Neujahrsputz in Ludwigsburg Unterwegs mit Frühaufstehern: So wird am Neujahrsmorgen die Stadt gereinigt

Um 8 Uhr am Morgen ist kaum mehr etwas von der Silvesterparty auf dem Ludwigsburger Marktplatz zu erkennen. Foto: Simon Granville

Neujahr ist für die Ludwigsburger Stadtreinigung ein besonderer Arbeitstag. Zwischen kaputten Glasflaschen, schweren Feuerwerks-Batterien und glühenden Raketen erkennen die Fachmänner in jüngster Zeit einen Trend – es gibt immer weniger Müll.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres 2024 verwandeln den Ludwigsburger Marktplatz in ein kleines Idyll. Gegen 8 Uhr streifen einige wenige Passanten über den Platz, die einen befinden sich sichtlich angeschlagen auf dem Weg nach Hause, andere begrüßen bereits geschäftig und mit strammem Schritt das neue Jahr. Von der wilden Party, die hier wenige Stunden zuvor noch gefeiert wurde, ist derweil nichts mehr zu sehen – kein zerbrochenes Glas, keine Silvesterraketen.

 

Nur ein mit abgebranntem Feuerwerk beladener Transporter neben dem Marktbrunnen gibt einen Hinweis auf die Menschenmassen, die hier ins neue Jahr gerutscht sind. Das ist die Arbeit der Technischen Dienste Ludwigsburg (TDL), die nach Silvester zwar immer noch viel, aber deutlich weniger aufräumen müssen als früher.

Wohngebiete sind tabu

Um kurz vor 6 Uhr am Neujahrsmorgen beginnt der Arbeitstag für zwölf Mitarbeiter der Abteilung Stadtreinigung der TDL. Stefan Spielmann hat für diese Schicht sein privates Silvesterfest ausfallen lassen. Er habe kein Alkohol getrunken und sei um 22 Uhr ins Bett gegangen, sagt der TDL-Bereichsleiter und zuckt mit den Schultern.

Am Morgen des 1. Januar reinigt die TDL die sogenannten „Hotspots“. „Monrepos, Bahnhof, Bärenwiese, Arsenalplatz...“, zählt Spielmann auf. Also Plätze, auf denen an Silvester am heftigsten gefeiert wird und an Neujahr viele Passanten, Besucher und Spaziergänger vorbeikommen. Kleinere Plätze und Wohngebiete werden erst am Tag darauf geräumt, am Neujahrsmorgen sind diese tabu. „Sonst würde es Beschwerdeanrufe wegen der Lautstärke hageln“, sagt Vorarbeiter Sebastian Konczalla und lacht.

Traditionell macht der Marktplatz die meiste Arbeit, allein für diesen werden am Neujahrsmorgen acht Mitarbeiter eingesetzt. Rund eine Stunde lang kehren die den Müll mit Besen und Laubbläsern zusammen, verladen große Müllteile auf den Transporter und sammeln Altglas ein. Immer dabei: vier Kehrmaschinen, die den kleinteiligen Müll einfach aufsaugen.

Leider würden die wenigsten der Feiernden ihren Verpackungsmüll, Flaschen und Feuerwerksbatterien nach der Party selbst aufräumen, sagen die TDL-Verantwortlichen. Ihnen würde schon weiterhelfen, wenn der Müll nicht auf dem ganzen Platz zerstreut wäre, sondern auf kleinen Haufen gesammelt werden würde. Doch nicht nur deswegen ist Silvester für die Stadtreinigung eine Herausforderung. Beispielsweise verhaken sich die hölzernen Raketenstangen immer wieder in den Kehrmaschinen. Zudem können glühende Feuerwerkskörper den Auffangbehälter der Kehrmaschine in Brand setzen. Diese Gefahr sei jedoch gering, gibt Konczalla Entwarnung.

Immer weniger Müll

Die dritte Herausforderung sind die größtenteils betrunkenen Menschen, die am frühen Morgen noch unterwegs sind. „Als wir vorhin angefangen haben, hat eine Gruppe auf dem Marktplatz noch Feuerwerksvulkane abgebrannt“, sagt Konczalla. Die meisten Feiernden hätten Verständnis für die Arbeit der TDL. „Immer mal wieder bedanken sich die Menschen auch bei uns.“

Wie viel Müll die TDL an Neujahr sammelt, kann Bereichsleiter Stefan Spielmann nicht beziffern, er schätzt, dass wohl einige Tonnen zusammenkommen. Das Team nimmt jedoch einen deutlichen Trend wahr: Die Müllberge an Feuerwerkskörpern werden weniger. „Vor der Pandemie waren wir bis 11 Uhr mit den Plätzen beschäftigt, die ganze Wilhelmstraße war voller Müll“, erinnert sich Vorarbeiter Konczalla.

Wirklich erklären können die zwei diese Entwicklung nicht: Feuerwerkskörper seien immer noch gefragt und in vielen Supermärkten in den vergangenen Tagen ausverkauft gewesen, sagen die zwei. Zahlen des Verbandes der pyrotechnischen Industrie stützen diesen Eindruck. Demnach ist der Umsatz von Silvesterfeuerwerk zwischen 2019 und 2022 um fast 50 Prozent auf 180 Millionen Euro gestiegen. Es scheint zwei gegensätzliche Entwicklungen zu geben. Ein Teil der Gesellschaft verzichtet mit Blick auf die Feinstaubbelastung und das Tierwohl komplett auf Feuerwerk. Ein anderer Teil scheint derweil umso mehr Geld für Böller und Raketen auszugeben.

Ihre private Meinung zur Silvesterknallerei behalten Konczalla und Spielmann für sich, sagen aber, dass es aus TDL-Sicht natürlich einfacher wäre, gebe es ein einziges organisiertes Feuerwerk an einem zentralen Punkt der Stadt.

Mittlerweile ist es kurz vor 9 Uhr, die TDL-Mitarbeiter befinden sich auf der Zielgeraden. Spielmann und Konczalla haben noch ein paar Kontrollfahrten vor sich, dann trifft sich das Team zum Frühstück. Einige werden dann ein Mittagsschlaf machen, andere mit ihren Familien das Fest nachholen – noch einmal Kraft tanken, bevor es am nächsten Tag mit den Aufräumarbeiten auf den kleineren Plätzen und Straßen weitergeht.

Die Polizeibilanz für Silvester

Einsätze
 Das Polizeipräsidium Ludwigsburg verzeichnete für die Silvesternacht 224 Einsätze im Kreis Ludwigsburg und Kreis Böblingen – 26 weniger als im Vorjahr. Darunter einige kleinere Brände, drei Sachbeschädigungen und zehn Verkehrsdelikte. Die Anzahl der Körperverletzungen sei überschaubar gewesen, sagte eine Polizeisprecherin am Montagmorgen. Überhaupt sei die Anzahl und die Schwere der Delikte in der Stadt und im Kreis Ludwigsburg „überschaubar“ gewesen.

Einsatzkräfte
 Zwischen 100 und 150 Beamte des Polizeipräsidiums waren laut der Polizeisprecherin in der Silvesternacht im Einsatz. An einem normalen Wochenende sind es üblicherweise um die 90.

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