Reinhold Messner erzählt im ausverkauften Forum aus seinem außergewöhnlichen Bergsteigerleben – und alle sind begeistert von der Begegnung mit dem Erzähler, Bergsteiger, Politiker und Museumsgründer.

Familie/Bildung/Soziales: Hilke Lorenz (ilo)

Ludwigsburg - Er ist nur auf Zwischenstopp in Ludwigsburg – um Menschen, in seinen Bann zu ziehen. Denn der scheint auch nach über vier Jahrzehnten ungebrochen. Ein Besuch bei Reinhold Messner ist wie ein großes Bergfest mit Hüttenstimmung und mitgebrachtem Proviant. Diszipliniert gibt der große Mann der Berge im Foyer Autogramme und signiert seine Bücher. Ehrfürchtig fotografieren viele Besucher Messner, wie er fast wie im Akkord seinen Namen auf Fotokarten und in Bücher schreibt. Für ein persönliches Gespräch bleibt bei diesem Andrang keine Zeit. So viel Besucher wie möglich will Messner bedienen.

 

Als Erzähler sei er gekommen, erklärt der Bezwinger aller 14 Achttausender dieser Welt (ohne Sauerstoffflasche), als er später in einem kleinen Lichtkegel auf der großen Bühne steht. Am liebsten würde er nur erzählen. Aber das gehe natürlich nicht. Und so hat er halt eine Fernbedienung in der Hand und zeigt Bilder und Filme aus dem außergewöhnlichen Leben eines Bergsteigers, Grenzgängers, Bergbauern, Naturschützers, Politikers und Museumsgründers. Denn inzwischen in etwas fortgeschrittenem Alter geht es Messner auch darum, was sein Erbe an die Nachwelt sein könne.

In zwei Wochen ist er schon wieder im Himalaya

Schon in zwei Wochen, nach ein paar weiteren Vorträgen, wird er wieder losziehen ins Gebiet den Himalaya. Er tut das, weil es ihn auch mit 69 Jahren noch reizt, für einige Wochen auf Exkursion ins für ihn Unbekannte aufzubrechen. Ein paar Gegenden scheint es zwischen Artis und Antarktis und in den Gebirgen und Wüsten dieser Welt noch zu geben, die der Südtiroler nicht schon kennt. Aber, wie er im bis auf den letzten Platz ausverkauften Forum am Freitagabend auch erklärte: „Ich steige hoch, um zurückzukommen.“ Denn es sei nicht etwa Euphorie, die er empfinde, wenn er sein Ziel erreicht hat – wie damals etwa, als er zusammen mit Peter Haberler als erster den 8848 Meter hohen Mount Everest ohne Sauerstoffflasche bestiegen hat. Erschöpfung und das Ringen nach Luft stünden da im Vordergrund – und bei Alleinbesteigungen die Mühsal des Beweisfotos der Rekordleistung. Die Hochgefühle kämen erst, wenn man zurückkehre und wieder menschliche Gesichter sehe.

Das Alleinsein in Grenzsituation ist für Messner eine archaische Erfahrung. Die grundlegende Frage treibt den Mann mit dem Hang zum Philosophischen um: Was passiert mit uns, wenn wir uns in die eigentlich menschenfeindliche Extremwelt begeben? Es scheint die spannende archaische Seite seines Selbst, die er dort jedes Mal findet. Nach der ist er offenbar noch immer süchtig.