Ludwigsburg Familienzentrum Poppenweiler wird gebaut

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Die Verwaltung hat sich nach mehreren Kampfabstimmungen mit ihren Plänen für ein Kinder- und Familienzentrum durchgesetzt. Die Stimmung im Ludwigsburger Gemeinderat hat das aber nicht gehoben. Die Gräben sind noch tiefer geworden.

  Foto: factum/Weise
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Ludwigsburg - Vier Wochen lang haben Hochbauamt und Gemeinderat darüber gestritten, jetzt hat sich die Verwaltung durchgesetzt: Das Kinder- und Familienzentrum (KiFa) Poppenweiler wird wie geplant gebaut. Nachdem der Bauausschuss noch am Mittwoch das Projekt gestoppt und eine nochmalige Planung beschlossen hatte, winkte das große Gremium es mit 24 zu 13 Stimmen durch. Wie schon die vorausgegangenen Debatten trug auch die gestrige Züge eines mittleren Aufstands: scharfe Wortgefechte, Frontenbildung, Schuldzuweisungen, Sitzungsunterbrechung, hektische Beratungen und Trotzreaktionen. Der Graben zwischen Verwaltung und Gemeinderat ist so tief, dass viele besorgt sind: „Die Vertrauensbasis ist ziemlich zerrüttet, ich weiß nicht, wie wir da herauskommen sollen“, sagte der SPD-Stadtrat Dieter Juranek.

„Mit einem Neubau kann es nur besser werden.“

Er persönlich fühle sich hin- und hergerissen. Einerseits teile er das Unbehagen seiner Ratskollegen, die das Gefühl hätten, die vorliegende Planung sei eine Art „Notnagel“, noch dazu ein teurer. Andererseits empfinde er eine 180-Grad-Wende in einer fortgeschrittenen Planphase als schwierig, so Juranek. Roland Glasbrenner (Freie Wähler) kritisierte sowohl die Kostensteigerung auf 3,8 Millionen Euro als auch den Umstand, dass das Wohnhaus Schill erhebliche Mängel aufweise. Worauf jüngst ein unabhängiger Controller hingewiesen hat.

Das Gebäude soll umgebaut und daran ein neuer Trakt angeschlossen werden. Für die Planer eine besondere Herausforderung: im Bestand können nur die Personal- und Sozialräume entstehen, während alle Zimmer für die Kinder im Anbau sein müssen. Wegen unterschiedlicher Niveaus müssen Zwischengeschosse eingezogen und ein besonderer Aufzug eingebaut werden. Die Freien Wähler und die FDP stören sich daran, dass die Sanierung des Altbaus fast so teuer wie ein Neubau kommt. „Die Vorlage ist schöngerechnet“, sagte Glasbrenner. „Und jetzt heißt es für uns: Vogel, friss oder stirb! Aber wir möchten ein KiFa, das nicht diese Mängel hat.“ Der Umbau eines Wohnhauses in eine Kindertagesstätte schaffe immer Riesenprobleme, sagte Wilhelm Haag (FDP). „Mit einem Neubau kann es nur besser werden.“

„Wir müssen Gas geben“, hatte Gabriele Barnert vom Hochbauamt im Bauausschuss gesagt. Und ihr Kollege Mathias Weißer hatte noch eins draufgelegt: Wenn Planer und Handwerker ganz fix seien, könne das KiFa vielleicht schon im Herbst nächsten Jahres fertig sein. Im November hatte es noch geheißen, mit einer Fertigstellung sei nicht vor 2015 zu rechnen. Der Erste Bürgermeister erinnerte an die Nutzer: In Poppenweiler sei die Stadt „schon jetzt außerhalb des Zeitfensters“. Gegenwärtig gibt es im Stadtteil nur fünf reguläre Plätze für unter Dreijährige, dazu neun bei Tagesmüttern. Der errechnete Bedarf liege aber bei 59 Plätzen, sagte Konrad Seigfried.

„Abriss wäre Kapitalvernichtung“

„Alle sind frustriert, und der Stadtteilausschuss ist verunsichert“, sagte Margit Liepins (SPD). Den beschlossenen Entwurf hält sie für „suboptimal“. Sie verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Stadträte hätten den Bau verzögert. „Die ganze Sache ist verkorkst, und wenn von der Entwurfsplanung bis zum Beschlussantrag ein Jahr ins Land geht, liegt das nicht an uns“, sagte Liepins. Auch Klaus Herrmann (CDU) kritisierte, dass der Gemeinderat erst beschließen dürfe, „wenn’s eng ist und alternativlos“. Eine Preissteigerung dürfe es nun nicht mehr geben: „Herr Weißer, wir messen Sie an diesen Kosten“, sagte er.

Der Baubürgermeister Hans Schmid rechnete vor, dass eine Sanierung des Wohnhauses Schill 127 000 Euro günstiger komme. Einen Abriss hält er für „Kapitalvernichtung“. Auch die Grünen stimmten gegen einen Abbruch: „Im Sinne der Nachhaltigkeit ist das der falsche Weg“, sagte Markus Gericke. Jetzt noch einmal aus der Planung auszusteigen, sei inakzeptabel.