Ludwigsburg Stadt rügt Restaurant wegen Mehrwegverpackungen

Während es am Samstag auf dem Marktplatz zu voll war, musste diesen Kunden bei Lange keine Warteschlange in Kauf nehmen. Foto: factum/Simon Granville

Weil während des Wochenmarkts viel los ist, sieht sich die Stadt zum Handeln gezwungen. Das Ordnungsamt schießt bei seinen Bemühungen, die Leute auf Abstand zu halten, aber ein Stück über das Ziel hinaus.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Ludwigsburg - Die Regelungen für Restaurants in der Corona-Krise trifft die Gastronomen überall in der Region hart. Viele versuchen derzeit, sich irgendwie über Wasser zu halten. Das Lange am Markt in Ludwigsburg hat von Anfang an versucht, trotz des grassierenden Coronavirus’ und drohender Einbußen die eigenen Werte nicht einfach über den Haufen zu werfen.

 

Als klar war, dass Restaurants nur noch Essen zum Mitnehmen verkaufen dürfen, schafften Andrea Lange und Florian Fleischmann nicht einfach Wegwerfverpackungen aus Plastik oder Karton an, sondern schlossen ihren Laden für 14 Tage – vor allem, um die eigenen Mitarbeiter zu schützen. Die Zeit nutzten die Gastronomen aber auch, um ein Konzept zu erarbeiten. „Wir wollen nachhaltig denken – auch in der Krise“, sagte Fleischmann Ende März

Die Wirte nahmen Geld in die Hand und stockten das Sortiment an wiederverwendbaren Essensboxen auf. Das Restaurant mit angeschlossener Kochschule verkauft seine Speisen nun in Edelstahlbehältern und Gläsern, Getränke gehen in Recup-Bechern über den Tresen. Die Kunden zahlen für die Behältnisse Pfand und bringen sie später wieder zurück.

Brief an den Ministerpräsidenten

Immerhin 15 Prozent des normalen Umsatzes generiert der Betrieb so – und vermeidet obendrein jede Menge Abfall. „Ich denke, wir sind vernünftig mit der Situation umgegangen“, sagt Fleischmann. Er war zufrieden – bis Ende vergangener Woche das Ordnungsamt vor der Tür stand.

Die Ansage der städtischen Mitarbeiter war eindeutig: Mehrweggeschirr ist ab sofort tabu. „Das entbehrte jeglicher Grundlage“, sagt Fleischmann. Und damit hat er recht. Wie die Behältnisse aussehen müssen, die ein Restaurant für den sogenannten Außer-Haus-Verkauf verwendet, regelt die Corona-Verordnung nicht.

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In ihrer Not wandten sich die Wirte an Winfried Kretschmann (Grüne). „Wir sind mehr als bestürzt darüber, dass die Menschen dazu gezwungen werden, Umweltschutz, ressourcenschonendes Arbeiten und Nachhaltigkeit vollständig aufzugeben“, schreiben sie an den Ministerpräsidenten.

Auch auf mehreren sozialen Netzwerken veröffentlichte das Restaurant den Brief. Die Reaktionen kamen prompt – und waren eindeutig. „Wenn du es eh schwer hast, machen die es einem noch schwerer“, schreibt ein Nutzer auf Facebook. In einem anderen Kommentar heißt es: „Die Menschen spinnen – allen voran die Entscheidungsträger.“ So ähnlich sahen es auch Fleischmann und Lange.

Stadt empfiehlt Boxen zum Recyceln

Daran gedacht, das System auf Einmalboxen umzustellen, haben sie nicht. Notfalls hätten sie sich der Anordnung widersetzt. Das müssen sie nun aber gar nicht mehr. Denn die Stadt ist zurückgerudert und die Sache klargestellt. Offenbar ist das Lange am Markt Opfer seiner Lage direkt am Ludwigsburger Marktplatz geworden.

Am Samstag vor dem Besuch hatten sich zu viele Menschen während des Wochenmarkts dort aufgehalten. Menschen, die an den Marktständen Schlange standen und diejenigen, die sich Frühstück holten, hatten sich vermischt. Eineinhalb Meter Abstand zu halten, war kaum noch möglich. „Wer wohin gehört hat, war aber nicht zu erkennen“, sagt Fleischmann.

Inzwischen haben sich die Restaurantchefs mit der Verwaltung verständigt. Es gehe der Stadt nicht um Einweg- oder Mehrwegverpackungen, stellt Fachbereichsleiter Heinz Mayer klar, sondern schlicht um die Abstandsregel. „Das wurde uns so vom Ordnungsamt aber nicht gesagt“, sagt Florian Fleischmann. Die Verwaltung argumentiert auch damit, dass Gläser und Tassen Gäste eher zum Verweilen einladen würden. „Die Stadt empfiehlt aber keine Plastikbehältnisse, sondern zum Beispiel recycelbare Behältnisse“, betont Mayer.

Betrieb darf weitergehen wie bisher

Deshalb darf das Lange am Markt weitermachen wie bisher. Fleischmann und Lange freuen sich. Künftig müssen sie ihre Kunden aber noch deutlicher darauf hinweisen, dass sie ihr Essen am besten Zuhause verzehren sollen. Am Tresen prangt nun auch ein großes Hinweisschild.

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