Ludwigsburg und Umgebung Corona kühlt den Immobilienmarkt nicht ab
Wer ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen möchte, muss in und um Ludwigsburg trotz Corona tief in die Tasche greifen. Das hat mehrere Gründe.
Wer ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen möchte, muss in und um Ludwigsburg trotz Corona tief in die Tasche greifen. Das hat mehrere Gründe.
Ludwigsburg - Die Lage auf dem Haus- und Wohnungsmarkt in Ludwigsburg und im Kreis ist nach wie vor angespannt. Wer mieten oder gar selbst ein Haus bauen möchte, der muss tief in die Tasche greifen, daran hat auch die Coronakrise nichts geändert. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Grundstücken, Wohnungen und Häusern ungebrochen. Das sind die – für Wohnungssuchende und Bauwillige ernüchternden – Ergebnisse des Cityreports, den der Immobilienverband Deutschland erstellt hat. Die Experten analysieren regelmäßig die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt in verschiedenen Städten und Kreisen.
Und sie sind sicher: Was die Preisentwicklung angeht, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Ein Treiber sind die hohen Rohstoffpreise, besonders Holz, aber auch andere Materialien zum Dämmen oder Stahl waren zuletzt deutlich teurer geworden. Eigentlich sollte man meinen, dass die Konjunkturprognosen in Verbindung mit der sich anbahnenden Transformation der Automobilindustrie den Markt etwas beruhigen sollten – eigentlich. Denn diese vermeintlichen Unsicherheitsfaktoren wirken sich offenbar weniger stark aus, als man annehmen sollte. So sehen das zumindest die verantwortlichen Marktforscher beim IVD. Trotz allem sei der „Kaufwille groß und der Nachfrageüberhang der vergangenen Jahre ist noch nicht abgebaut“, sagt Stephan Kippes, der das Marktforschungsinstitut leitet. Sein Fazit: Ludwigsburg „ist eine gefragte Gegend mit viel zu wenig Bautätigkeit.“
Kippes geht davon aus, dass sich die Situation auch in den „nächsten paar Jahren“ nicht grundlegend ändern wird und prognostiziert eine „Seitwärtsbewegung“ bei den Preisen. Dazu trägt auch der Geldmarkt bei. Zum einen sind die Zinsen weiterhin „sensationell niedrig“, zum anderen suchen viele Menschen nach Anlagemöglichkeiten. „Wenn der Bankberater anruft, und sagt: Sie müssen etwas mit ihrem Ersparten machen, sonst zahlen sie Strafzinsen, dann werden auch teilweise irrational höhere Preise für Immobilien gezahlt“, so Kippes. Er hält eine Anlage nach wie vor für eine „gangbare Möglichkeit“, allerdings solle niemand „aus Verzweiflung völlig überteuert“ kaufen.
Lesen Sie aus unserem Angebot: So viel steigen die Mieten in Ludwigsburg
Gefragt waren in Ludwigsburg zuletzt Einfamilienhäuser – und zwar „jeglicher Art“, wie es in dem Bericht heißt. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Kaufpreise für frei stehende Einfamilienhäuser um 46 Prozent. Nur die Teuerungsraten bei Eigentumswohnungen lagen mit einem Plus von 53 Prozentpunkten noch höher. Betrachtet wurden bei der Untersuchung jeweils Bestandsobjekte mit „einem guten Wohnwert“. Wer im Frühjahr dieses Jahres eine Eigentumswohnung kaufte, musste für den Quadratmeter einer Bestandsimmobilie durchschnittlich 3600 Euro auf den Tisch legen. Für Neubauten wurden pro Quadratmeter 5700 Euro veranschlagt.
Besonders groß ist das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in der mittleren Preisklasse, viel zu viele Bewerber gibt es regelmäßig bei Objekten zwischen 850 000 und 900 000 Euro. Aber gerade in diesem Bereich herrscht sowohl im Neubausegment als auch bei den Bestandswohnungen Flaute. Auf der anderen Seiten sind immer mehr Neubauwohnungen in Innenstadtlage auf dem Markt, diese kosten aber auch entsprechend viel. Erst wenn Preise über eine Million Euro aufgerufen werden, lässt die Nachfrage nach. Wer nicht geerbt hat oder bei einem großen Unternehmen sehr gut verdient, für den sind die eigenen vier Wände meist unerschwinglich.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Welche Wohnung gibt es für 300 000 Euro?
Auf dem Markt für Mietwohnungen macht sich die Pandemie hingegen durchaus bemerkbar. Vor allem hochpreisige Wohnungen und Häuser sind inzwischen weniger gefragt. „Der überregionale Zuzug, der insbesondere den gut bezahlten Arbeitsplätzen aus der Region geschuldet war, ist in der Pandemie erwartungsgemäß stark rückläufig“, sagt Tobias Rienhardt, Regionalbeirat des IVD-Süd und stellvertretender Vorsitzender im Gutachterausschuss der Stadt Ludwigsburg. Allerdings sei der Mietwohnungsmarkt weiterhin angespannt „und im Großen und Ganzen unverändert.“ Die durchschnittlichen Mieten pro Quadratmeter betrugen im Frühjahr 10,80 Euro für Altbauwohnungen. Wohnungen, die zum ersten Mal bezogen wurden, kosteten im Schnitt 14 Euro pro Quadratmeter.