Ludwigsburg und Umgebung Die größten Wohnbauprojekte im Kreis Ludwigsburg

Kein seltener Anblick im Kreis Ludwigsburg: Baukräne. Sie stehen vor allem für die Hoffnung auf Wohnraum – am besten bezahlbaren. Das gilt auch für das Lothar-Späth-Caré in Bietigheim. Auf rund 4,8 Hektar entstehen mehr als 400 Wohnungen und Häuser. Foto: Simon Granville

Im Landkreis Ludwigsburg fehlen laut Schätzungen rund 29 000 Wohneinheiten bis 2035. Was wird dagegen unternommen? Wir blicken auf einige Baugebiete im Kreis.

Ludwigsburg - Wohnen ist im Kreis Ludwigsburg für manche Familie zum unerschwinglichen Luxusgut geworden und Wohneigentum für viele unerreichbar. Eine Prognose des Verbands Region Stuttgart von 2018 geht in der Eigenentwicklung von einem Bedarf an 7917 Wohneinheiten, beziehungsweise 258  Hektar Bauland bis 2035 für den Landkreis Ludwigsburg aus. Für Zugezogene rechnet der Verband Region Stuttgart im Landkreis bis 2035 mit einem Bedarf an 21 000 Wohneinheiten, beziehungsweise 697 Hektar. „Dabei unterscheidet der Verband aber nicht zwischen bezahlbarem Wohnraum und hochpreisigem Wohnraum“, erklärt Andreas Fritz vom Landratsamt Ludwigsburg. „Den konkreten zahlenmäßigen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum anzugeben, ist nicht ganz leicht. Grundsätzlich wird von allen Akteuren im Bereich des Wohnungsmarktes dargelegt, dass es immer schwieriger bis unmöglich wird, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, stellt er weiter klar.

 

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Kreis Ludwigsburg setzt auf Bürgergenossenschaft Wohnen

Insgesamt habe die Bautätigkeit im Kreis zwar zugenommen, gleichzeitig „fallen aber immer mehr Wohnungen aus der Bindung als preisgünstiger Wohnraum heraus. Daher hat sich die Situation in den letzten Jahren nicht verbessert“, sagt Andreas Fritz. Der Landkreis Ludwigsburg hat daher 2018 ein Bündnis für bezahlbaren Wohnraum gegründet und Informationsveranstaltungen zum Thema angeboten. Seither hat in den Kommunen und bei Wohnbaugesellschaften ein Umdenken stattgefunden. Sehr viele Kommunen haben sich auf den Weg gemacht, über neue Wege nachzudenken. Das hat auch eine aktuelle Umfrage des Landkreises ergeben. Zusätzlich dazu setzt der Landkreis auf die neu zu gründende Bürgergenossenschaft Wohnen. Hier soll in einem landkreisweiten Genossenschaftsmodell mit den Kommunen dauerhaft bezahlbarer Wohnraum vor Ort geschaffen werden. Aktuell laufen Planungen für einige große Gebiete. Hier ein paar Beispiele aus dem Kreis:

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In vier bis 15 Jahren fertig: die Bottwarwiesen in Oberstenfeld

Oberstenfeld

Mitten im Ortskern von Oberstenfeld soll in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Wohnraum für rund 1300 Menschen entstehen. Das Areal Bottwarwiesen gehört damit zu den ganz großen Neubaugebieten in der gesamten Region Stuttgart, wie Thomas Kiwitt, der Technische Direktor des Verbands Region Stuttgart (VRS) sagt. Das Neubaugebiet entsteht auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände. Es umfasst 12,3 Hektar Fläche und spielt für die Zukunft von Oberstenfeld eine extrem wichtige Rolle. Denn neben Wohneinheiten sollen auch Gewerbeflächen entstehen. Ebenso sind ein Kindergarten, seniorengerechtes Wohnen, ein Supermarkt, eine Weinmanufaktur und ein Hotel geplant. Mittelpunkt des Areals soll aber die mittendurch fließende Bottwar werden. Sie soll aus ihrem Korsett geholt werden und für Aufenthaltsqualität sorgen. Auch auf das Thema Ökologie wird Wert gelegt, so sollen etwa die Dächer begrünte Dachflächen mit Solar-Kollektoren haben. Ein Siegerentwurf wurde Mitte Oktober vorgestellt, nun geht es an die weitere Planung – und hier wird es, wie Bürgermeister Markus Kleemann deutlich macht, noch viele Änderungen und Anpassungen geben. Auch müsse erst noch Bestehendes abgerissen werden. „Es gibt so viele Unwägbarkeiten – bis es los geht, dürfte es demnach noch vier bis 15 Jahre dauern. Konkreter kann ich es nicht sagen“, sagt er. Die Volksbank Backnang, beziehungsweise deren Tochterfirma Levkas, hatte das Gelände 2019 vom Insolvenzverwalter gekauft und hat es sich zum Ziel gesetzt, „etwas Sinnvolles für den ganzen Ort zu schaffen“, sagt Levkas-Geschäftsführer Wolfgang Matt.

Seit Mai 2020 werden in Grünbühl Wohnungen gebaut

Ludwigsburg-Grünbühl In der Ludwigsburger Innenstadt gibt es praktisch keine Bauplätze mehr, neue Wohnungen entstehen aber noch in den Randlagen. „Grünbühl.living“ im gleichnamigen Stadtteil ist das Prestigeprojekt der Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL), die das Gebiet komplett selbst entwickelt. Gebaut wird seit Mai 2020. Weil drei verschiedene Architekturbüros die 107 Wohnungen des ersten Bauabschnitts geplant haben, entsteht „ein abwechslungsreiches und gleichzeitig harmonisch aufeinander abgestimmtes Quartiersbild“. Der erste Abschnitt soll im Frühjahr fertig werden. Insgesamt sind um die 420 Wohnungen geplant, 120 davon werden verkauft. Durchschnittlich kostet der Quadratmeter in dem neuen Quartier aktuell 6200 Euro. Von den ersten 40 Wohnungen, die zum Kauf standen, sei nur noch ein „kleiner Restposten“ übrig, sagt WBL-Prokurist Achim Eckstein.

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74 Wohnungen kommen auf den Markt

Der Andrang war groß, auch auf die Mietwohnungen, für die es bereits eine lange Warteliste gibt. „Im Prinzip steigen wir aber jetzt erst richtig in die Vermietung ein“, sagt Eckstein. Die nächste Tranche mit 74 Wohnungen – davon 22 Eigentumswohnungen im sogenannten Bauabschnitt A – kommt voraussichtlich im nächsten Sommer oder etwas früher auf den Markt. Es ist geplant, dass insgesamt ein Drittel aller Wohnungen als gefördert und damit 33 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete vermietet werden. Für diese Wohnungen ist dann ein Wohnberechtigungsschein notwendig. „Bei unseren Wohnungsverkäufer bevorzugen wir Eigennutzer, aber ansonsten gibt es eigentlich keine Zugangsbeschränkung“, sagt Achim Eckstein.

550 Wohneinheiten beim Jahnstadion geplant

Ludwigsburg: Wohnpark Fuchshof Nördlich des Ludwigsburger Jahnstadions sind 550 Wohneinheiten geplant. Ab Mitte 2023 sollen die ersten 190 realisiert werden, der Rest folgt eineinhalb Jahre später. Im Wohnpark Fuchshof wird es einen Mix aus Geschosswohnungsbau mit Miet- und Eigentumswohnungen und im geringen Umfang individuelle Stadtreihenhäuser geben. Die Bauplätze sollen an Investoren, Wohnungsbaugesellschaften und Baugenossenschaften verkauft werden. Die Vermarktung und Ausschreibung der Flächen beginnt frühestens im nächsten Herbst. Freistehende Einfamilienhäuser sind eigentlich nicht geplant, allerdings sollen Baugruppen zum Zuge kommen. Gemeinschaften, die zusammen ein Mehrfamilienhaus planen möchten, können sich auf der Homepage der Stadt Ludwigsburg vormerken lassen. Diese Möglichkeit werde bereits „rege angenommen“, sagt eine Sprecherin. „Aussagen zu den Grundstückspreisen sind möglich, wenn das Bebauungsplanverfahren weiter fortgeschritten ist und damit auch die Ausnutzbarkeit der Grundstücke feststeht.“

Die Stadt fordert von Käufern ihrer Grundstücke bislang, einen Anteil von mindestens 30 Prozent preisgedämpftem Mietwohnungsbau. Allerdings sieht man im Rathaus die Entwicklungen beim Bauen und auf dem Wohnungsmarkt mit Sorge. Grundsätzliche Möglichkeiten, dagegenzusteuern, werden „im Zuge der Vermarktung Fuchshof“ getroffen.

In Korntal soll Wohnraum für 1000 Menschen entstehen

Korntal-Münchingen In Korntal-Münchingen entsteht im Neubaugebiet Korntal-West Wohnraum für rund 1000 Menschen. Derzeit ist die Erschließung des gut 11,5 Hektar großen Geländes in den letzten Zügen. Im kommenden Jahr kann bebaut werden. Die Stadt selbst besitzt 40 Bauplätze, die sie in mehreren Verkaufsrunden anbietet. Zurzeit läuft die dritte Runde bis 31. Dezember. Es gibt drei Kontingente. Bei einem wird höchstbietend verkauft, hier liegt das Mindestgebot pro Quadratmeter bei 1150 beziehungsweise 1350 Euro für ein Einfamilienhaus. Die anderen Bauplätze gibt es zum Festpreis zwischen rund 300 000 Euro und 572 000 Euro für eine Doppelhaushälfte. Die ersten Verträge wurden laut der Stadtverwaltung bereits beurkundet. Das Baugebiet gilt als „beispielgebend für nachhaltige Lebensqualität“, so die Stadt: Es entstehen ein Quartiersplatz und Nachbarschaftsplätze, eine großzügige Grünfläche mit Spielplatz, kleine Mietgärten, Retentionsflächen für Regenwasser. Auch ist eine Kita geplant.

Wohnbau Layher blockierte die Umlegung

Mehr als 35 Jahre dauerte es, bis das größte – und nicht unumstrittene – Baugebiet in der Geschichte Korntals grünes Licht bekam. Angesichts des angespannten Wohn- und Immobilienmarkts werden dort mehr Einwohner als einst vorgesehen teurer als einst erwartet leben. Der Verkehr – der zusätzliche der neuen Bewohner, aber auch der Baustellenverkehr – war stets ein großes Thema, beim Gemeinderat wie bei der Bevölkerung. Hinzu kam, dass besonders das Besigheimer Wohnbauunternehmen Layher lange seine Zustimmung zur Umlegung verweigerte, um „Sonderbedingungen“ zu erwirken, wie es der Bürgermeister formuliert hatte. Das verzögerte die Erschließung erheblich.

Womöglich wächst die Kommune in absehbarer Zeit abermals um 1000 Einwohner: Ein österreichischer Investor plant die Bebauung eines dreieinhalb Hektar großen Areals an der Bahnlinie, an der Markungsgrenze zur Landeshauptstadt. Auf dem Gelände Greutter/Aichelin könnten 500 bis 550 Wohneinheiten entstehen. Der Gemeinderat sieht das in Teilen kritisch. Er forderte die Verwaltung in Korntal-Münchingen deshalb dazu auf, zunächst ein Stadtentwicklungskonzept zu erstellen. Er will damit sichergestellt wissen, dass einerseits die Infrastruktur mit der Einwohnerzahl mitwächst, andererseits die bisherigen Bewohner an der Entwicklung beteiligt werden.

In Bietigheim entstehen 400 Wohnungen und Häuser

Lothar-Späth-Carré Bietigheim Nahe der B 27 und dem Bahnhof in Bietigheim-Bissingen ist mächtig was in Bewegung. Auf dem ehemaligen Gelände der Autozulieferfabrik SWF – später Valeo – wächst ein großes, nach dem früheren Bietigheimer Bürgermeister und späteren Landesvater benanntes Wohngebiet: das Lothar-Späth-Carré. Auf rund 4,8 Hektar entstehen dort mehr als 400 Wohnungen und Häuser, eine Kita, ein Bürogebäude und Gewerbeeinheiten. Bebaut wird das Lothar-Späth-Carré in zwei Bauabschnitten: Im Süden entstehen Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser der Bietigheimer Wohnbau und der Firma Strenger. Im Norden wollen ebenfalls die Bietigheimer Wohnbau und die Firma Layher Mehrfamilienhäuser bauen. Das Layher-Areal ist bisher allerdings unbeplant, weil das Unternehmen und die Stadt miteinander im Clinch liegen.

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Frühjahr 2022 soll der erste Abschnitt fertig sein

„Der erste Bauabschnitt mit 22 Eigentumswohnungen in zwei Punkthäusern wird im Frühjahr 2022 fertig sein, alle Wohnungen sind schon lange verkauft“, berichtet Sabrina Peer von der Bietigheimer Wohnbau. Dagegen hat das kommunale Unternehmen im zweiten Bauabschnitt noch Wohnungen im Angebot. Der Bau von 52 Eigentumswohnungen dort ist noch in der Anfangsphase, zwölf Wohnungen sind verkauft, die anderen noch zu haben. „Außerdem bauen wir im zweiten Bauabschnitt 46 Mietwohnungen“, sagt Peer. Sie sollen im Herbst 2023 fertig sein und dann in die Vermietung gehen. Auch bei Strenger gibt es noch Mietwohnungen. Während die Tochterfirma Bauen und Wohnen Eigentumswohnungen erstellt, die schon alle verkauft sind, errichtet Wohnstolz zwölf Reihenhäuser zur Miete und 21 Mietwohnungen – zwölf davon öffentlich gefördert zu Preisen, die 30 Prozent unter dem Mietspiegel liegen- , die noch auf dem Markt sind: Die Vermietung habe gerade begonnen, informiert die Unternehmenskommunikation. Das Lothar-Späth-Carré ist nur eines von drei einstigen, nahe beieinander gelegenen Industriearealen im Wandel: Auch auf dem Elbe-Areal und dem DLW-Gelände, das jetzt Bogenviertel heißt, sollen künftig Wohnen und Arbeiten Hand in Hand gehen.

Kornwestheim setzt auf Nachverdichtung und ein Neubaugebiet

Kornwestheim Kornwestheim setzte in den vergangenen Jahren viel auf teils kleinteilige Nachverdichtung in der Innenstadt. Die Stadt in Sandwichlage zwischen Ludwigsburg und Stuttgart hat aber auch ein echtes großes Neubaugebiet im Fokus: Wohnraum für etwa 300 Personen soll in den kommenden Jahren im Gebiet „nördlich Zügelstraße“ im Norden der Stadt entstehen. Indes steht man in Kornwestheim mit der Entwicklung des Gebietes noch ganz am Anfang. Klar ist, „nördlich Zügelstraße“ soll kommen, klar sind die ungefähren Dimensionen, gewollt ist zudem, dass zum Gebiet ein Kindergarten und eine oder mehrere Tiefgaragen gehören. Viele Fragen in Sachen Gestaltung, Planung und Umsetzung des Gebietes sind aber noch offen. Mehr Klarheit soll ein Architektenwettbewerb bringen, im Februar, so hofft man es in der Stadtverwaltung, könnten erste Ergebnisse vorliegen.

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