Ludwigsburg Studentenzahl steigt auf Rekordwert

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Die Nachfrage nach Plätzen übersteigt das Angebot deutlich – und in den Hochschulen ist es eng. Knapp 10 000 Studenten gibt es im kommenden Semester in Ludwigsburg.

Die Verwaltungshochschule hat unlängst eine Außenstelle (Gebäude links) im Bleyle-Quartier in Ludwigsburg eröffnet. Die elf Vorlesungsräume dort bieten Platz für rund 300 Studenten. Foto: factum/Granville
Die Verwaltungshochschule hat unlängst eine Außenstelle (Gebäude links) im Bleyle-Quartier in Ludwigsburg eröffnet. Die elf Vorlesungsräume dort bieten Platz für rund 300 Studenten. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Die Studentenzahlen an den Hochschulen und Akademien in Ludwigsburg wird im jetzt beginnenden Wintersemester erneut ansteigen – voraussichtlich auf annähernd 10 000 Studenten und damit einen neuen Rekordwert. Die exakte Zahl liegt bislang nicht vor, weil es noch Nachrücker geben wird, aber schon jetzt lässt sich feststellen: der nach oben zeigende Trend hält an, aber die Kurve ist weniger steil als in den Vorjahren.

Das liegt nicht daran, dass das Interesse an einem Studium in der Barockstadt langsam nachlässt, im Gegenteil. Weil immer mehr Schüler in Deutschland Abitur machen, strömen immer mehr Studenten an die Hochschulen. Die Nachfrage ist demnach ungebrochen, aber das Angebot kann damit nicht mithalten, weil auch in Ludwigsburg zuletzt weniger neue Studienplätze geschaffen wurden. „Wir hatten für dieses Wintersemester 2000 Bewerber für 230 Plätze“, sagt Norbert Collmar, der Rektor der Evangelischen Hochschule.

Ohne Abiturnote „gut“ geht nichts

Ähnlich ist die Situation an der Pädagogischen Hochschule (PH), wo die Nachfrage das Angebot zwar weniger drastisch, aber in einigen Studiengängen doch immerhin um das Fünffache übersteigt, weshalb ein strenger Numerus clausus gilt. Wer etwa in Ludwigsburg Grundschullehramt oder Sonderpädagogik studieren will, muss eine Abiturnote von mindestens „gut“ vorlegen – es sei denn, er kann besondere soziale Aktivitäten wie etwa ein freiwilliges soziales Jahr vorweisen.

Verantwortlich für diese Begrenzung ist das Kultusministerium, das bestrebt ist, die Anzahl der Studienplätze mit der tatsächlichen Nachfrage nach Lehrern in Einklang zu bringen. Was ein kompliziertes Unterfangen ist, denn erfahrungsgemäß sei der Bedarf „schwer über einige Jahre hinweg prognostizierbar“, sagt der PH-Rektor Martin Fix. Rund 1000 Studienanfänger wird die PH im Wintersemester begrüßen. Die Gesamtzahl wird damit, wenn auch auf hohem Niveau, konstant gehalten: bei rund 5400 Studenten.

Einen deutlichen Anstieg verbucht hingegen die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen, was auch daran liegt, dass Finanz- und Verwaltungsexperten in Deutschland dringend gebraucht werden. 2600 Studenten werden bald an der Verwaltungshochschule eingeschrieben sein, das sind 300 mehr als vor einem Jahr und 1200 mehr als im Jahr 2007.

Raumnot herrscht an allen Hochschulen

Die Hochschule hat auf den Andrang reagiert und unlängst eine Außenstelle unweit des Ludwigsburger Bahnhofs eröffnet, die in elf Vorlesungsräumen Platz für etwa 300 Studenten bietet. Vor dem Hintergrund der stark anwachsenden Zahlen stelle dies „einen Meilenstein dar“, erklärt das für das Vorhaben zuständige Landesamt für Vermögen und Bau.

An den anderen Hochschulen in Ludwigsburg herrscht ebenfalls Raumnot. Auch aus diesem Grund plant die Evange­lische Hochschule bereits seit geraumer Zeit, eine Außenstelle in Schwäbisch Hall zu etablieren, musste dabei aber kürzlich einen herben Rückschlag einstecken: Das Land lehnte den Antrag, im Nordosten ­Baden-Württembergs einen Studiengang Pflege einzurichten, ab.

Derzeit verhandelt die Hochschule mit dem baden-württembergischen Wissenschaftsministerium noch über einen Studiengang Soziale Arbeit in Schwäbisch Hall. Der Rektor Norbert Collmar will sich zu diesem Thema derzeit öffentlich nicht äußern, er hat die Hoffnung auf die Außenstelle aber offensichtlich noch nicht aufgegeben. Auch am Campus in Ludwigsburg suche man momentan nach Möglichkeiten, um die Kapazitäten zu erhöhen, sagt er. „Denn es ist eng.“

Ein Umzug der PH-Außenstelle spült 600 Studenten in die Stadt

Das gilt auch für die Pädagogische Hochschule, die zudem eine besondere Herausforderung bewältigen muss. Die PH-Außenstelle in Reutlingen wird aufgelöst und mitsamt dem dortigen Fachbereich Sonderpädagogik in Ludwigsburg eingegliedert. Der schon vor Monaten begonnene Umzug soll Ende September abgeschlossen sein. Rund 400 bis 600 zusätzliche Studenten spült dieser Schritt dauerhaft an den Campus in Ludwigsburg. Auf die Gesamtzahl werde sich dies indes nur wenig auswirken, weil im Gegenzug das Platzangebot in anderen Studiengängen reduziert worden sei, sagt der Rektor.

Weil die PH vor einigen Jahren aus allen Nähten zu platzen drohte, wurde das Raumangebot zwischenzeitlich durch mehrere Um- und Neubauten erhöht. Heute ist die Lage entspannter, aber nicht entspannt. „Wir sind sehr gut ausgelastet, die Kapazität ist ausgeschöpft“, sagt Fix.

Vergleichsweise übersichtlich ist die Situation dagegen an der Filmakademie, die im Wintersemester 575 Studenten aufnimmt und damit ähnlich viele wie in den vergangenen Jahren. Eine Erhöhung sei nicht geplant, erklärt Rebekka Hees aus der Pressestelle. „Von daher ergeben sich bei uns auch keine räumlichen Engpässe.“