Ludwigsburg Eltern kämpfen um den Ganztag

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An der Ludwigsburger Anton-Bruckner-Schule gärt es: seit April steht die Drohung einer Fusion mit der Pestalozzischule im Raum, jetzt zieht sich die Diakonie aus der Betreuung zurück.

Die Autonomie  der Bruckner-Schule steht auf  dem Spiel – und der Ganztag. Foto: factum/Bach
Die Autonomie der Bruckner-Schule steht auf dem Spiel – und der Ganztag. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Die Eltern sind voll des Lobes: die Ganztagsbetreuung an der Anton-Bruckner-Schule sei ganz hervorragend. Auch Mütter, deren Kinder erst im Herbst eingeschult werden, haben sich für die Bruckner entschieden, weil sie von diesem Betreuungskonzept überzeugt sind. Doch jetzt soll es damit vorbei sein. Der Träger Diakonie hat die Vereinbarung mit der Stadt aufgekündigt. Die Begründung: durch neue Landesverordnungen würden die freien Träger mehr und mehr an den Rand gedrängt, es fehle an verlässlichen Zusagen. Die Entscheidung der Kirche komme für ihn völlig überraschend, sagt der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried – die betroffenen Eltern laufen Sturm.

Der Zeitpunkt ist prekär, denn noch sind die Mitarbeiter des Fachbereichs Bildung, Familie, Sport dabei, eine weitere Überraschung in Bezug auf die Anton-Bruckner-Schule zu verdauen: Anfang April hatten die Stadträte in einem interfraktionellen Antrag gefordert, die beiden Grundschulen Anton-Bruckner und Pestalozzi zusammenzulegen. Jahrelang hatte sich der Gemeinderat genau dagegen gesperrt, „nun müssen wir prüfen, ob eine Fusion möglich ist“, sagt Fachbereichsleiterin Renate Schmetz. Noch im Mai müsse die Verwaltung dem Rat ein Konzept vorlegen, eine Fusion werde es aber sicher nicht vor dem Schuljahr 2015/16 geben.

„Großartiger Standard“

Die Elternbeiratsvorsitzende Nicole Roser – und mit ihr viele Eltern – sorgen sich um die Standards an der Bruckner-Schule. Zwar hat ihnen Bürgermeister Seigfried „einen gleichwertigen Ersatz“ für die wegfallende Betreuung durch die Diakonie zugesichert, doch vor dem Hintergrund einer möglichen Schulfusion fürchten sie, dass am Ende ein verwässertes Konzept stehen wird: eine Ganztagsbetreuung, die sich weder mit den Wünschen der Bruckner- noch mit denen der Pestalozzi-Eltern vertrage.

Die Diakonie habe zwar gegenüber der Stadt klar gemacht, dass die Vereinbarung über die Kinderbetreuung zum Schuljahresende auslaufe, „aber wir sind noch immer gesprächsbereit“, versichert Dekan Winfried Speck. Denn auch aus Sicht der evangelischen Kirche sei das Modell erfolgreich. „Wir haben ein gutes Miteinander mit der Stadt und wir haben dort einen großartigen Standard erreicht“, sagt der Dekan. Die Diakonie habe den Ganztag an der Bruckner-Schule gern übernommen und würde ihn ebenso gern fortsetzen.

Aber Speck sagt auch: „Wir mussten den Mitarbeitern reinen Wein einschenken.“ Denn die Aufgabe in der Grundschule habe keine Zukunft mehr. Schuld daran sei die neue Landesregelung, wonach beim Ganztag immer mehr Lehrer zum Zug kommen sollen. Die Mitarbeiter der Kirche dürften über kurz oder lang nur noch Randstunden abdecken. „Aber das können wir weder den Mitarbeitern noch den Eltern zumuten“, sagt Speck. „Ein verlässliches Konzept ist damit nicht mehr möglich.“

Hat die Diakonie zu früh kapituliert?

Während im Sozialamt der Stadt fieberhaft an einem Nachfolgemodell für das nächste Schuljahr gearbeitet wird – gesucht werden pädagogische Mitarbeiter für den Ganztag in leitender und abhängiger Stellung – bereiten die Elternvertreter der Anton-Bruckner-Schule eine Petition vor. Sie wollen keine Verschlechterung bei der Betreuung hinnehmen. Sie hoffen darauf, dass es doch noch zu einer Einigung zwischen der Stadt und der Diakonie – und somit einer Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit – kommt. Der Dekan sagt: „Wir brauchen eine Verlässlichkeit, die über 2015 hinausgeht.“ Und die Eltern sind der Überzeugung, dass die Stadt diese Verlässlichkeit auch herstellen könnte. Ludwigsburg müsse nur endlich damit aufhören, im Sozialbereich immer nur Einjahreszusagen zu machen, sagt etwa die Elternbeirätin Brigitta Hennig.

Dazu gibt es auch Schützenhilfe aus dem Kultusministerium: möglicherweise habe die Diakonie zu früh kapituliert. „Denn es gibt auch das Mittel der Monetarisierung des Ganztags“, sagt Christine Sattler von der Pressestelle des Stuttgarter Ministeriums. Es sei nicht so, dass die zugesagten Lehrerdeputate für den Ganztag nur von Lehrern in Anspruch genommen werden könnten. Sofern gewünscht, könne das Geld auch an einen Kooperationspartner ausgezahlt werden. Sprich: auch ein freier Träger kann an diese Stelle treten. „Das müssen nur alle Beteiligten wollen“, sagt Sattler. „Die Schule, die Stadt und der Träger müssen sich darauf einigen.“




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