Die Grünen im Wahlkreis Ludwigsburg haben eine Wahl – das gab es lange nicht. Und dann wird sie auch noch spannend werden.

Region: Verena Mayer (ena)

Ludwigsburg - So spannend wie dieses Jahr ist die Vorbereitung der Grünen im Wahlkreis Ludwigsburg auf eine Landtagswahl lange nicht gewesen. 29 Jahre nicht mehr, um genau zu sein. Damals, anno 1991, hatte sich Jürgen Walter bei der Nominierung der Landtagskandidaten gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt. Seither musste sich Walter nicht mehr behaupten, sieht man von einem nicht allzu ernst genommenen Mitbewerber 2005 ab.

Für eine basisdemokratische und debattierfreudige Partei wie den Grünen ist das zwar eher ungewöhnlich. „Aber ich habe es ganz gut ohne Mitbewerber ausgehalten“, sagt Jürgen Walter, 62, der sich nun für seine siebte Legislaturperiode umstellen muss. Silke Gericke, 45, hat verkündet, dass auch sie in den Landtag einziehen und deshalb Jürgen Walter das Mandat abspenstig machen möchte.

Die geborene Nachfolgerin ist weg

Eigentlich, und auch das ist spannend, hätten die Grünen mit einer anderen Kandidaten rechnen können: Swantje Sperling, 36. Die Kreisrätin und Remsecker Stadträtin war bei früheren Wahlen Walters Ersatzkandidatin – also die geborene Nachfolgerin. Doch stattdessen bewirbt sie sich nun bei den Grünen im Wahlkreis Waiblingen. Sperling hat dort familiäre Wurzeln, und ihr Herz schlägt für diesen Wahlkreis nicht weniger als für den hiesigen, wie sie sagt.

Dass Jürgen Walter diesen Wechsel indirekt begünstigt hat, ist bei Kennern der Kreisgrünen kein Geheimnis. Walter hatte lange nicht erklärt, ob er ein weiteres Mal antritt – oder Platz macht für jemand Neues. Und letztlich hat er mit seinem Entschluss viele überrascht. Der Politprofi gilt als nicht mehr allzu engagiert, seit er 2016 seinen Posten als Staatssekretär im Wissenschaftsministerium verloren hat.

Beide Bewerber sind ermuntert worden

„Ich brenne weiterhin für die Politik“, versichert Jürgen Walter, der von vielen teilweise „geradezu gedrängt“ worden sei, erneut zu kandidieren. Zudem seien sein Bekanntheitsgrad und seine bisher bei Wahlen erzielten Ergebnisse eine gute Grundlage, wieder das Direktmandat zu holen. „Ich bin auch kein No-Name“, hält Silke Gericke dagegen, die im Landtagsbüro der Mannheimer Abgeordneten Elke Zimmer arbeitet, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität ist und seit 2019 im Ludwigsburger Gemeinderat sitzt. Auch sie sei zur Kandidatur ermuntert worden. Wenn sie nicht an ihren Erfolg glauben würde, würde sie nicht antreten, sagt Gericke.

Im Mai entscheiden die Grünen, mit wem sie im kommenden Jahre in den Wahlkampf ziehen wollen. Sicher ist: Es bleibt spannend.