Ludwigsburg Ein ganz normaler Verein – oder etwa nicht?

Von Julian Illi 

Am Tag des offenen Denkmals lädt die Ludwigsburger Freimaurer-Loge Besucher zum Rundgang ein. Der Bund will sich künftig mehr in der Öffentlichkeit zeigen – auch weil es immer schwieriger wird, neue Mitglieder zu finden.

Andreas Hoffmann  zeigt den Besuchern am Tag des offenen Denkmals die Tischmanieren in der Ludwigsburger Freimaurer-Loge. Foto: factum/Weise
Andreas Hoffmann zeigt den Besuchern am Tag des offenen Denkmals die Tischmanieren in der Ludwigsburger Freimaurer-Loge. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Das Interesse, so viel lässt sich schon ganz am Anfang feststellen, ist auf jeden Fall groß. Gut 50 Menschen drängen sich in den Saal im Erdgeschoss des roten Backsteinbaus in der Asperger Straße. Normalerweise sind die Türen der Ludwigsburger Freimaurer-Loge „Johannes zum wiedererbauten Tempel“ für Nicht-Mitglieder geschlossen, am Tag des offenen Denkmals öffnen die Brüder aber ihre Räume. Dementsprechend voll ist es bei der Führung am Sonntagmittag. An­dreas Hoffmann, der Altstuhlmeister, steht im grauen Anzug hinter einer langen, weiß gedeckten Tafel, und erläutert den Besuchern die Geschichte der Loge.

Er erzählt, dass sie 1855 von Offizieren gegründet, wenig später wieder aufgelöst wurde, nachdem die Soldaten weitergezogen waren. Wenige Jahre später gründete sich die Gruppe erneut. Zunächst traf man sich in Gasthäusern, 1887 wurde das Logenhaus gebaut. Zur Zeit der NS-Diktatur machte sich die SA in den Räumen breit und vernichtete alles, was an die Freimaurer erinnerte. Erst Mitte der 1950er Jahre gehörte das Haus wieder der Bruderschaft.

„Wir haben nichts mit Geheimniskrämerei zu tun“

Heute, sagt Hoffmann, hat die Gemeinschaft 39 Mitglieder. Und auch das stellt der Mediziner klar: „Wir haben nichts mit Geheimniskrämerei zu tun.“ Man unterhalte keine geheimen Beziehungen zu den Mächtigen in Politik und Wirtschaft, „wir sind offiziell ein Verein“. Ein Verein mit ganz eigenen Regeln und Ritualen.

Als Hoffmann die Besuchergruppe in den Tempelraum im ersten Stock führt, ins Allerheiligste gewissermaßen, wird das eindrücklich klar. Es wird klar, dass nicht nur die Bezeichnungen (Meister vom Stuhl, Altstuhlmeister) außergewöhnlich sind, sondern auch die Tätigkeiten der Loge. Hier, im Tempel, sitzen die Männer einmal im Monat zusammen und arbeiten an sich. Durch Frage- und Antwortrituale und durch die Zeichnung, einen Vortrag, den einer der Brüder zu einem Thema hält. Zu wertvolleren Mitgliedern der Gesellschaft zu werden, das ist das Ziel der Arbeit.

Dabei hat das Ganze laut Hoffmann nichts mit Religion zu tun – sieht aber in Teilen ein wenig nach Kirche aus. In dem fensterlosen Saal brennen Kerzen, an der Stirnseite steht ein Altar, an den Seiten lange Bänke, auf denen die Besucher Platz nehmen. Über dem Stuhl des Meisters hängt ein fünfzackiger Stern. Er repräsentiert die fünf Wissenschaften des Alters. Überhaupt finden sich in dem etwa 15 Meter langen Raum fast alle Symbole, die auch Laien mit den Freimaurern in Verbindung bringen würden: Säulen der Weisheit, der Stab des Meisters, der raue Stein.

Aktuell hat die Ludwigsburger Loge 39 Mitglieder

Dass Hoffmann und seine Ludwigsburger Brüder überhaupt Besucher in den Tempel lassen, ist ungewöhnlich. Es gebe Logen, für die das undenkbar wäre, sagt der Altstuhlmeister. Auch der Gedanke, das Haus überhaupt zu öffnen, käme gerade für Logen in England oder Frankreich nicht infrage. Die Ludwigsburger Freimaurer wollen aber einen anderen Weg gehen: „Wir wollen wahrgenommen werden.“ Ein Grund für die Gruppe, präsenter zu sein, sind auch die Nachwuchssorgen. 39 Mitglieder haben die Ludwigsburger, zu besseren Zeiten waren es schon doppelt so viele. Dass sie damit das Schicksal vieler anderer Vereine und Organisationen teilen, ist An­dreas Hoffmann bewusst. Man wolle aber bekannter machen, dass man hier sinnvolle Zeit verbringen könne.

Welchen Reiz die Freimaurerei noch heute ausübt, zeigt sich beim Tag des offenen Denkmals. In den letzten Jahren seien sogar noch mehr Leute zu ihnen ins Haus gekommen, sagt Hoffmann. Der Mediziner freut sich darüber, denn er will nicht nur mit den Vorurteilen über das Geheimnisvolle, Mystische aufräumen. Auch auf die immer wiederkehrende Frage von Besuchern, warum in dem Bund keine Frauen zugelassen seien, hat Hoffmann inzwischen eine neue Antwort parat. Früher begründete er das gern mit historischen Argumenten. Heute sagt er: Wenn genügend Frauen auf die Loge zukommen würden, stelle man das Haus gern zur Verfügung.




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