Ludwigsburg sucht Baumpaten Trockene Sommer: Kastanie und Co. leiden

Johannes Förschler beschneidet einen 80 Jahre alten Silberahorn auf der Bärenwiese. Foto: factum/Simon Granville
Johannes Förschler beschneidet einen 80 Jahre alten Silberahorn auf der Bärenwiese. Foto: factum/Simon Granville

Während Dürre und Pilze immer mehr Schaden an den Ludwigsburger Bäumen anrichten, wird das Geld für mögliche Gegenmaßnahmen knapper. Die Stadt setzt deshalb jetzt auf Baumpatenschaften und großzügige Spenden.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)

Ludwigsburg - Der dritte extrem trockene Sommer nacheinander, den etwa 30 000 Bäumen auf der Ludwigsburger Markung geht es entsprechend schlecht. „Wir müssen auch in diesem Jahr wieder 150 Bäume fällen“, sagt Michael Kamps vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen. Und nur 20 können durch Jungpflanzen ersetzt werden. Denn zu dem klimatisch bedingten Übel kommt das von der Corona-Krise verursachte: Auch um die Finanzen der Stadt ist es schlecht bestellt. Ludwigsburg musste in diesem Jahr den Etat für die Baumpflege von sechs auf fünf Millionen kürzen. Eine Baumpatenaktion soll Schlimmeres verhindern.

Als gesund gelten mittlerweile nur noch 13 864 der insgesamt 29 747 Bäume, die in den kleinen Parks, auf Spielplätzen oder in den Ludwigsburger Alleen stehen. Die übrigen sind geschwächt, 795 davon erheblich. „Trotzdem können wir nur die fällen, bei denen die Gefahr am größten ist“, sagt Thomas Kaltwasser der bei den Technischen Diensten für die Grünpflege zuständig ist. Das heißt, vor allem Bäume, die am Straßenrand stehen werden geschlagen.

Klimaverbesserer leiden unter dem Klimawandel

„Wir pflegen die Bäume, solange es geht“, sagt er. Sprich: Bereits abgestorbene, von Pilzen befallene oder gefährlich weit überhängende Äste werden herausgeschnitten. Das trage zur Stabilisierung bei. „Der Baum braucht dann nicht mehr so viel Wasser, vielleicht kommt er auf diese Weise mit der geringeren Menge zurecht“, meint Kamps. Zurzeit sind die Technischen Dienste mit Kletterseilen und Hebebühnen auf der Bärenwiese im Einsatz. „Normalerweise kann man zu dieser Jahreszeit noch nicht durch eine Buche hindurchschauen“, sagt Kamps und deutet auf ein großes Exemplar dieses deutschen Musterbaums, dessen Wipfel nicht nur durchscheinend, sondern ganz kahl sind.

So oder so befinde man sich in einer Zwickmühle. Denn Bäume seien nun einmal ein notwendiger Schutz. Sie seien in der Lage, viele negative Folgen der Erderwärmung zu neutralisieren und ein für die Menschen angenehmes Stadtklima zu schaffen. Doch nun litten ausgerechnet Eiche, Kastanie und Co. am meisten unter den Folgen des Klimawandels.

Das Gießen ist zu teuer

Doch trotz der Wasserknappheit im Sommer könnten die Ludwigsburger Bäume in der Regel nicht häufiger gewässert werden. Das koste einfach zu viel Geld. Für einen ausgewachsenen Baum seien in kurzen Abständen bis zu 200 Liter Wasser nötig. „Das können wir nur bei denen am Marktplatz machen“, sagt Kamps. „Ansonsten werden die Bäume nur bis zum fünften Standjahr von uns gewässert.“ Im Jahr 2018 hat die Stadt 215 000 Euro für das Wasser und das Gießen ausgegeben, 2019 waren es schon 308 000 Euro.

Da die Corona-Krise noch lange nicht ausgestanden und ein rascher Wirtschaftsaufschwung nicht in Sicht ist, wird die Stadt Ludwigsburg in den kommenden Jahren eher noch weniger als mehr Geld für Dinge wir Baumpflege ausgeben können. Darum setzen die Verantwortlichen nun einige Hoffnung in die Spendenbereitschaft von Vereinen, Firmen oder Einzelpersonen. „Der größte Baumspender ist momentan die Wohnungsbau GmbH Ludwigsburg“, sagt Kaltwasser. Dank der Aktion 100 Bäume in 10 Jahren.

Ein Alleenbaum als Geburtstagsgeschenk?

„Wir hätten allerdings ungefähr 700 freie Standorte an unseren Straßen“, sagt Michael Kamps. „80 davon könnten wir ganz schnell dafür freimachen.“ Der Fachbereich Tiefbau und Grünflächen kalkuliert mit besonderen Anlässen: So könnten zum Beispiel Hochzeiten, Geburtstage oder Trauerangelegenheiten genutzt werden, um etwas Gutes für die Ludwigsburger Bäume und das Stadtklima zu tun. Ähnlich geeignet für Spendenschecks wären Vereins- und Firmenjubiläen, hofft man bei der Stadtverwaltung.

Eine andere Möglichkeit sei es, Patenschaften für Bäume zu übernehmen. Momentan kümmerten sich immerhin 18 Familien oder Gruppen um 44 Bäume. Zu den speziellen Aufgaben der Paten gehört das Geißen der Bäume. Kontroll- und Schnittmaßnahmen bleiben beim Fachbereich Tiefbau und Grünflächen.

Unterdessen wird landauf landab nach dem sogenannten Zukunftsbaum gesucht. Einer Pflanze, die auch bei größerer Hitze prächtig gedeiht und längere Trockenzeiten problemlos wegsteckt. „Noch wurde dieser Klimabaum nicht gefunden“, sagt Kamps. Die Wissenschaftler suchen systematisch danach.




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