Ludwigsburg Streit über Straßennamen

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Die Benennung von Straßen nach umstrittenen historischen Persönlichkeiten wird höchst kontrovers diskutiert – im Bauausschuss ist eine knappe Mehrheit gegen Namensänderungen.

Die Karl-Peters-Straße könnte einem neuen Namensgeber gewidmet werden – und ihren Namen trotzdem behalten. Foto: factum/Granville
Die Karl-Peters-Straße könnte einem neuen Namensgeber gewidmet werden – und ihren Namen trotzdem behalten. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Sind Straßen, die nach umstrittenen historischen Persönlichkeiten benannt sind, Teil unserer Geschichte und müssen deshalb erhalten bleiben? Oder sind sie das Symbol einer Ehrung, die nicht mehr zeitgemäß ist, und müssen deshalb umbenannt werden? Zwischen diesen beiden Polen bewegte sich die höchst emotional geführte Debatte im Bauausschuss am Donnerstag. Die Positionen hätten konträrer kaum sein können. Während insbesondere die CDU eine Umbenennung von Straßen kategorisch ablehnte, verkämpften sich zumindest Teile der Grünen für eine akribische Untersuchung aller Personen, die Namensgeber einer Ludwigsburger Straße sind und eine unrühmliche Vergangenheit gehabt haben könnten.

Zur Debatte stand eigentlich die Umbenennung von sechs Straßen in Ludwigsburg. Allerdings weitete sich die Diskussion zu einer hitzigen Grundsatzdebatte darüber aus, wie generell mit Straßennamen umgegangen werden soll, die in Verbindung zu Diktatur, Militarismus, Kolonialismus oder Rassismus stehen. Letztlich konnten sich CDU und Freie Wähler knapp mit der Empfehlung an den Gemeinderat durchsetzen, nur eine einzige Straße umzubenennen – oder vielmehr umzuwidmen: Die Karl-Peters-Straße soll demnach nicht mehr nach dem wegen mörderischer Aktionen in Ostafrika berüchtigten Kolonialisten benannt sein. Ihren Namen soll sie dennoch behalten, allerdings soll sie künftig dem Strafrechtler Karl Peters gewidmet sein.

CDU: Wir brauchen keine zweite Entnazifizierung

Insbesondere der CDU-Fraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Klaus Herrmann und die Grünen-Rätin Elfriede Steinwand zeigten sich aufgebracht und geradezu kampfeslustig. Hermann betonte, die Straßennamen seien „Teil unserer Geschichte“ und ein „Gedächtnisspeicher“. Manche meinten wohl, durch eine Umbenennung könne man „unsere Geschichte bereinigen“, so Herrmann. Doch das sei falsch: „Wir müssen uns der Geschichte stellen, wir können uns nicht entziehen“, sagte er. Und: „Wir wollen und brauchen keine zweite Entnazifizierung.“ Zumal man den Anfängen wehren müsse, damit nicht bald alle möglichen Straßen und Plätze umbenannt werden müssten. Im Übrigen sei ein Namenswechsel ein enormer Aufwand für Anwohner und Behörden.

Elfriede Steinwand zeigte sich „entsetzt“ angesichts der Haltung der CDU. Schließlich dienten Straßenschilder wohl kaum der Geschichtsinformation, sondern der Ehrung der nach ihnen benannten Personen. „Und wir haben hier Namen, die mit einer modernen Zivilgesellschaft nicht vereinbar sind“, so Steinwand. Darum müsse man sich kümmern. Deshalb beantragten die Grünen eine Kommission, die die voraussichtlich etwa 150 fraglichen Straßennamen untersuchen solle.

Keine Mehrheiten für Umbenennungen

Daniel O’Sullivan (SPD) regte an, gar keine Straßen mehr nach Personen zu benennen: „Das ist eine Ehrung hoch drei.“ Wenn, dann müsse dafür schon eine sehr positive Lebensleistung nachzuweisen sein. Während sich auch Elga Burkhardt (Lubu) für eine Kommission stark machte, zog Bernhard Remmele (Freie Wähler) internationale Krisen als Maßstab heran: Angesichts von Kriegen und Flüchtlingsströmen in der Welt seien Straßennamen völlig unwichtig. In Richtung Grüne sagte er: „Wenn ihr euch mal so für Asylbewerber einsetzen würdet“ – und erntete dafür heftigen Protest.

Sowohl der Antrag der Grünen auf die Einrichtung einer Kommission als auch die Vorschläge der Stadt, die Carl-Diem- und die Hindenburgstraße umzubenennen, wurden knapp abgelehnt. Auch für die Umbenennung von Adolf-Gesswein-Straße, Heinkel- und Auguste-Supper-Straße gab es keine Mehrheiten.




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