Sie waren die Lieblinge des Ludwigsburger Altenheims, neun Hasen, Blaue Wiener, süße Tiere. Ein Tierquäler hat jetzt acht davon im Vorgarten des Heims umgebracht. Die Polizei tappt im Dunkeln – und die Senioren trauern.

Nachrichtenzentrale: Tim Höhn (tim)

Ludwigsburg - Sie sind die Lieblinge des Altenheims gewesen. Neun Hasen, Blaue Wiener, süße Tiere. Täglich saßen die Senioren vor dem Gehege im Garten des Heims und fütterten sie mit Karotten oder selbst gepflücktem Löwenzahn. Auch am Donnerstag, schon früh am morgen, wollte ein Bewohner den Hasen Futter bringen, aber die Tiere ließen sich nicht blicken. Eine Stunde später erkundigte sich eine Seniorin bei den Schwestern, wo denn die Hasen seien, der Stall sei leer. Aber der Stall war nicht leer. Die Schwestern fanden die Tiere unter einer Schicht von Rindenmulch und Stroh, tot. „Wir haben sofort die Polizei gerufen“, berichtet Sonja Haager, die Hauswirtschaftsleiterin des Albert-Knapp-Heims an der Mühlstraße in Ludwigsburg.

 

Der Täter hat die Hasen mit einer Holzlatte umgebracht

Die Beamten untersuchten den Stall und das dazugehörige Gartenhäuschen, und was sie sahen, lässt wohl nur einen Schluss zu: „Wir gehen davon aus, dass die Hasen erschlagen wurden“, sagt Peter Widenhorn, der Sprecher der Ludwigsburger Polizeidirektion. An den Köpfen seien Schlagspuren und Blut entdeckt worden. Als Tatwaffe diente offenbar eine Holzlatte, die in dem Gehege lag. Die Polizei tappt im Dunkeln. „Wir haben keine Informationen, was Motive und Täter angeht“, sagt Widenhorn. Ihm sei nicht bekannt, dass es in jüngerer Vergangenheit Fälle von Tierquälerei im Kreis Ludwigsburg gegeben habe. „Dass jemand Hasen mit einer Zaunlatte erschlägt – da fehlen mir die Worte.“

Auch Corina Dittrich ist fassungslos. Die 30-Jährige arbeitet als Schwester, und es waren ihre Hasen – sie hat sie dem Heim zur Verfügung gestellt, zur Freude der Bewohner. Es gebe keine Erklärung für die schreckliche Tat, sagt sie. „Wer so etwas macht, muss psychisch krank sein.“ Die Tiere seien nicht laut gewesen, hätten niemanden gestört. Nur einer der neun Blauen Wiener überlebte die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Corina Dittrich nahm ihn sofort mit nach Hause, wo sie noch andere Hasen hält. „Der ist völlig fertig, sitzt nur in der Ecke und zittert.“

Die Bewohner des Altenheims trauern

Bei den Bewohnern des Heims hat sich am Donnerstag schnell herumgesprochen, was passiert ist. „Die Senioren trauern und sind schockiert“, sagt Sonja Haager. Das Hasengehege sei für die älteren Leute „eine Art Freiluftfernseher“ gewesen. Sie hätten die Tiere umsorgt und damit eine wichtige und erfüllende Aufgabe gehabt. Ob und wann andere Hasen in den Stall einziehen, ist noch nicht entschieden. So schnell wohl nicht. Zu groß ist die Angst, dass der Tierquäler erneut zuschlagen könnte.

Der Unbekannte, vielleicht waren es auch mehrere, muss sich erhebliche Mühe gemacht haben. Das Gehege war abgeschlossen – um hinein zu gelangen, musste er über den Zaun klettern und ein Netz entfernen. Auch im Gartenhaus lagen tote Hasen, das Schloss war unversehrt. Sonja Haager vermutet, dass der Täter die Tür mit einem speziellen Werkzeug geöffnet und dann wieder abgeschlossen hat. Mysteriös ist zudem, dass er die Tiere noch sorgfältig mit Mulch und Stroh bedeckte. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer 0 71 41/18 53 53 zu melden.