Ludwigsburg Schulen schalten um auf Vollbetrieb

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Ludwigsburg rüstet sich für das neue Schul- und Kitajahr. Die Konzepte für den Unterricht an den verschiedenen Schulen stehen, während die Tagesstätten mit Raum- und Personalnot kämpfen. Die Angst vor der ersten Grippewelle ist groß.

Kleine Gruppen, ungewohnte Sitzordnungen:  Die Ludwigsburger Schulen starten mit  Präsenzunterricht ins neue Jahr. Foto: Leif Piechowski
Kleine Gruppen, ungewohnte Sitzordnungen: Die Ludwigsburger Schulen starten mit Präsenzunterricht ins neue Jahr. Foto: Leif Piechowski

Ludwigsburg - Die Ludwigsburger Schulen wollen neu durchstarten: Trotz andauernder Corona-Pandemie soll es nach dem Ende der Sommerferien wieder für alle Gymnasiasten sowie alle Grund-, Real- und Gemeinschaftsschüler Präsenzunterricht geben. Bei der Kinderbetreuung müssten manche Eltern dagegen noch Abstriche hinnehmen, sagt der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried: 16 der insgesamt 72 Einrichtungen können nur ein verkürztes Angebot machen, weil Räume oder Erzieherinnen fehlen.

„Wir werden unter Volllast einsteigen“, verspricht Mathias Hilbert, der Geschäftsführende Schulleiter der Ludwigsburger Gymnasien. Dazu habe man sich nicht nur alle Schulgebäude genau angeschaut, sondern auch alles ebenso genau durchgerechnet. Oberstes Ziel sei es, einerseits eine Vermischung von Klassenstufen zu verhindern, als auch andererseits vor allem den Unterricht in den Hauptfächern sicherzustellen, sagt Hilbert: „Wir können zwar als weiterführende Schulen nicht die Klassen voneinander trennen, wohl aber die Klassenstufen.“

Um das gewährleisten zu können, beginne schon der Unterricht für die verschiedenen Stufen zeitversetzt. Hilbert ist zuversichtlich: „Unsere Schüler sind ja schon ein bisschen eingenordet.“ Weil sie zum Großteil schon vor dem Ende des Schuljahres erste Erfahrungen mit Präsenzunterricht mit Corona-Auflagen machen konnten.

Keine strenge Maskenpflicht wie in Bayern

Davon geht auch sein Kollege Bernhard Bleil aus. „Wir werden die Kinder in konstanten Gruppen unterrichten, damit mögliche Ansteckungsketten nachvollziehbar bleiben, sagt der geschäftsführende Schulleiter der Ludwigsburger Grund- Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen. Darum aber werde es auch Einschränkungen geben. So sei etwa noch offen, inwieweit der Ganztagsunterricht realisiert werden könne. Aber der Unterricht in den Kernfächern sei gesichert, sagt Bleil. Es gebe auch Hinweise auf eine weitere Normalisierung: So dürften im neuen Schuljahr wieder Kooperationen angeboten und auch außerschulische Lernorte aufgesucht werden.

Nachdem es im Vorfeld schon viel Aufregung um die Einschulungen gab, gebe es dazu eine gute Nachricht, sagt Bleil: „Beide Elternteile dürfen zur Begrüßung der Erstklässler mitkommen, die auf den Pausenhöfen stattfinden wird.“

Eine strenge Maskenpflicht wie in Bayern werde es nicht geben. Die Schüler müssten nur auf den Wegen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Ansonsten ist dieser nur für die Lehrer und das Personal verpflichtend. Im Grundschulunterricht sind auch die üblichen Abstandsgebote außer Kraft gesetzt. Was in den Grundschulen als praxisfremd gilt, wäre es erst recht in den Kindergärten und Tagesstätten.

„Riesenverantwortung“ für Erzieherinnen

Dass die üblichen Abstandsgebote nicht eingehalten werden können, hat jedoch hier zur Folge, dass die Personaldecke noch dünner wird: Die Gruppen müssten noch kleiner werden, während es eine größere Anzahl von Erzieherinnen gebe, die eine attestierte Vorerkrankung hätten und somit nur bedingt einsetzbar seien, sagt Thomas Brändle. „Außerdem sind die Erzieherinnen ganz besonders gefordert“, sagt der Leiter der städtischen Abteilung Kinder und Familie. Denn, was sollen sie im Falle einer Triefnase unternehmen? Schicken sie ein Kind wegen des Verdachts auf Covid-19 nach Hause oder belassen sie es in der Gruppe, weil sie annehmen, es sei wohl doch nur ein kleiner Schnupfen? „Egal, was sie tun, es ist eine Riesenverantwortung“, sagt Seigfried.

Zwar sei der geltende Personalschlüssel für Kitas in der Krise etwas aufgeweicht, sagt Seigfried. Er wurde um 20 Prozent abgesenkt, was für die Erzieherinnen Mehrarbeit bedeutet, dem Träger aber etwas mehr Zeit lässt, bis er eine Gruppe wegen Personalmangels schließen muss. „Doch das wird meist aufgefressen durch die Arbeit in Kleingruppen“, sagt Seigfried. „Wir können nicht hin und her switchen – weder bei den Kindern noch beim Personal.“

Nicht nur die Angst vor möglichen Corona-Infektionen, auch die vor einer herbstlichen Grippewelle ist bei den Verantwortlichen groß. Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, dürfen an den Tagesstätten und den Kinder- und Familienzentren weiterhin keine Kunst- oder Kulturveranstaltungen stattfinden. Auch Auftritte von Vorlesepaten oder Sprachunterricht sind gestrichen. „Wir wollen die Externen heraushalten“, sagt Seigfried und bedauert zugleich, dass das mit Blick auf die frühkindliche Förderung ein Rückschritt sei.

Neue Geräte für den digitalen Unterricht

In Bezug auf ihr Personal blicken Hilbert und Bleil zuversichtlich ins nächste Schuljahr: „Unsere Lehrer sind sehr motiviert“, sagt der Leiter des Otto-Hahn-Gymnasiums. Nur drei von 80 Lehrern gehörten an seiner Schule zur Risikogruppe. „Von unseren Lehrern ist niemand aufgrund eines Attests befreit“, sagt Bleil.

Die Fortschritte in Sachen Digitalisierung begeistern die Schulleiter. Dazu kommt, dass Ludwigsburg etwa eine halbe Million Euro an Bundesmitteln aus dem Digitalpakt bekommen hat: „Wir haben dafür per Eilentscheidung 1163 iPads und 212 Notebooks angeschafft“, sagt Seigfried. Gedacht sind diese Geräte für Kinder, die bisher für den digitalen Unterricht nicht erreichbar waren.




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