Ludwigsburg Dopingdealer legen Geständnisse ab

Der Prozess gegen sechs Dopingdealer vor dem Stuttgarter Landgericht neigt sich dem Ende zu. Foto: dpa
Der Prozess gegen sechs Dopingdealer vor dem Stuttgarter Landgericht neigt sich dem Ende zu. Foto: dpa

Stanozolol, Testosteron, Nandrolon – kiloweise Dopingpräparate hat ein 30-jähriger Dealer in China bestellt und an Bodybuilder in der Region Stuttgart verkauft. Im Prozess vor dem Landgericht beginnen bald die Plädoyers.

Lokales: Tim Höhn (tim)
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Ludwigsburg – Der Anabolika-Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht neigt sich dem Ende zu – inzwischen haben sich die meisten Angeklagten zu den Vorwürfen geäußert und diese zumindest teilweise eingeräumt. Auch der 30-jährige Hauptangeklagte, der von Ludwigsburg aus die anabolen Steroide vertrieben hatte, hat eine Stellungnahme abgegeben und darin auf sein umfassendes Geständnis gegenüber der Polizei verwiesen.

Demnach haben er und seine fünf Helfer von Anfang 2010 bis September 2012 einen florierenden Dopinghandel betrieben. Der Hauptangeklagte war Inhaber eines Geschäfts für Nahrungsergänzungsmittel in Ludwigsburg. Über das Internet orderte er in China kiloweise anabole Steroide, um sie an seine Kunden aus der Bodybuilder-Szene zu veräußern. Die Mitangeklagten halfen, die Präparate weiterzuverarbeiten und in verkaufsfertige Ampullen abzufüllen – wobei sie wenig professionell vorgingen.

Viele Produkte waren verunreinigt

In der Verhandlung am Freitag schilderte ein forensischer Toxikologe, dass die bei der Gruppe sichergestellten Präparate von „ungewöhnlich schlechter Qualität“ gewesen seien. Der Dopingexperte war von der Strafkammer beauftragt worden, die Ampullen mit Testosteron, Stanozolol, Dianabol oder Nandrolon zu analysieren. Das Ergebnis zeigt, dass der Kauf von Dopingmitteln dem Spiel mit dem Feuer gleicht. Zwar seien die aus China gelieferten Rohprodukte in Pulverform meist von guter Qualität gewesen. Bei der Verarbeitung, wenn also das Pulver in Öl aufgelöst wird, seien aber wohl grobe Fehler gemacht worden.

Nach Angaben des Gutachters waren mehrere Ampullen verunreinigt, andere falsch deklariert, die Wirkstoffkonzentration habe selten gestimmt. Teilweise seien völlig andere Mittel verkauft worden als auf den Flaschen angegeben. So wurden etwa Steroide versprochen, und „tatsächlich handelte es sich aber um Viagra“, sagte der Experte, der den Richtern einen Einblick in die Bodybuilder-Szene und die Auswirkungen des Dopingmissbrauchs vermittelte.

Dramatische gesundheitliche Folgen

Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch. Bei zwei Dritteln aller Konsumenten führen die anabolen Steroide zu einer Verweiblichung des Körpers. Manche Produkte schädigen die Leber, andere verursachen Potenzprobleme, Haarausfall oder Akne. Schlafstörungen, gesteigerte Aggressivität, ein stark erhöhtes Herzinfarktrisiko – die Liste der Nebenwirkungen ist lang. Die Polizei hat zahlreiche Abnehmer ermittelt, die bei dem 30-Jährigen Dopingpräparate bestellt hatten. Einer davon ist inzwischen an einem Herzinfarkt gestorben. Bei der Obduktion wurde festgestellt, dass sein Herz stark angewachsen war.

Aufgeflogen war der Hauptangeklagte, weil bei einer Polizeikontrolle Dopingmittel in seinem Auto gefunden worden waren. Daraufhin folgte eine Razzia in seinem Laden. Mindestens 117 000 Euro soll er mit seinen illegalen Geschäften erlöst haben. Der Prozess wird am 23. Oktober fortgesetzt. Voraussichtlich wird die Beweisaufnahme dann geschlossen und mit den Plädoyers begonnen.




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