, visionäre Konzepte auszuprobieren, ohne dass diese sofort auf ihre Effizienz geprüft werden. Kreative Ideen werden direkt umgesetzt – mutig und ohne Zögern. Die Gartenschau wird so zur Spielwiese für eine nachhaltige und soziale Stadt der Zukunft.
Gerade in Zeiten autoritärer Tendenzen und eines zunehmend entfesselten Kapitalismus sind Bundesgartenschauen eine dringend notwendige Rückbesinnung: Sie zeigen, dass Stadtentwicklung nicht nur wirtschaftlichen Zwängen folgen muss, sondern Raum für Gemeinschaft, Natur und soziale Innovation bieten kann.
Ludwigsburg braucht diesen gesellschaftlichen Impuls. Die Stadt muss den Neckar endlich in den Alltag der Bürger integrieren und mehr grüne Naherholungsplätze schaffen – ohne Autos, ohne Beton, ohne Konsumzwang. Die Buga 2043 bietet zudem die Möglichkeit, neue Formen des Zusammenlebens zu erproben: Weg vom Einfamilienhaus, hin zu Quartieren mit echtem Zusammengehörigkeitsgefühl, gegenseitiger Unterstützung und gelebter Nachbarschaft.
Zugegeben, die Idee einer Buga 2043 in Ludwigsburg mag derzeit absurd wirken. Aber die Entwicklung lebenswerter Städte wird nicht in Monaten oder Jahren gedacht, sondern in Jahrzehnten. Ja, die Bewerbung für die Bundesgartenschau ist eine Wette – aber eine, bei der der mögliche Gewinn schwerer wiegt als die Risiken.