Ludwigsburg Verhärtete Fronten im Streit um Mensabau

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Seit dem Schuljahresbeginn ist die neue Grundschulmensa in Ludwigsburg in Betrieb. Derweil geht der Konflikt um Schadenersatz für die Nachbarn weiter. Ein neues Gutachten soll wieder Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen bringen.

Kinder aus der Pestalozzi- und der Anton-Bruckner-Schule haben die  neue Mensa  schon in Besitz genommen. Das Holzhaus rechts ist Teil der Schreinerwerkstatt. Foto: factum/Granville
Kinder aus der Pestalozzi- und der Anton-Bruckner-Schule haben die neue Mensa schon in Besitz genommen. Das Holzhaus rechts ist Teil der Schreinerwerkstatt. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Die neue Grundschulmensa mit Bewegungsraum ist fertig. Seit zwei Wochen dürfen die Kinder der Anton-Bruckner- und der Pestalozzischule im Neubau an der Gartenstraße zu Mittag essen oder Tobespiele veranstalten. Die Freude der Bauherren von der Stadt Ludwigsburg ist indes getrübt – genauso wie die der Nachbarn in den Häusern Gartenstraße 12 und 16. Mit dem Beginn der Aushubarbeiten für den Mensabau im Oktober 2013 haben sich in den Nachbargebäuden Risse gebildet, und Außenwände bekamen Schlagseite – um bis 3,6 Zentimeter.

Experten für Geotechnik

Im Grundsatz hat die Stadt den Anspruch der Nachbarn auf Schadenersatz anerkannt, aber seither konnten sich die Parteien weder über die Höhe noch über die Art der Entschädigung einigen. Nun haben die Nachbarn einen neuen Vorstoß unternommen und das Stuttgarter Ingenieurbüro Henke & Partner als Gutachter gewonnen. Die Stadt hat im Gegenzug zugesichert, dass sie die Ergebnisse abwarten und sich an den Kosten der neuerlichen Analyse beteiligen werde.

Die Experten für Geotechnik sollen die strittigen Fragen nach der Notwendigkeit und der Machbarkeit einer Nachgründung, einer Stabilisierung des Bodens, klären. Denn während das Baudezernat der Stadt davon ausgeht, dass alle Gebäude zum Stillstand gekommen und keine weiteren Schäden zu erwarten sind, befürchten die Geschädigten Hermann Schneider und Volker Sachse, dass sich Wände noch mehr neigen und sich auch neue Risse bilden könnten. Sie wollen darum auch nachträgliche Eingriffe in den Untergrund nicht ausschließen. „Für uns ist es wichtig, dass ein Spezialist für Fragen der Baugründung hinzugezogen wird“, sagt Schreinermeister Sachse.

Bohrungen für Bodenproben?

Die Stadt wolle das leidige Thema möglichst bald aus der Welt schaffen, sagt der Hochbauamtsleiter Mathias Weißer. Darum trage man diese ergänzende Initiative mit. „Wir sind offen, wir wollen dem keinen Riegel vorschieben.“ Aber dieses Gutachten müsse dann genügen, danach müsse eine Einigung erzielt werden.

Volker Sachse hofft, dass die Ludwigsburger Verwaltung dieser Linie auch dann noch treu bleibt, wenn die ersten Kostenschätzungen für das Gutachten vorliegen. „Möglicherweise sind Bohrungen nötig, denn der Boden muss ja untersucht werden“, sagt der Handwerker. „Das wird nicht ohne Blessuren abgehen.“ Klar sei, dass die Stadt den Schaden angerichtet habe und somit auch für die nötigen Gutachten gerade stehen müsse. Eine Expertise, die ein Sachverständiger 2014 im Auftrag der geschädigten Nachbarn erstellt hat, wurde von der Stadt als „nicht fachmännisch“ zurückgewiesen. Sachse glaubt, dass die Zuständigen im Baudezernat nur über die errechnete Schadensumme erschrocken sind: Demnach müsste Ludwigsburg dem Nachbar zur Rechten 200 000 Euro und dem zur Linken 170 000 Euro zahlen.




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