Ludwigsburg unterliegt Ulm Es fehlen Glück und Erfahrung

Von Fabian Schmidt 

Ludwigsburg verliert ein spannendes Basketball-Schwabenderby gegen Ulm in der letzten Sekunde. Greer ist der Hoffnungsträger.

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Ludwigsburg - Vielleicht hat genau diese Erfahrung den Ludwigsburger Basketballern gefehlt. Der Ulmer Dane Watts kennt die Schwabenderbys wie kaum ein anderer, schließlich spielte er auch schon in Ludwigsburg sowie Tübingen – und der Flügelspieler war beim 77:76-(40:42-)Sieg von Ratiopharm Ulm vor 3546 Zuschauern bei der EnBW Ludwigsburg der Mann des Samstagabends.

Seinen großen Auftritt hatte er in der letzten Sekunde: Ludwigsburg führt 76:75, die Restspielzeit beträgt 21 Sekunden. Ulm greift an, die Heimmannschaft verteidigt sehr gut, Watts‘ Teamkollege Roderick Trice muss dennoch werfen, der Ball trifft nur das Brett – doch Watts ist da, bekommt seine Finger irgendwie an das Spielgerät und tippt den Ball in den Korb. In 0,3 Sekunden ertönt die Schlusssirene. Das sollte den Ludwigsburgern nicht mehr reichen.

„Die Ulmer hatte bei diesem Angriff eigentlich keine Ahnung, was sie machen sollten. Watts steht fast hinter dem Brett. Das war Glück“, sagte David McCray (25) nach der erneuten Niederlage in den letzten Sekunden – wie schon gegen Braunschweig im vergangenen Heimspiel.

Ludwigsburg hat zu viele Ballverluste

„Wenn man den letzten Wurf betrachtet, dann war das hier ein glücklicher Sieg“, sagte auch Ulms Trainer Thorsten Leibenath, der mit seinem Team erstmals seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga im Jahr 2006 in Ludwigsburg gewann.

„Das Glück des Tüchtigen“ titelte die Ulmer Clubhomepage noch am Abend des Erfolgs. Doch letztlich verlor Ludwigsburg vor allem im dritten Durchgang. In diesem zogen die Ulmer mit einem 17:0-Lauf auf 62:49 davon – unter kräftiger Mithilfe der Heimmannschaft, die vor allem durch Ballverluste ihren Rhythmus verlor.

Fünf waren es insgesamt in diesem Abschnitt, drei allein von Mark Dorris (25) in etwas mehr als zwei Minuten. „Wir haben uns da zu sehr unter Druck gesetzt“, sagte McCray. „Statt normal weiterzuspielen, hatten wir Angst, den Ball zu passen.“ „Fehler in solchen Situationen tun doppelt weh“, ergänzte der Ludwigsburger Trainer Markus Jochum. „Wir haben aber wieder den Glauben an uns und zurück ins Spiel gefunden. Dass Watts am Ende genau da steht, ist einfach Pech.“

Greer bringt Ruhe in das Spiel

Im dritten Viertel, das Ludwigsburg 9:22 verlor, wiesen besonders die Ballverluste aber auf eine Komponente in Jochums Mannschaft hin, die noch fehlt, um auch in entscheidenden Situationen zu bestehen, um eine beeindruckende Aufholjagd nach einem 15-Punkte-Rückstand wie im Schlussviertel dann auch mit einem Sieg zu krönen: die Erfahrung.

Der Trainer selbst hatte darauf bereits in der abgelaufenen Woche reagiert, verpflichtete mit dem 32-jährigen Jeff Greer einen älteren Spieler, nachdem zuvor die jungen Seth Tarver (23) und Terrel Harris (24) in ihrer Testphase nicht überzeugt hatten.

Greer war beim Einlaufen in die Arena noch etwas orientierungslos gewesen, hatte sich im Scheinwerferlicht ein paar Mal im Kreis gedreht, bis er erkannt hatte, wo sich die Mannschaft aufstellt. Anschließend spielte er gegen Ulm aber bereits 22 Minuten und brachte in einigen Aktionen die nötige Ruhe ins Spiel.

Kleinigkeiten machen derzeit den Unterschied

„Die Leute haben ein bisschen unterschätzt, wie wichtig Toby Bailey für uns war – vor allem wegen seiner Erfahrung“, sagte McCray. „Er wusste, wann er Akzente setzen muss, und Jeff ist ein ähnlicher Typ. Mit ihm ist die Mannschaft besser.“ Bailey hatte mit 35 Jahren seine Karriere nach der abgelaufenen Runde beendet.

Somit können die Ludwigsburger Anhänger zumindest die Hoffnung aus der vierten Niederlage nacheinander mitnehmen, dass Greers Integration schnell verläuft und der US-amerikanische Flügelspieler dem Team einen Schub gibt, damit das Saisonziel Play-offs wieder näher rückt.

Schließlich fehlen nur Kleinigkeiten, daher sagte Jochum trotz der fünften Saisonniederlage am achten Spieltag: „Es gibt keine Panik und keine Krise.“ Die Ulmer sind davon ohnehin weit entfernt, sie zählen nach dem sechsten Saisonerfolg zu den besten acht Teams, was zur Teilnahme an der Endrunde berechtigen würde. Hierin wiederrum hätte der Matchwinner Watts in der Bundesliga noch keine Erfahrung.