Ludwigsburg Megatour längs durch den Neckar

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Martin Tschepe und Volker Heyn haben Großes vor: Sie wollen den rund 360 Kilometer langen Neckar von der Quelle bis zur Mündung durchschwimmen – sofern das überhaupt möglich ist.

Volker Heyn (links) und Martin Tschepe wollen sich mit der Längsquerung des Neckar einen Herzenswunsch erfüllen. Foto: factum/Bach
Volker Heyn (links) und Martin Tschepe wollen sich mit der Längsquerung des Neckar einen Herzenswunsch erfüllen. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Sie bestellen beide ein großes Bier und Schnitzel mit Pommes. Auf Sportlernahrung geben sie wenig, sie haben weder einen Ernährungs- noch einen speziellen Trainingsplan. Wenige Wochen vor ihrer großen Tour geben sich Martin Tschepe und Volker Heyn auf der Terasse der Vereinsgaststätte neben dem Ludwigsburger Freibad betont gelassen. Dabei haben sie etwas vor, das ihnen schon im Vorfeld den höchsten Respekt vieler anderer einbringt: Sie wollen den 362 Kilometer langen Neckar längs durchqueren, von der Quelle bis zur Mündung. Zwei Wochen Zeit geben sie sich dafür – doch ob sie es wirklich schaffen, wissen sie nicht.

Schließlich könne alles mögliche passieren, sagt Martin Tschepe: Sie könnten krank werden, sich beim Schwimmen die Schulter verrenken oder beim Aussteigen aus dem Fluss das Bein brechen. „Dann ist es vorbei“, sagt der 50-Jährige. Denn „gesund spritzen lassen“ würden sie sich auf keinen Fall. „Das ist ein großer Spaß, das ist unsere Freizeit, wir sehen das nicht verbissen“, betont auch der 43 Jahre alte Volker Heyn. Allerdings sprechen beide auch von einem Herzenswunsch, den sie sich mit der Längsquerung des Neckars erfüllten.

Neckarlängsquerung ist schon lange ihr Traum

Immerhin sind sie beide am Neckar aufgewachsen und von Kindesbeinen an leidenschaftliche Schwimmer. Früher sei es undenkbar gewesen, in dem damals verschmutzten Wasser des Neckar zu schwimmen, erzählen sie. Dennoch sei genau das immer ein Traum von ihnen gewesen – schon seit damals der Bademeister bei der abendlichen Schließung des Freibades stets angemerkt habe, sie könnten ja auf Bahn 9 weiterschwimmen. Damit meinte er den Neckar, der nur wenige Meter neben dem achtbahnigen Sportbecken entlangfloss. In Erinnerung an diesen Spruch haben Tschepe und Heyn nun auch ihr Schwimmprojekt „Bahn 9“ getauft.

Allerdings wissen die beiden Sportler noch gar nicht, ob überhaupt der ganze Neckar beschwimmbar ist. „Direkt an der Quelle in Schwenningen können wir jedenfalls nicht starten“, sagt Tschepe. Dort sei der Neckar nur ein kleines Rinnsal. Er und sein Schwimmkumpel gehen davon aus, dass sie in Rottweil ins Wasser gehen können. Ihre Aktion starten wollen sie dennoch in Schwenningen und das erste Stück dann eben wandern: „Wir wollen den gesamten Neckar mit Muskelkraft bewältigen“, sagt Tschepe. Aber auch der Abschnitt zwischen Heidelberg und Mannheim, wo der Neckar in den Rhein mündet, verspreche heikel zu werden, erzählt Volker Heyn. Dort sei der Fluss schmal und der Schiffsverkehr dicht. Sie würden dennoch versuchen, dort zu schwimmen – und sich im Zweifelsfall von einem Schiff mitnehmen lassen: „Wir wollen auf jeden Fall vom Neckar in den Rhein schwimmen“, so Heyn.

Trotz Anstrengung soll das Projekt nicht stressig sein

Tschepe und Heyn planen, etwa 30 Kilometer pro Tag zu schwimmen. Dafür rechnen sie jeweils etwa acht Stunden: „Das ist dann wie ein Arbeitstag“, sagt Heyn und grinst. Anstrengend dürfte die Tour durchaus werden: Die Strömung des Neckar ist meist nicht allzu stark, es ist also Muskelkraft gefragt. Zudem wollen die beiden ihr gesamtes Gepäck in einem wasserdichten Sack hinter sich herziehen. Das Projekt soll dennoch nicht in Stress ausarten: Morgens gegen acht oder halb neun wollen die Sportler losschwimmen, stets nach zwei Stunden planen sie eine kleine und mittags eine große Pause. „Und abends will ich sowas hier“, sagt Tschepe und deutet auf sein Bier und den Schnitzelteller.

Übernachten wollen die beiden möglichst privat, einige Einladungen zu Bekannten, die am Neckar wohnen, haben sie schon. Zwar hat ein Sponsor angeboten, die Übernachtungen zu zahlen, doch das Geld wollen sie lieber in ihre Spendenaktion fließen lassen. Denn nur zum Spaß ist die Mega-Schwimmtour dann doch nicht: „Wir wollen auch einen Mehrwert kreieren“, sagt Volker Heyn. Deshalb haben sie ein Spendenkonto eingerichtet. Mit dem Geld wollen sie einen Schwimmkurs für Behinderte ins Leben rufen. Denn so etwas gebe es noch nicht, sagt Heyn, der auch Präsident des Ludwigsburger Schwimmvereins ist. Dabei sei die Bewegung im Wasser gerade für Behinderte oft eine tolle Erfahrung – ebenso wie für Tschepe und Heyn, die sich trotz aller eventuellen Widrigkeiten sehr auf ihre große Tour freuen.




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