Ludwigsburg Polizei bleibt auf Diebesgut sitzen

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Viele Anrufe und noch kein einziger Treffer: Die Beute aus zwei Einbruchsserien im Kreis Ludwigsburg hält die Ermittler auf Trab.

Noch konnten die Mutmaßlichen Besitzer der Beute noch nicht identifiziert werden. Foto: dpad
Noch konnten die Mutmaßlichen Besitzer der Beute noch nicht identifiziert werden. Foto: dpad

Ludwigsburg - Komischerweise hat noch keiner die einzelne schmutzige Tennissocke mit der Kennziffer 6/27 als die seine identifizieren wollen. Ansonsten haben die Beamten der Ludwigsburger Polizei, die die Gegenstände aus zwei großen Einbruchsserien im Landkreis zuordnen sollen, schon die kuriosesten Dinge erlebt. So haben sich an die E-Mail-Adresse, die unter den fotografierten Gegenständen abgebildet ist, bereits etliche Leute gewandt, die ihren Hund vermissen. Dabei wollen die Polizisten doch keine neuen Suchaufträge bekommen, sondern Besitzer finden. Doch obwohl die Sachen schon seit Monaten auf der Homepage des Reviers zu sehen sind, ist die Trefferquote bisher bescheiden: Kein einziger Anrufer hat nachweisen können, dass einer der Gegenstände aus seinem Besitz stammt.

 

Dabei würden die Sachbearbeiter mit Mails überhäuft und seien mit Unmengen von Anrufen konfrontiert, sagt der Polizeisprecher Peter Widenhorn. Schließlich seien auch etliche attraktive Dinge in dem Angebot, das "in diesem Umfang glücklicherweise nicht allzu oft vorkommt".

Aus der "Serie1", die auf das Konto von zwei in Kornwestheim gemeldeten Tätern geht, stammen zum Teil hochwertige Schmuckstücke, zahlreiche Münzen, Fotoapparate, Armbanduhren und Sonnenbrillen. Die "Serie 2" umfasst das Diebesgut aus Einbrüchen, für die ein Clan aus dem Landkreis Ludwigsburg verantwortlich sein soll. Der Prozess gegen die Eltern der 15-köpfigen Nomadenfamilie, die zuletzt auf Asylbewerberunterkünfte in Ludwigsburg, Kornwestheim und Sachsenheim verteilt war, wird am kommenden Dienstag am Stuttgarter Landgericht fortgesetzt.

Besitzer der Beute konnten noch nicht bewiesen werden

Rund 80 Straftaten werden der Familie vorgeworfen, darunter 32 Wohnungseinbrüche und etliche Ladendiebstähle. Die Polizei geht davon aus, dass die auch wegen Verletzung der Fürsorgepflicht angeklagten Erwachsenen ihre Kinder zu den Beutezügen angestiftet haben. Der Schaden wird auf 85.000 Euro geschätzt. Ohne die Veröffentlichung der Beutestücke im Internet könne man die Suche nach den rechtmäßigen Besitzern bei dieser Menge gar nicht bewältigen, sagt Widenhorn.

Die Beamten haben ihr Mögliches getan und sogar die unmöglichsten Dinge fotografiert. Weiße Daunenbettdecken türmen sich auf einem Bild. Und wer ist scharf auf ein abgerissenes Kleidungsetikett? Auch geblümte Turnschuhe, eine Gebrauchsanleitung für ein Handy und ein schmutziger Handschuh wurden geknipst. Der Schmuck wird wohl eher Interessenten auf den Plan gerufen haben. Aber keiner von ihnen hat bisher beweisen können, dass ihm die Wertsachen gehören. Auch die Details in den Einbruchsanzeigen, die in dem fraglichen Zeitraum eingegangen sind, stimmen laut der Polizei nicht mit den Gegenständen überein.

Da man mittlerweile den Kornwestheimer Tätern 15 weitere Einbrüche in Stuttgart zuordnen kann, hoffen die Beamten nun, dass sich Bestohlene aus der Landeshauptstadt melden. Um Nachweisprobleme zu vermeiden, rät Widenhorn den Bürgern, Kaufbelege aufzuheben oder vor dem Einbruch das zu tun, was die Polizei danach macht: alles fotografieren. Dumm nur, wenn die eigene Kamera jetzt auf der Polizeihomepage abgelichtet ist.

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