Ludwigsburg Freiluftlokal werden strikte Grenzen gezogen

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Der Wirt Germano Moro verliert ein Drittel seiner Fäche auf dem Ludwigsburger Marktplatz, weil das benachbarte Dekanat die Zustimmung verweigert. Die Stadtverwaltung verweist auf Paragrafen.

Der Lokalinhaber hat erst 2014  neue Schirme  angeschafft – auf Druck des Ordnungsamts. Foto: privat, factum/Granville
Der Lokalinhaber hat erst 2014 neue Schirme angeschafft – auf Druck des Ordnungsamts. Foto: privat, factum/Granville

Ludwigsburg - Kaum scheint die Sonne frühlingshaft, gibt es wieder Zoff am Ludwigsburger Marktplatz. Etwas aber ist anders: Stritten Ordnungsamt und Gastronomen in den vergangenen fünf Jahren um die Vereinheitlichung von Stühlen, Tischen, Sonnenschirmen und Pflanzen, kollidiert das Gastgewerbe jetzt mit möglichen Umbauplänen des evangelischen Dekanats. Dadurch verlieren die Betreiber des Restaurants Signora Moro ein Drittel ihrer Freifläche. Die Stadt will nicht vermitteln, die Nachbarn sollen den Zwist untereinander ausmachen, heißt es im Rathaus.

Germano Moro, der Seniorchef des Lokals La Signora Moro beruft sich auf eine Zusage des Ordnungsamtes vom September 2012. Damals wurde ihm gestattet, seinen 150 Quadratmeter großen Außenbereich um weitere 75 Quadratmeter zu erweitern. Noch im Jahr 2013 hatte er auf Druck der Stadt neue Sonnenschirme angeschafft: nach der Sondernutzungsverordnung sind am Marktplatz nur noch einheitliche in hellen Farbtönen zugelassen. Gekostet hat ihn das 20 000 Euro. Auch die Betreiber des Baci und des Caféstübles klagten über hohe Kosten, um die städtischen Standards erfüllen zu können. Außerdem mussten Palmen entfernt oder gestutzt werden, weil Pflanzen auf dem Platz nicht mehr höher als 1,50 Meter sein dürfen.

„Unglücklich gelaufen“

Nachdem er den Auflagen der Ordnungsbehörde nachgekommen ist, bekam Moro jetzt ein Schreiben vom Amt, in dem ihm untersagt wird, die vor vier Jahren zugestandenen 75 Quadratmeter Freifläche zu nutzen. Der Grund: der Nachbar evangelisches Dekanat hat Widerspruch eingelegt. Außerdem müsse Moro bis Ende März die in den Boden eingelassene Halterung für den nun überzähligen dritten Sonnenschirm entfernen. Zumindest dieser Aufforderung kann er vorerst aber nicht fristgerecht Folge leisten, weil Mitarbeiter der Grünamtes just an dieser Stelle ein Beet aufgebaut haben – als Werbung für das Märzklopfen. „Das ist die reine Provokation“, schimpft Moro. „Damit wir nur ja keine Stühle aufstellen, hat uns die Stadt Veilchen hier hingepflanzt.“

„Das ist für die Familie Moro sicher unglücklich gelaufen“, sagt der Kirchenpfleger Lothar Rücker. Aber dass das Lokal zusätzliche Tische und Stühle aufstellen durfte, habe es nur dem Dekanat zu verdanken. Wenn zum Nachbarn hin vergrößert werde, müsse dieser Nachbar zustimmen, sagt auch das Ordnungsamt. „Wir planen eine neue Nutzung unserer Räume in Richtung Marktplatz“, sagt Rücker. Darum verweigere das Dekanat den Moros seinen Segen.

Gedacht sei an ein Antiquariat, eine Verkaufsstelle für Devotionalien als auch an ein Bistro. „Eine abschließende Entscheidung gibt es noch nicht“, sagt der Kirchenpfleger. Aber auch wenn mit einem Umbau erst frühestens im nächsten Jahr begonnen werde, soll schon in diesem Sommer Schluss mit dem Lokalbetrieb vor diesem Teil des Dekanats sein: „Die großen Sonnenschirme haben die Sicht auf unser Haus versperrt“, sagt Rücker, „aber es soll als eine Anlaufstelle sichtbar sein.“

Bürgermeister will nicht mehr vermitteln

In einer schriftlichen Stellungnahme bestätigt der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried zwar die Rechtsauffassung der Kirche: Demnach gewährt die Sondernutzungssatzung zur Außengastronomie den Nachbarn „ein jederzeitiges Widerrufsrecht“. In der Erklärung aber heißt es weiter, dass das Dekanat den Gastrobetrieb vor seiner Haustür nicht mehr dulden wolle, weil Moro gegen „vereinbarte Rahmenbedingungen“ verstoßen habe. In den Vorjahren hat es viele Reibungen wegen des Lärms in den Abendstunden gegeben. Bisher hat hier der Dekan gewohnt, doch Winfried Speck zieht nun aus, die Wohnung wird in Büroräume umgewandelt.

Bürgermeister Seigfried habe sich bei diesen Streitigkeiten immer wieder als Schlichter eingeschaltet und friedliche Lösungen erkämpft, sagt Moro. In diesem Jahr aber bekomme er von der Stadt nichts als Drohbriefe mit Ultimaten. Die Verwaltung sei der Ansicht, dass die Nachbarn das Problem nun unter sich regeln müssten, sagt die Stadtsprecherin Susanne Jenne. Seigfried lehne diesmal die Mittlerrolle ab.




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