Ludwigsburg Schadensserie scheint gestoppt

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Kaum hat der Schiedsgutachter seine Ergebnisse zum Desaster an der Ludwigsburger Gartenstraßenmensa vorgelegt, drohen die Anwohner schon wieder mit einem eigenem Sachverständigen.

Die Grundschulmensa wächst in die Höhe. Foto: factum/Granville
Die Grundschulmensa wächst in die Höhe. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Die Beteiligten haben lange darauf gewartet, nun liegt das Gutachten des Baugrundexperten Edelbert Vees zur Situation an der Mensa-Baustelle in der Gartenstraße vor. Weder die städtischen Mitarbeiter noch die geschädigten Anwohner hatten bisher genügend Zeit, um das komplexe Zahlenwerk komplett zu studieren. In den ersten Stellungnahmen aber gehen die Einschätzungen weit auseinander. Während Baubürgermeister Michael Ilk darin „nichts Beunruhigendes“ gefunden hat, deuten die Nachbarn das Gutachten als eine wahre Fundgrube für weitere Forderungen an Ludwigsburg.

Der Bau der Grundschulmensa, der mittlerweile schon ein gutes Stück über das Straßenniveau hinaus gewachsen ist, war von Beginn an problematisch. So hatten die Planer erst relativ spät festgestellt, dass an dieser Stelle eine Pfahlgründung nötig sein wird, weil der Untergrund zu instabil ist. Als dann im vergangenen Oktober am einstigen Feuerseeareal mit dem Aushub der Baugrube begonnen wurde, zeigten sich schon bald erste Risse an den Nachbarhäusern – sowohl an der Schreinerwerkstatt der Gartenstraße 12 als auch am Wohnhaus Gartenstraße 16. Die Außenmauern neigten sich teilweise um bis zu 3,7 Zentimeter, weshalb die besorgten Hausbesitzer einen Baustopp forderten. Zunächst im Einvernehmen mit der Stadt und als das nicht fruchtete, mittels Gerichtsbeschluss.

Noch immer viele offene Fragen

Danach begann ein Streit um den richtigen Weg aus diesem Dilemma. Die Stadt gelobte zwar, den Nachbarn nach Abschluss der Bauarbeiten Schadenersatz zu leisten, hielt einen Baustopp aber für falsch. Um das Risiko einer weiteren Absenkung zu verringern müsse im Gegenteil weiter gebaut werden. Da die Anwohner das nicht überzeugte, wurde Ende Januar der Leinfeldener Professor Vees vom Stuttgarter Landgericht zum Schiedsgutachter bestellt. Dieser hatte in einer ersten Stellungnahme schon Anfang Februar den Weiterbau befürwortet.

In seinem jetzt vorgelegten Gutachten aber wünscht er weitere Aufklärung zu kritischen Details. Oder wie es der geschädigte Nachbar Volker Sachse sagt: „Das Gutachten bestätigt, dass einige Fehler gemacht wurden, aber man weiß nicht, warum es trotzdem hält.“ Ein überraschender Befund also, denn eine zentrale Aussage im Gutachten lautet: „Insgesamt sind an allen Messpunkten die Setzungen zur Ruhe gekommen.“ Obwohl möglicherweise falsche Anker zur Stabilisierung der Nachbargebäude gesetzt worden sind und die Pfahlbohrungen wohl nicht in ausreichender Zahl vorgenommen wurden.

Keine hydraulische Anhebung

„Das sind Fragen, die auch wir geklärt haben möchten“, sagt der Bürgermeister Ilk. Dazu gehöre auch eine nachträgliche Untersuchung zu der Absprießung der Baugrube. Denn auch das legt das Gutachten nahe: möglicherweise war diese Stütze nicht stabil genug und hat so das Abrutschen des Geländes befördert. Ilk vermutet, dass drei Faktoren für die Misere ausschlaggebend waren: der schlechte Untergrund, bautechnische Unzulänglichkeiten und ein zu schwacher Verbau der Grube. Froh ist der Bürgermeister indes darüber, dass auch Vees von einem nachträglichen hydraulischen Anheben der Nachbargebäude abrät, wie es sich die Geschädigten wünschen. Diese Technologie sei nicht nur enorm teuer, so der Baugrundexperte, sie berge auch die Gefahr weiterer Setzungen.

Die Nachbarn Schneider und Sachse wollen sich nicht allein auf das Vees-Gutachten verlassen. Sie hatten bereits im Januar einen eigenen Sachverständigen mit einer Bestandsaufnahme der Schäden an ihren Häusern beauftragt. Dessen Liste werde voraussichtlich bis Ostern vorliegen, sagt Sachse. „Damit können wir dann die Kosten für die Stadt zusammenstellen.“ Die Verwaltung will spätestens im Mai erneut darüber im Gemeinderat diskutieren.




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