Ludwigsburg Gott spricht Texanisch

Von pho 

Der Evangelist Billy Smith leitet in der Lighthouse-Kirche so genannte Heilungsgottesdienste.

Mit reinem Handauflegen will der Prediger Billy Smith  drei Damen gleichzeitig von ihrem Nierenleiden befreien. Foto: factum/Weise
Mit reinem Handauflegen will der Prediger Billy Smith drei Damen gleichzeitig von ihrem Nierenleiden befreien. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Schaut in eure Gesichter: wie kleine Kinder, die Süßigkeiten wollen“, sagt Billy Smith zu jenen Besuchern, die zu ihm nach vorn gekommen sind. Sie strahlen so, weil sie sich Hilfe erhoffen von dem texanischen Prediger: Er soll sie durch Gottes Wort von ihren Gebrechen heilen. Ob Rückenschmerzen, Menstruationsbeschwerden oder Unfruchtbarkeit – Smith wagt sich an alles. „Es gibt keine Krankheit, die nicht geheilt werden könnte“, sagt er. Deswegen sind die knapp 70 Besucher von jung bis alt an diesem Samstagabend in die Lighthouse Church gekommen.

Der Saal in dem ehemaligen Postgebäude ist mit seinen apricotfarbenen Wänden wenig sakral. Wenn nicht ein Kreuz aus weiß bemalten Ästen vor der Bühne hinge, könnte hier genausogut ein Vortrag über Griechenlands Staatspleite stattfinden.

Doch auch an diesem Abend geht es um Geld. Am Saaleingang verkauft Smith seine Werke: Schmale Bändchen mit Titeln wie „Gottes Kraft in Dir“ oder „Dein Anteil an Deiner Heilung“ gibt es für zehn Euro, die entsprechenden Hörbücher kosten das Doppelte. Gerne nimmt der Texaner auch Altgold und Silber als Spende entgegen, denn seine Bücher müssten in weitere Sprachen übersetzt werden, meint er. Beim „Liebesopfer“, wie er es nennt, bittet er: „Gib nicht, was du gewohnt bist, sondern frage Gott, was du geben sollst.“ So füllen sich die Sammelkörbe raschelnd, nicht klimpernd.

Nur wer glaubt, wird geheilt

Seit 42 Jahren ist Billy Smith als Prediger in der Welt unterwegs. Vor der Bühne auf einem Drehstuhl sitzend, erzählt der 69-Jährige der Gemeinde auf Englisch seine Geschichte, eine Frau übersetzt: Drei Herzinfarkte bevor er 22 Jahre alt war, vom Alkoholiker-Vater geschlagen, Diabetiker und Epileptiker, habe er als junger Mann entdeckt, wie der Glaube an Gottes Wort medizinische Wunder bewirken könne.

Eines will er vor den Heilungen klarstellen: „Wenn du nicht mit mir glaubst, vergeudest du deine Zeit.“ Womit auch klar wäre, wer schuld ist, wenn es nicht funktioniert. Vieles, was er sagt, würde auch ein Atheist unterschreiben: dass man sich nicht von Wut aufzehren lassen darf, dass man positiv denken soll, dass man das Leben mit Humor nehmen soll. Mit der Übersetzerin schäkert er, dass er seit 40 Jahren die Stimme Gottes in sich höre, „und Gott spricht texanisches Englisch“.

Stotterer heilt Smith mit Spucke

Gelächter gibt es, als Smith erzählt, dass er Stotterer heile, indem er ihnen auf die Zunge spucke. An diesem Abend stehen aber vor allem Rücken auf dem Programm. Elf Besucher wollen von ihren Schmerzen erlöst werden. Einer nach dem anderen setzt sich ihm gegenüber. Smith hält die Beine der Leidenden an den Unterschenkeln in die Höhe, dann senkt er sie ab und dreht dabei die Füße von außen nach innen, bis sie parallel sind. Dazu sagt er Sätze wie „Ich befehle, dass dein Rückgrat und die Hüfte sich ausrichten“ oder „Ich spreche auch zu deinem Steißbein“. Das Publikum soll unterstützen und reckt dazu die Hände zur Decke. Nach ein paar Sekunden ist alles vorbei, und die Behandelten erheben sich. Keine Freudensprünge, kein „Halleluja“, nur ein schüchternes Lächeln und ein schlichtes Nicken, das zeigen soll, dass es sich jetzt besser anfühlt als vorher. Auch bei drei Frauen mit Nierenleiden geht es schnell: Sie sollen sich hintereinander aufstellen und an den Schultern fassen. Dann könne er die Salbung durch alle drei „durchschießen“, wie Smith sagt. Sein Fazit an diesem Abend: alle wurden geheilt – wie auch schon am Tag zuvor. Bis Mittwoch weilt er noch in Ludwigsburg, dann geht es weiter. Nach Berlin, Coburg, Biberach.