Ludwigsburg Die Karlshöhe auf Integrationskurs

Die therapeutischen Werkstätten der Ludwigsburger Karlshöhe nehmen auch Spezialaufträge entgegen. Foto: factum/Granville
Die therapeutischen Werkstätten der Ludwigsburger Karlshöhe nehmen auch Spezialaufträge entgegen. Foto: factum/Granville

Wohnungslose sollen besser integriert werden. Darüber sind sich das Land und die Ludwigsburger Karlshöhe einig. Aber nicht über den genauen Weg dahin.

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Ludwigsburg - Die Richtung ist klar. Das Vierfache der Regelförderung von einer halben Million Euro stellt das baden-württembergische Sozialministerium in diesem Jahr für Investitionen in der Wohnungslosenhilfe zur Verfügung. Satte zwei Millionen Euro sind das, von denen sich die Ludwigsburger Karlshöhe vielleicht den größten Brocken sichern könnte. Allerdings: beim „Aktionsprogramm Regionalisierung und Modernisierung“ steckt der Anspruch bereits im Titel.

Man will weg von den großen Komplexen auf der freien Wiese, hin zu kleineren, in die Stadt integrierten Angeboten. Vor allem Beratungsstellen und Tagestreffs sollen näher bei ihrer Klientel sein. „Wir wollen die Leute herausziehen aus ihrer gesonderten Community“, sagt Michael Heck, der beim Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) das Referat für inves­tive Förderung leitet. Den Ansatz findet der Direktor der Karlshöhe, Frieder Grau, vollkommen richtig. Nur in der konkreten Umsetzung scheiden sich die Geister.

Drei neue Häuser geplant

Auf dem Gelände der diakonischen Einrichtung sollen in den kommenden Jahren drei neue Häuser entstehen – darunter ein zwei Millionen Euro teurer Neubau für die  therapeutischen Werkstätten, in der schwer in den Arbeitsmarkt vermittelbare und teils in Wohngruppen in der Stadt, teils im Wohnheim untergebrachte Menschen eine Beschäftigung finden. Schon für die bisher 84 Plätze ist das alte Gebäude zu klein. Im Neubau sollen aber nur 64 unterkommen dürfen. Die restlichen Plätze, am liebsten eine gesonderte Frauengruppe, will der KVJS extern in einer Immobilie in der Innenstadt untergebracht haben.

Auf die Idee, einen Teil der Werkstätten auszugliedern, sei man gemeinsam mit der Karlshöhe gekommen, sagt Heck. Damit steige die Chance, dass sie im Herbst eine Zusage für die beantragten Zuschüsse für 40 Prozent der Baukosten beider Projekte bekommt. Andernfalls hätte das Vorhaben nicht zum Titel des Aktionsprogramms gepasst. Stattdessen habe man nun ein Konzept „mit einem modernen Touch“.

Ein Feilschen um die Zahl der Plätze

Die Euphorie kann Frieder Grau nicht recht teilen. Ein Ableger in der Stadt sei sowieso angedacht gewesen – allerdings in einem kleineren Umfang als Nähstube. Dass man nun mit dem KVJS um die Zahl zentraler und dezentraler Plätze feilschen musste, findet er „nicht nachvollziehbar“. Schließlich sollte der Neubau ursprünglich um 20 Plätze größer und höher werden – um ein Stockwerk mit einem Café, in dem die Werkstätten-Mitarbeiter helfen. Dass daraus nun wohl nichts wird, findet Grau schade. Einen ähnlichen Betrieb in der City aufzubauen, wie Heck vorschlägt, hält er für schwierig. Die Mietpreise seien hoch. Außerdem hätten andere Einrichtungen die Erfahrung gemacht, „dass der Sozial­effekt sofort verpufft, wenn die gebotene Qualität nicht hundertprozentig ist“.

Für die Zentrale spreche vor allem, dass sich hier mehr Fachpersonal um die oft psychisch und physisch labilen Mitarbeiter kümmern könne. Weil diese in den Werkstätten immer wieder ausfielen, brauche der Leiter mehr Leute, um spontan umzudisponieren: „Die Kunden erwarten Zuverlässigkeit“, sagt der Karlshöhe-Direktor.

Natürlich würden die großen Einrichtungen der Einfachheit halber ihre Schäfchen um sich scharen, meint dagegen Michael Heck. In dem alternativen Konzept stecke aber „eine echte Chance“: „Wer mitten in der Stadt direkten Kundenkontakt hat, arbeitet auch mehr an sich selbst.“




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