Ludwigsburg lässt ein mit PCB belastetes Schulgebäude abreißen Heikle Arbeit: Betonbau am Campus wird demontiert

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Worauf Eltern und Lehrer lange warten mussten: Das Ende des mit PCB belasteten Schulgebäudes am Ludwigsburger Innenstadtcampus ist gekommen.

Kommende Woche beginnt der Abbruch des alten Fachklassentrakts. Foto:  
Kommende Woche beginnt der Abbruch des alten Fachklassentrakts. Foto:  

Ludwigsburg - Vor zwei Jahren erreichte die Wut ihren Höhepunkt: Eltern und Lehrer fanden es skandalös, dass in dem alten Fachklassentrakt am Ludwigsburger Innenstadtcampus noch immer unterrichtet wurde – obwohl doch bekannt war, dass die 24 Klassenzimmer mit Schadstoffen belastet waren. Sie forderten, dass kurzer Prozess gemacht und das Gebäude abgerissen werde. Jetzt wird der alte Betonbau tatsächlich zerlegt. Nur das mit dem kurzen Prozess wird wohl nichts: Die Demontage dauert voraussichtlich bis Oktober, kommende Woche beginnen die Arbeiter damit, Gerüste aufzustellen.

PCB, Dioxin und Furane in der Luft

Seit zehn Jahren gibt es den sogenannten neuen Fachklassentrakt an der Seestraße, der als Ersatz für den Stahlbetonbau aus dem Jahr 1965 dienen sollte. Doch der Ansturm der Schüler auf die Gymnasien war so groß, dass der alte, viergeschossige Bau auch weiterhin genutzt wurde. Offiziell als „Ausweichquartier“, tatsächlich aber hatten viele Schulklassen beinahe ausschließlich dort Unterricht.

Immer wieder hatten Lehrer und Schüler über Übelkeit und Kopfschmerzen geklagt, nachdem sie sich einige Stunden im Fachklassentrakt aufgehalten hatten. Schließlich wurde auf Drängen der Elternvertreter der Gymnasien eine Untersuchung der Luftschadstoffe angeordnet. Das Ergebnis: In fast allen Räumen wurden erhöhte Werte von PCB (Polychlorierte Biphenyle) registriert. Doch diese giftige Chlorverbindung war nicht der alleinige Krankmacher: In den Biologie-, Physik- und Chemieräumen wurde auch eine erhöhte Konzentration von Dioxin oder Furanen gemessen.

Abriss zugesagt

Im Zuge dieser Analysen wurde auch festgestellt, dass ein Gutachter bereits 1998 erhöhte Schadstoffe in der Luft nachgewiesen und empfohlen hatte, das Gebäude möglichst bald abzureißen. Doch nachdem das betreffende Dokument auf seinem Weg durch das Rathaus verloren gegangen ist, geschah nichts. Ein bestürzendes Beispiel für bürokratische Schlamperei, für das sich der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried 2017 ausdrücklich entschuldigte. Während einer Elterninformation im Mai des gleichen Jahres kündigte er an, den Betonbau schließen zu lassen. Im Herbst 2017 votierte auch der Gemeinderat für einen Abriss – im Jahr 2019.

Der für die Schulen zuständige Fachbereich hielt die Nutzung des Gebäudes seither aufrecht, weil es nicht genug Ersatzräume gab, um alle Klassen woanders unterzubringen. Die Planung sah jedoch vor, dass sich, wer weiterhin dort unterrichtet wurde oder unterrichten musste, nur kurzzeitig im schadstoffbelasteten Bau aufhalten sollte. Nach Abschluss der Sanierung des Goethe-Gymnasiums in diesem Sommer stehen vom nächsten Schuljahr an wieder genügend Klassenzimmer zur Verfügung.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Jetzt wird der Abbruch vorbereitet: „Die lärmintensivsten Arbeiten werden in den Pfingst- und Sommerferien stattfinden“, sagt eine Stadtsprecherin. Wegen der Schadstoffe ist der Abriss sehr heikel. Darum wird die komplette Baustelle mit einem Zaun und im Bereich der Zufahrtvon einem Sicherheitsdienst abgeriegelt sein. Der Autoverkehr ist in der Karlstraße zwischen dem Lokal Kanone und dem Campusbad schon bisher eingeschränkt, bis Oktober ist dieser Straßenabschnitt nur noch für Fußgänger passierbar.