Ludwigsburg Kiesranzen wird zur Reizfigur

Hände weg! Roland Schmierer vor dem Kiesranzenbrunnen. Foto: factum/Weise
Hände weg! Roland Schmierer vor dem Kiesranzenbrunnen. Foto: factum/Weise

Ihr Neckname – und der dazugehörige Brunnen – ist den Neckarweihingern heilig. Eine Initiative will verhindern, dass der symbolträchtige Kiesranzenbrunnen versetzt wird.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)
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Ludwigsburg - Hände weg vom Kiesranzenbrunnen! Mit diesem Aufruf geht Roland Schmierer zurzeit im Teilort Neckarweihingen auf Stimmenfang. Der Berufsschullehrer und Stadtteilrat hat gemeinsam mit dem Bürgerverein die Initiative Stadtteilbrunnen ins Leben gerufen. Sie will verhindern, dass der Brunnen mit der symbolträchtigen, dickbäuchigen Gestalt vom Ortseingang in die neue Ortsmitte verlegt wird. Ebendas aber hat der Ludwigsburger Gemeinderat im vergangenen Herbst beschlossen. Statt 70 000 Euro für ein weiteres Wasserspiel in Neckarweihingen auszugeben, soll das bereits vorhandene am nei gestalteten Rathausplatz montiert werden. Die Stadt spart so rund 50 000 Euro. Zumal es in dem Stadtteil schon genügend Brunnen gebe, wie die SPD-Stadträtin Margit Liepins meinte, die die Anregung dazu gegeben hatte.

„Alle 100 Meter ein Brunnen“

Vor diesem Beschluss hatte die Stadtverwaltung den Spender des Kiesranzenbrunnens, den Unternehmer Leo Leopold, um eine Stellungnahme gebeten. „Er hat zugestimmt, obwohl er von der Idee nicht begeistert ist“, sagt Baubürgermeister Hans Schmid. Leopold, der die Kiesranzenfigur 1994 gestiftet hat, widerspricht dem nicht, aber er meint: „Der Brunnen sollte bleiben, wo er ist.“ Da Neckarweihingen ein Straßendorf sei, gebe es ohnehin keine Ortsmitte. Für die Gestaltung des Rathausplatzes dem neuen Feuerwehrhaus gegenüber sollte man viel lieber auf schöne Gesteinsformationen zurückgreifen. Auch er meint: „Es gibt in Neckarweihingen alle 100 Meter einen Brunnen.“ Ein weiterer sei nicht nötig. Im Interesse der Steuerzahler solle darauf verzichtet werden. „Wenn aber jemand unbedingt einen Brunnen haben will, dann sollte er nach der Quelle suchen“, meint Leopold. Davon gebe es mindestens zwei und mit ihnen käme wenigstens die Unterhaltung günstiger.

Roland Schmierer hingegen macht seine eigene Zählung auf. Danach gibt es nur exakt zwei Brunnen in Neckarweihingen: „Den vor der Volksbank zähle ich gar nicht. Der gehört der Bank und der ist eigentlich auch nie eingeschaltet.“ Seinen Vorstoß begründet der Lehrer vor allem mit der Dorfgeschichte: Der Kiesranzen stelle eine Neckfigur des Neckarweihingers dar: „Es bezieht sich darauf, dass sie bitterarme Bauern waren, die durch den Kiesabbau im Neckar zu Wohlstand gekommen sind.“ Mit Ranzen ist der dicke Bauch gemeint. Der Standort in Flussnähe sei ortsgeschichtlich bedeutend. „Dort war immer eine Wasserquelle.“

Stadt verweist auf Ratsbeschluss

Für Schmierer wäre ein weiterer Brunnen auch so etwas wie eine Wiedergutmachung: „Man könnte so an die Geschichte anknüpfen, denn die Brunnen sind ja erst in den fünfziger Jahren verschwunden.“ Außerdem sieht er die Stadtverwaltung in der Pflicht. „Es gab eine Planung für einen neuen Brunnen in der neuen Ortsmitte.“ Darauf habe man sich gemeinsam mit den Bürgern im Stadtteil geeinigt. Nun könne die Stadt keinen Rückzieher mehr machen. Schmierer sammelt außerdem eifrig Spenden: „Ganz werden wir den Brunnen nicht zahlen können, aber zum Teil.“ Dieses Engagement müsse die Stadt anerkennen.

„Nichts gegen bürgerschaftliches Engagement“ sagt der Baubürgermeister. „Aber wir haben einen klaren Beschluss und der sieht die Versetzung des Kiesranzenbrunnen vor.“ Die Idee dazu sei nicht von der Verwaltung gekommen, habe aber eine klare Mehrheit gefunden. Die Arbeiten sollen am 11. März beginnen. Solange Schmierer keinen Vorschlag mit Sponsorenkonzept vorlege, werde es keinen Stopp geben: „Die Uhr tickt“, sagt Schmid.




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