Die Proben für die Kinderoper „Die Nixe“ gehen in die heiße Phase. Premiere hat die Koproduktion von Junger Oper Stuttgart und Ludwigsburger Forum am Schlosspark am 16. April.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)

Ludwigsburg - Gleich nachdem er das Licht von der Finsternis geschieden hatte, trennte Gott Erde und Wasser. So steht es im biblischen Schöpfungsbericht. Mit dieser Trennung allerdings wollten sich die Menschen nie richtig abfinden. Immer wieder zog es die Landbewohner auf und in die fremde Welt der Ozeane. Im Gegenzug haben sich einzelne Meeresbewohner nach einem Leben an Land gesehnt. So steht es zumindest im Märchen von der Wasser­nixe, das die Junge Oper Stuttgart in einer Koproduktion mit dem Ludwigsburger Forum auf die Bühne bringt. Geprobt wird seit November, im April ist Premiere.

In der Erzählung von der kleinen Meerjungfrau von Hans Christian Andersen kollidieren beide Sehnsüchte – der Prinz will ins Wasser, die Nixe will Mensch werden. Die Liebe soll das Unmögliche möglich machen, aber die Sache geht schief, weil eine böse Hexe das Spiel manipuliert hat. „Für mich ist diese Unterwasserwelt die Leere“, sagt die Regisseurin Barbara Tacchini. „Da geschieht nichts, schon gar nichts Kreatives.“ Sie selbst und ihre Mitarbeiter allerdings haben schon sehr viel Kreativität aufgewendet, um diesen Leerlauf in der Tiefsee ins Bild zu setzen. Einen wesentlichen Anteil daran trägt der Videokünstler Stephan Komitsch, der seine Kamera mal auf ein Aquarium richtet, mal auf die Trommel einer Waschmaschine, die bei 30 Grad Celsius schäumt wie das Meer.

„Das Timing muss stimmen“

Seit Anfang März treffen sich die Chorsänger viermal in der Woche, um stundenlang an der Stimmführung und ihrer Bühnenpräsenz zu feilen. „Am Ende sollen unsere Nixen Suri-ashi, eine Schwebegangtechnik aus den No-Theater, beherrschen“, sagt Tacchini. Schreiten statt rennen und gehen. Für die Regisseurin gehört das zum Feinschliff, den sie sich für die heiße Probenphase in den Osterferien aufspart. Am Anfang ist es ihr wichtiger, dass alle verstehen, warum sie etwas machen. Sie müssen verinnerlicht haben, ob ihre Figur gerade nur neugierig oder richtig fies ist. Und das Ganze abgestimmt auf die Musik: „Das Timing muss stimmen“, sagt Tacchini. „Theater und Musik miteinander zu verzahnen, ist für mich wie ein Pingpong-Spiel.“

Der Musikalische Leiter Till Drömann betont: jeder einzelne Charakter dieser Oper drückt sich in Dvoráks Komposition aus. Und die hat ihre Tücken. Vielleicht gerade, weil sie beim ersten Anhören eher gefällig anmutet. Tatsächlich aber reiben sich die Altstimmen und der Mezzosopran schon in scheinbar beiläufigen Passagen heftig aneinander. Das ist schwer zu singen und kostet viel Probenschweiß.

Bisher wurde nur im Probenzentrum des Schauspielhauses im Stuttgarter Norden gearbeitet. In der kommenden Woche dürfen die Akteure erstmals auf die Bühne im Ludwigsburger Forum am Schlosspark, wo die Oper im April an fünf Abenden aufgeführt wird. Allein der Orchestergraben schaffe völlig andere Dimensionen, meint Tacchini. Dazu kommt eine völlig andere Bühnentechnik. „In einer Szene werden zwei Nixen in die Höhe gezogen“, sagt die Regisseurin. Wurden sie im Stuttgarter Probenraum nur zwei bis drei Meter hochgelupft, werden sie in Ludwigsburg in schwindelnde zehn Meter Höhe gehievt: „Das kostet viel Überwindung.“

Erstmals auf die große Bühne

Da die „Nixe“ die erste Zusammenarbeit zwischen dem Forum und der Jungen Oper Stuttgart ist, betritt damit auch Barbara Tacchini Neuland. Noch ist völlig offen, wie gut sich das Konzept für den Sound, das Licht und die Video-Installation übertragen lässt. „Zum Glück sind wir noch gut in der Zeit“, sagt sie. Im Übrigen stehe das Forum ihrem Ensemble zwei Wochen lang zur Verfügung – unmittelbar vor der Premiere am 16. April. Ein absoluter Luxus, wie sie findet: „Für eine Opernproduktion ist das sehr viel Zeit.“

In dieser Endspurtsphase werden die Sängerinnen auch erstmals mit dem Orchester zusammenarbeiten. „Das wird sicher spannend, weil ihr Ton bisher nur vom Klavier kam“, sagt Tacchini. „Es ist schon eine große Umstellung, wenn die Stimme dann vom Fagott begleitet wird oder von einem Streichinstrument.“

Die in Basel geborene Regisseurin, die seit 2006 die Junge Oper leitet, hatte zuletzt 2013 Michael Endes „Momo“ inszeniert. Für das Märchen von der Meerjungfrau hat sie sich entschieden, weil sie den Konflikt zwischen Flossen und Beinen als eine Geschichte über das Erwachsen­werden liest: „Wir fragen uns, welche Bedeutung hat der Körper in der Pubertät.“

Musik von Dvorak, Ideen von heute

Koproduktion
„Die Nixe“ ist ein Stück für Kinder ab zehn Jahren. Es ist eine Koproduktion des Ludwigsburger Forums mit der Jungen Oper Stuttgart und dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg. Für den Chor gab es im Oktober ein Casting: Aus 100 Bewerbern sind 37 Mädchen und ein Junge ausgewählt worden.

Musik und Libretto
In der Oper geht es um das vielfach erzählte Märchen von der Meerjungfrau, die sich unglücklich in einen Prinzen verliebt – allerdings in zeitgemäßer Deutung. Der Großteil der Musik stammt aus Antonín Dvoráks „Rusalka“. Sie wird ergänzt durch Kompositionen und Soundsequenzen von Alexandra Holtsch. Das Libretto hat Tim Staffel geschrieben.

Aufführungen
Premiere ist am Donnerstag, 16. April; weitere Vorstellungen sind am 17., 22., 23. und 25. April. Karten gibt es im Forum am Schlosspark (Telefon 0 71 41/9 10 39 00) und bei allen Easyticket-Vorverkaufsstellen.

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